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Gebratener gepresster Schweinskopf

Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken · Frankfurt am Main · 1574

SchweinHauptspeise · SchweinLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10Bürgerliche KücheBürgerlich
Zubereitungszeit120 Min.Portionen4-6 PersonenBuchKoch und Kellermeisterei (~1574)

Schneide den Schweinskopf in Stücke, die etwa eine oder zwei Spannen lang sind. Spicke diese Stücke ringsum mit einer Nadel und kleinen, runden Speckwürfeln. Fertige einen schmalen hölzernen Spieß an, stecke die Stücke darauf und lege sie zum Feuer. Wende den Spieß anfangs behutsam zum Feuer hin, und je länger er brät, desto näher rücke ihn an die Glut, bis das Fleisch durchgehitzt ist. Dann ist es gar. Salze den Braten nicht zu stark, denn er ist bereits durch die Vorbereitung gesalzen. Falls du keinen Speck zum Spicken hast, begieße den Braten stattdessen leicht mit heißer Butter oder Fleischbrühe. Auf diese Weise bereitet man auch Rehbraten, Lendenbraten, Wildbret und Geflügel zu.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Schweinßkopff 1 gepökelter Schweinskopf Metzger -
kleine runde specklin 100 g Speck, gewürfelt - -
buttern 50 g Butter - -
fleischbrüh 200 ml Fleischbrühe - -

Welches Gericht ist das? Der gepresste Schweinskopf aus dem vorigen Rezept (kkm-056), in fingerlange Stücke geschnitten, mit Speck gespickt und am Holzspieß über der Glut gebraten - eine Resteverwertung, die aus dem kalten Presskopf einen warmen Spießbraten macht. Das Rezept ist zugleich eine allgemeine Bratanleitung am hölzernen Spieß für Reh, Lende, Wildbret und Geflügel.

Spicken als Bardierung. Die kleinen, runden Speckwürfel werden mit der Nadel ringsum eingezogen. Beim Braten schmilzt der Speck und hält das magere, schon gegarte Kopffleisch saftig - die klassische Bardierung. Wer keinen Speck hat, begießt stattdessen leicht mit heißer Butter oder Fleischbrühe; beides ersetzt das fehlende Bratfett.

Der hölzerne Spieß und das Garen über Glut. Ein schmaler Spieß aus frischem, grünem Hartholz (Hasel, Buche, Weide; nicht harzig) wird über reiner Glut verwendet - er verkohlt nur außen und überträgt schonend Hitze. Erst sittiglich (behutsam) in einigem Abstand anbraten, dann je lenger je neher an die Glut rücken, bis das Stück durchgehitzt ist. Da der Presskopf schon gegart und vom Gemecht her gesalzen ist, geht es nur ums Bräunen und Durchwärmen - daher die Warnung, nicht nachzusalzen.

Praxis. Den gepressten, gut gekühlten Schweinskopf in etwa 20-40 cm lange Stücke schneiden. Mit feinen Speckwürfeln spicken, auf einen geschälten Grünholzspieß ziehen. Über guter, ruhiger Glut (nicht offener Flamme) drehend braten, anfangs mit Abstand, dann näher, bis außen knusprig und innen heiß. Nicht salzen; bei Bedarf mit heißer Butter oder Brühe begießen. Dieselbe Methode gilt für Rehbraten, Lendenstück, Wildbret und Geflügel.

Was ist ein 'hölzerner Spieß' und wie verwende ich ihn?

Ein hölzerner Spieß wird aus frischem, grünem Hartholz (z.B. Hasel, Weide, Buche) gefertigt und über reiner Glut (nicht offener Flamme) als Einweggerät verwendet. Das Holz verbrennt nicht sofort, sondern gart das Fleisch schonend und verleiht ihm ein leicht rauchiges Aroma. Achte darauf, dass das Holz nicht harzig ist. Weitere Informationen findest du auf unserer Grundlagen-Seite zum hölzernen Rost.

Was bedeutet 'vom Gemecht gesalzen'?

Dies bedeutet, dass der Schweinskopf bereits vor der Zubereitung durch Pökeln oder Salzen konserviert wurde. Dies war eine gängige Methode, um Fleisch haltbar zu machen. Achte daher darauf, beim Nachkochen einen bereits gepökelten Schweinskopf zu verwenden oder ihn selbst vorab zu pökeln.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Die Zubereitung über offenem Feuer mit einem hölzernen Spieß ist authentisch und praktikabel. Du kannst den Schweinskopf bereits gespickt und gepökelt mitbringen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch 'Koch und Kellermeisterei', das um 1574 in Frankfurt am Main veröffentlicht wurde. Es bietet Einblicke in die frühneuzeitliche Küche und die Zubereitung von Fleisch am Spieß.

Von geprestem Schweinßkopff gebrahtens. Schneid Zentring einer spannen oder zweyer lang/ spick das mit einer nadlen vmb vnd vmb kleine runde specklin/ mach einen schmalen höltzin spies/ stoß an/ leg jn zum fewr. Am ersten wend jn sittiglich zum fewr/ je lenger je neher/ bis er durch hitzt/ so hat er sein genüg/ vnd versaltz jhn nicht/ denn er ist vom Gemecht gesaltzen/ hastu nicht Speck/ so begeus jn je leicht mit heisser buttern oder fleischbrüh. Also thut man Rehbrahten/ Lendbrahten/ Wildbret vnd Geuögel zu brahten.
Zentring

Längliche Stücke/Stränge, hier eine bis zwei Spannen lang geschnitten.

spannen

Altes Längenmaß, etwa 20-25 cm (Spanne der gespreizten Hand).

höltzin spies

Spieß aus frischem, grünem Holz, über Glut verwendet - verkohlt nur außen und gart schonend.

vom Gemecht gesaltzen

Schon durch die Zubereitung des Presskopfs (kkm-056) gesalzen - daher nicht nachsalzen.

sittiglich

Behutsam, mit Abstand zur Glut beginnen.

Handschrift
Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken
Sprache
Frühneuhochdeutsch
Entstehung
Frankfurt am Main, 1574

Originalwerk (~1574) gemeinfrei.

Bildquelle
Koch und Kellermeisterei, S. 034
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 2000) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Sehr lagertauglich: Braten am Grünholzspieß über der Glut ist die authentische Lagermethode. Den (zu Hause hergestellten) gepressten Schweinskopf gespickt und gekühlt mitbringen. Frisches, nicht harziges Hartholz für den Spieß schneiden und über ruhiger Glut, nicht offener Flamme, garen.
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