München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 384 · Südwestdeutschland · 1470
Danach aber vom Bären: Schneide Pfoten und Füße ab und siede sie sehr gut. Der Länge nach zu den Zehen soll es geschnitten werden. Und gib einen Gallerte-Pfeffer dazu.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| bern | Bär (Pfoten und Füße) | - | ⚠ Artenschutz: Bären sind in Deutschland und der EU streng geschützt. Dieses Rezept ist ein historisches Dokument und nicht zum Nachkochen gedacht. | - |
| galray pfeffer | Gallerte-Pfeffer (gewürzte, gelierte Sauce) | - | - | Eine kräftige, gewürzte Fleischgallerte oder eine dunkle Pfeffersauce. |
Welches Gericht ist das? Ein historisches Kuriosum der höfischen Wildküche: die kollagenreichen Pfoten und Füße eines Bären, lang weichgekocht und in einer gewürzten Sauce gereicht. Wir dokumentieren es als Zeugnis seiner Zeit - es ist kein Nachkoch-Rezept. Bären sind in Deutschland und der EU streng geschützt und weder jagd- noch handelbar.
Der Länge nach, dann an den Zehen. Die Pfoten werden ganz und gar wol (sehr gut) durchgesotten, bis das bindegewebsreiche Fleisch zart fällt, und erst danach nach den czechen - entlang der Zehen - zerteilt. Die mit ?! markierte Handnotiz zielt genau auf dieses czechen; die Schwester-Handschrift vom Bodensee schreibt klar nach den zechen = den Zehen.
Galray-Pfeffer. Dazu gehört ein galray pfeffer - ein Pfeffer im mittelalterlichen Sinn, also eine kräftig gewürzte, gebundene Sauce, hier in der Galray-Spielart (Galray = Gallerte aus tierischen und pflanzlichen Stoffen). Aus den gelatinereichen Pfoten zöge eine solche Sauce ihren Stand von selbst. Die Schwester-Überlieferung liest an dieser Stelle gelen pfeffer - einen gelben, vermutlich safrangefärbten Pfeffer; beide Lesarten sind alt und gleichberechtigt. Verwandt mit der Galray-Saucenfamilie der Sammlung (vgl. m384-039).
Auch anderswo bekannt. Bärenpfoten waren eine überregionale Luxusspeise: ein weiteres deutsches Kochbuch bereitet Bärenklauen in einer Senf-Mandel-Sauce zu (vgl. sev-014) - mit demselben Verfahren von Absengen, Putzen, Krallen-Entfernen, Weichkochen und Sauce.
Bären sind in Deutschland und der EU streng geschützt und dürfen nicht gejagt oder gehandelt werden. Dieses Rezept ist ein historisches Dokument und nicht zum Nachkochen gedacht.
Nein - Bären sind streng geschützt und dürfen nicht gejagt oder gehandelt werden. Selbst wenn dies nicht der Fall wäre, ist die Zubereitung von Bärenpfoten ein aufwendiger Prozess, der nicht für die einfache Lagerküche geeignet ist.
'Czechen' bezieht sich hier auf die Zehen oder Krallen der Bärenpfoten. Die Anweisung bedeutet, die gekochten Pfoten entlang der Zehen zu schneiden, um das Fleisch besser zu portionieren und zu servieren.
Dieses Rezept stammt aus dem Münchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384) (2. Hälfte 15. Jh., Südwestdeutschland). Das umfangreichste der Münchner Kochbuchhandschriften und das letzte in CoReMA edierte: 83 alemannische (südwestdeutsche) Rezepte des späten 15. Jh., sauber rubriziert von einer Hand auf Bl. 076r-078r und 103v-115v. Schwerpunkt auf Saucen und Vorräten - zahlreiche Salsen (Sältz), Pfeffer- und Leberpfeffer-Saucen (auch schwarzer Pfeffer), Gumpost (eingelegtes süß-saures Gemüse/Obst), Latwergen, Senf sowie Kraut- und Gemüsegerichte. Die gelegentlich erwähnte hebräische Schrift betrifft nur spätere Marginal-Nachträge (Bl. Ir + 122v-123v), nicht die Kochrezepte. Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Handschrift M2 ediert; größtes Cross-Link-Potenzial zu den anderen Münchner Büchern (Cgm 725/349/811).
Bär. Im Mittelalter wurden Bären gejagt und ihr Fleisch, insbesondere die kollagenreichen Pfoten, als Delikatesse geschätzt.
Eine gewürzte, oft dunkle und gebundene Sauce, die durch den hohen Kollagengehalt der Bärenpfoten geliert. Der Begriff 'Pfeffer' bezeichnet hier eine Saucenart, nicht nur das Gewürz.
Zehen, auch Krallen, der Bärenpfote: die Anweisung, nach den czechen zu schneiden, meint, entlang der natürlichen Zehengliederung zu zerteilen. Die Schwester-Handschrift bestätigt die Lesart mit der Variante nach den zechen.
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Stand dieser Fassung: 26.06.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.