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Schwarzer Pfeffer zu Wildbret

München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 384 · Südwestdeutschland · 1470

WildHauptspeise · WildLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit45 Min.Portionen4-6 PersonenBuchMünchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384) (~1470)

Für einen schwarzen Pfeffer nimm geröstetes Roggenbrot und durchtränke es mit der Brühe, mit Wein und Essig, bis es genug ist, und würze es. Gib Speck hinzu, wie zuvor beschrieben, und koche das Wildbret darin.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
gebattes brott ruggis Geröstetes Roggenbrot - Supermarkt, Bäcker -
bruege Brühe - - -
win Wein - - -
essich Essig - - -
bewurtz es Gewürze - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel Pfeffer, Ingwer, Nelken, Galgant
speck Speck - Metzger -
wild pratt Wildbret - Metzger, Wildhändler Rindfleisch oder Schweinefleisch

Welches Gericht ist das? Ein Schwarzer Pfeffer zu Wildbret - ein „Pfeffer" im Sinne einer dunklen, mit Brot gebundenen Würzsauce, in der das Wildfleisch gegart wird. Die dunkle Farbe kommt vom gerösteten Roggenbrot und den Gewürzen.

Technik: Geröstetes Roggenbrot (gebättes brott = gebäht/geröstet, nicht gebacken) wird mit Brühe, Wein und Essig durchtränkt und passiert - das Brot bindet die Sauce. Kräftig würzen, ausgelassenen Speck zugeben (auf ein früheres Rezept verwiesen) und das Wildbret darin gar köcheln.

Praxis: Dunkles Roggenbrot rösten, in Brühe + Wein + etwas Essig einweichen und durch ein Sieb streichen. Mit Pfeffer, Ingwer, Nelken würzen, Speckwürfel/-fett zugeben und das Wildbret (Hirsch, Reh, Wildschwein) in der Sauce schmoren, bis es gar ist.

Welche Gewürze soll ich verwenden?

Der Text nennt keine konkreten Gewürze. Typisch für einen Pfeffer wären Pfeffer (schwarz oder lang), Ingwer, Galgant, Nelken und Zimt.

Kommt in den ‚schwarzen Pfeffer' Blut?

In diesem Rezept nicht - der Text bindet die Sauce ausschließlich mit geröstetem Roggenbrot und färbt sie damit (und mit den Gewürzen) dunkel. Blut wird nicht erwähnt.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja - einfach im Topf am Feuer zuzubereiten. Frisches Wildbret und Speck müssen gekühlt transportiert oder am Markttag frisch gekauft werden.

Was bedeutet ‚als vor ist geschriben'?

Ein Verweis auf ein früheres Rezept der Handschrift, das die Speck-Zubereitung beschreibt. Praktisch: gewürfelten Speck auslassen und Fett samt Grieben in die Sauce geben.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Münchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384) (2. Hälfte 15. Jh., Südwestdeutschland). Das umfangreichste der Münchner Kochbuchhandschriften und das letzte in CoReMA edierte: 83 alemannische (südwestdeutsche) Rezepte des späten 15. Jh., sauber rubriziert von einer Hand auf Bl. 076r-078r und 103v-115v. Schwerpunkt auf Saucen und Vorräten - zahlreiche Salsen (Sältz), Pfeffer- und Leberpfeffer-Saucen (auch schwarzer Pfeffer), Gumpost (eingelegtes süß-saures Gemüse/Obst), Latwergen, Senf sowie Kraut- und Gemüsegerichte. Die gelegentlich erwähnte hebräische Schrift betrifft nur spätere Marginal-Nachträge (Bl. Ir + 122v-123v), nicht die Kochrezepte. Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Handschrift M2 ediert; größtes Cross-Link-Potenzial zu den anderen Münchner Büchern (Cgm 725/349/811).

pfeffer schwartz Ainen schwartzen pfeffer also nyem gebattes brott ruggis vnd czuch es durch mit der bruege vnd mit win vnd essich das es genuog sy vnd bewurtz es vnd tuo speck darIn als vor ist ge= schriben vnd erwoll das wild pratt
pfeffer schwartz

Ein Schwarzer Pfeffer - eine dunkle, mit Brot gebundene Würzsauce (kein Gewürz). Die dunkle Farbe kommt hier vom gerösteten Roggenbrot und den Gewürzen; der Text nennt kein Blut.

gebättes brott ruggis

Geröstetes Roggenbrot - gebättes von bähen (rösten/erwärmen, Ehlert-Glossar), nicht ‚gebacken'. Es bindet die Sauce.

als vor ist geschriben

‚Wie zuvor geschrieben' - Verweis auf die Speck-Zubereitung in einem früheren Rezept der Handschrift (gewürfelt, ausgelassen).

erwoll das wild pratt

‚Koche das Wildbret darin' (Ehlert) - das Fleisch wird in der fertigen Sauce gar gekocht.

Handschrift
München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 384
Folio
Fol. 104r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 2. Hälfte 15. Jh.)
Entstehung
Südwestdeutschland, 1470
CoReMA-Handschrift

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

bruegestock Q3075310
winwine Q282
essichvinegar Q41354
bewurtz esspice Q42527
speckbacon Q11106
wild prattgame meat Q19862498

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartgebättes brott ruggis

Gewählte Lesart: Geröstetes Roggenbrot (gebättes von bähen = rösten; Ehlert-Glossar) als Bindemittel - nicht ‚gebackenes' Brot.

Lesartpfeffer schwartz

Gewählte Lesart: Eine dunkle, mit geröstetem Roggenbrot gebundene Würzsauce; die Farbe kommt von Brot und Gewürzen.

Originalwerk (~1470) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 104r, Bayerische Staatsbibliothek München, Cgm 384 (2. Hälfte 15. Jh.); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. M2 (München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 384), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Im Topf am Feuer in etwa 45 Minuten fertig. Frisches Wildbret und Speck sollten gekühlt transportiert oder am Markttag frisch gekauft werden.
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Stand dieser Fassung: 26.06.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.