Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465
Koche die Quitten in magerer Fleischbrühe. Danach zerstoße sie und verdünne sie mit Mandelmilch, die mit Fleischbrühe oder guter, fetter Hühnerbrühe zubereitet wurde, falls die Zeit es erfordert. Passiere die Masse durch ein feines Tuch oder Sieb und gib sie in einen Topf mit Zucker, Ingwer, Zimt und ein wenig Safran. Lasse sie fern vom Feuer über der Glut köcheln, damit sie keinen Rauchgeschmack annimmt, und rühre sie oft mit dem Löffel um. Gibst du ein wenig frische Butter oder Schmalz hinzu, wird es noch besser. Wenn es dir dann gar erscheint, richte die Portionen an und streue süße Gewürze und Zucker darüber.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| poma cotogne | Quitten | - | Wochenmarkt | - |
| brodo di carne magra | Magere Fleischbrühe | - | Metzger | - |
| latte de amandole facto con brodo di carne o di bon pollo grosso | Mandelmilch (mit Fleisch- oder Hühnerbrühe zubereitet) | - | - | - |
| zuccharo | Zucker | - | - | - |
| zenzevero | Ingwer | - | - | - |
| cannella | Zimt | - | - | - |
| zafrano | Safran | - | - | - |
| butiro o strutto frescho | Frische Butter oder Schmalz | - | - | - |
| spetie dulci | Süße Gewürze | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein feines höfisches Quittenmus, die italienische Schwester des deutschen Quittenmuses (vgl. Kutten lattwerg) und der englischen Quitten-in-Gewürzen (foc-018). Anders als unser modernes Quittenbrot ist es kein steifes Fruchtgelee, sondern eine sämige, mit Mandelmilch gestreckte und mit Brühe gebundene Creme - ein Dessert oder Zwischengang der gehobenen Renaissance-Tafel.
Menestra heißt hier nicht Suppe. Martino formt aus der fertigen Masse einzelne menestre - Portionen, Schälchen, Gänge. Der moderne Beiklang von Minestrone (Suppe) führt in die Irre; gemeint ist das Anrichten in Portionen, nicht eine flüssige Suppe.
Brühe im Süßgericht. Dass ein süßes Quittenmus in magerer Fleisch- oder fetter Hühnerbrühe gekocht und mit brühebasierter Mandelmilch gestreckt wird, ist typisch für die Zeit: die Grenze zwischen süß und herzhaft verlief anders als heute. Wer es vegetarisch oder fastentauglich will, kocht die Quitten in Wasser und nimmt reine Mandelmilch - dann fällt der herzhafte Unterton weg.
Färben mit Safran. Das zafrano gibt dem Mus eine goldgelbe Farbe - die periodentreue Tafelfarbe und ein Statusgewürz. Sparsam einsetzen, ein paar in wenig Flüssigkeit eingeweichte Fäden genügen.
Praxis. Quitten schälen, vom Kerngehäuse befreien, in Brühe (oder Wasser) weich kochen, dann durch ein Sieb streichen oder pürieren. Mit Mandelmilch auf cremige Konsistenz verdünnen, in den Topf geben und mit Zucker, je einer Prise Ingwer und Zimt sowie etwas Safran bei milder Hitze unter ständigem Rühren einköcheln, bis es bindet. Ein Stück frische Butter (oder Schmalz) hebt den Schmelz. Zum Servieren in Portionen anrichten und mit süßen Gewürzen und Zucker bestreuen.
Maestro Martino verwendet 'menestre' im Sinne von 'Portionen' oder 'Gängen', die aus dem zubereiteten Gericht geformt und serviert werden. Es ist nicht im modernen Sinne einer Suppe oder Eintopfs zu verstehen.
Ja, gut geeignet. Die Zubereitung über reiner Glut ist machbar, und die Zutaten sind transportabel. Für eine einfachere Handhabung am Lager kannst du die Mandeln bereits gemahlen und die Brühe vorbereitet mitbringen.
'Stamegnia' war ein Seihtuch oder Sieb aus grobem Wollstoff, das zum Passieren von Flüssigkeiten und Pürees verwendet wurde. Du kannst es heute durch ein feines Sieb, ein Passiertuch oder ein Mulltuch ersetzen, um eine glatte Konsistenz zu erzielen.
Wenn das Rezept 'pistale' (zerstoßen) verlangt, ist ein großer Fleischmörser gemeint, wie er im Mittelalter als Küchenmaschine diente. Damit wurden gekochte Quitten zu einer feinen Paste verarbeitet. Für die moderne Küche kannst du stattdessen eine Küchenmaschine oder einen Blender verwenden, um die Quitten zu pürieren. Wer authentisch arbeiten möchte, benötigt einen großen Granit-Mörser mit einem schweren Holzstößel.
Dieses Rezept stammt aus dem Libro de Arte Coquinaria (Norditalien). Das erste große Kochbuch der italienischen Renaissance (~1465). Maestro Martino, Chefkoch des Patriarchen von Aquileia, beschreibt als Erster Kochtechniken mit präzisen Mengen und Zeiten. 268 Rezepte in 6 Kapiteln: Fleisch, Suppen/Pasta, Saucen, Pasteten, Frittiertes, Fisch.
Quitten
Mandelmilch - hier mit Fleisch- oder Hühnerbrühe statt Wasser angesetzt
Seihtuch oder Sieb aus grobem Wollstoff
Glut, glühende Kohlen - bewusst fern vom offenen Feuer, damit das Mus keinen Rauchgeschmack annimmt
Portionen, Gänge - nicht Suppen im modernen Sinn
Süße Gewürze, oft eine Mischung aus Zimt, Nelken, Muskat und Ingwer
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| poma cotogne | quince Q2751465 |
| brodo di carne magra | meat stock Q67860017 |
| zuccharo | unrefined cane sugar Q57656231 |
| zenzevero | ginger Q15046077 |
| cannella | cinnamon Q28165 |
| zafrano | saffron Q25434 |
| spetie dulci | spice Q42527 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
menestre
Gewählte Lesart: „Portionen“ - Martino verwendet den Begriff für einzelne Servierschalen oder Gänge, die aus der zubereiteten Masse angerichtet werden, nicht für eine Suppe.
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.