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Hanfsuppe mit Apfel und Zwiebel

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

VorspeiseVorspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofkücheVeganVegan
Zubereitungszeit30 Min.Portionen2-4 PersonenBuchKochbuch des Meisters Hans (~1460)

Eine Hanfsuppe machst du so: Du sollst ihn (den Hanf) mit Wein durchschlagen, wenn du eine gute Suppe haben willst, und geröstetes Brot, und eine Zwiebel und einen Apfel - hacke das klein und schwitze es klein in reinem Öl und tu das daran.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
haniff Hanfsamen - Supermarkt, Reformhaus -
wein Wein - - -
gepaettes prot Geröstetes Brot - - -
ain zwifel Zwiebel 1 - -
ain apffel Apfel 1 - -
oll rain Reines Pflanzenöl - mittelalterlich Lein-, Hanf- oder Mohnöl - Supermarkt / Reformhaus Hanföl (thematisch passend zur Hauptzutat), Leinöl oder Mohnöl als historisch authentische süddeutsche Alternativen; Rapsöl als neutrale moderne Wahl

‚Durchschlagen mit Wein‘ = Hanfmilch-Technik: Genau dieselbe Methode wie bei den Mandelmilch-Rezepten (mha-004, mha-005, mha-021, mha-022): Hanfsamen im Mörser fein zerreiben, mit dem Wein zu einer Paste verarbeiten und durch ein engmaschiges Tuch passieren - so entsteht eine dicke Hanfmilch auf Wein-Basis. Diese ist die Suppen-Basis. Modern unkomplizierter mit einem leistungsstarken Mixer/Smoothie-Maker.

Tipp: Hanfsamen über Nacht in etwas Wein einweichen lassen - so wird das Pürieren leichter und die Hanfmilch dicker.

‚rain öl‘ = reines Pflanzenöl: Im süddeutschen Raum 1460 typisch Lein-, Hanf- oder Mohnöl (Olivenöl wäre teurer Mittelmeer-Import). Thematisch besonders passend: Hanföl - gleiche Pflanze, geschmacklich harmonisch. Notfalls Rapsöl (heute günstig und neutral).

Suppen-Aufbau: Hanfmilch + Wein als Basis → geröstetes Brot als Brot-Binder (klassische ‚gebundene‘ Suppe) → angeschwitzte Zwiebel-Apfel-Mischung als geschmackgebende Einlage. Säure des Apfels balanciert das Hanf-Wein-Profil.

Apfelsorte: Das Original nennt keine Sorte - moderne Zuchtsorten wie Golden Delicious oder Pink Lady sind auf Süße und Knackigkeit hin gezüchtet und deutlich milder/säureärmer als mittelalterliche Äpfel, die durchweg saurer, gerbstoffhaltiger und fester waren. Am nächsten kommt heute der Boskoop (sauer, fest, hält beim Anschwitzen die Form), ersatzweise Elstar oder Granny Smith. Die Goldparmäne ist eine der wenigen bis heute erhältlichen Sorten mit selbst schon mittelalterlichen Wurzeln, falls man eine möglichst authentische Sorte sucht statt nur einer geschmacklich ähnlichen.

Wie verarbeite ich den Hanf mit Wein zu einer Flüssigkeit ('durchschlahen')?

Das ‚Durchschlagen‘ des Hanfs mit Wein bedeutet, die Hanfsamen zu zerkleinern und mit dem Wein zu vermischen, um eine Art Hanfmilch zu gewinnen. Am besten weichst du die Hanfsamen über Nacht ein, pürierst sie dann mit dem Wein in einem Mixer und passierst die Flüssigkeit anschließend durch ein feines Sieb oder ein Tuch, um die festen Bestandteile zu entfernen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, sehr gut geeignet. Alle Zutaten sind gut lagerfähig und die Zubereitung erfordert lediglich einen Topf, ein Messer und eine Feuerstelle. Das Pürieren des Hanfs kann auch mit einem Mörser oder durch längeres Kochen und Zerdrücken erfolgen, falls kein Mixer zur Verfügung steht.

Welche Art von Wein soll ich verwenden?

Das Rezept spezifiziert den Wein nicht näher. Im Mittelalter wurde meist Weißwein verwendet. Wähle einen trockenen Weißwein, der nicht zu dominant im Geschmack ist, um die Aromen von Hanf, Apfel und Zwiebel nicht zu überdecken.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.

Ain haniff suppen Item ain haniff suppen . mach also du solt In durch schlahen mit wein wildu sy guot haben ain guote suppen vnd gepaettes prot . vnd ain zwifel vnd ain apffel vnd hack das klain vnd schwaisz das klain In oll rain vnd thue das daran .
haniff

Hanfsamen - im Mittelalter eine wichtige, lagerfähige Nahrungspflanze (reich an Öl, Eiweiß, Mineralien).

durch schlahen

Wörtlich ‚durchschlagen‘ - bezeichnet die klassische Pflanzenmilch-Herstellungs-Technik bei Meister Hans: Samen/Kerne im Mörser fein zerreiben, mit Flüssigkeit zu einer Paste verarbeiten und durch ein engmaschiges Tuch passieren, sodass eine glatte Milch entsteht. Dasselbe Verfahren steht hinter mha-004/005 (Mandelmilch aus Mandeln) und mha-021/022 (Mandel-Wein-Mus). Hier mit Hanfsamen und Wein - ergibt eine Hanfmilch auf Wein-Basis.

gepaettes prot

Geröstetes Brot, oft als Croutons oder als Bindemittel in Suppen und Saucen verwendet.

zwifel

Zwiebel.

oll rain

‚Reines Öl‘ - in Süddeutschland um 1460 typisch Lein-, Hanf- oder Mohnöl aus heimischen Pflanzen. Olivenöl wäre teurer Mittelmeer-Import und für ein bürgerliches Rezept unwahrscheinlich. Thematisch besonders passend zu dieser Hanfsuppe: Hanföl (gleiche Pflanze wie die Hauptzutat, geschmacklich harmonisch).

schwaisz

Hier ein Verb (= schwitzen/andünsten), parallel zu ‚hack‘ (hacke): ‚hack das klain vnd schwaisz das klain‘ - hacke es klein und schwitze es klein an. Nicht zu verwechseln mit dem Substantiv ‚schwaisz‘ = Blut (Jägersprache), das im Korpus sonst als Zutat in Fleisch-/Jagdrezepten auftaucht (vgl. mha-191, m384-030, m384-031). In diesem Rezept gibt es keine Fleisch- oder Blutzutat - Satzstellung (finites Verb in Parallele zu ‚hack‘) und fehlende Fleischzutat stützen hier eindeutig die Verb-Lesart ‚schwitzen‘.

Handschrift
Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch
Folio
Fol. 023r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)
Entstehung
Württemberg / Basel, 1460
CoReMA

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

haniffhemp Q27595243
weinwine Q282
ain zwifelonion Q3406628
ain apffelapple Q89

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartIn durch schlahen mit wein

Gewählte Lesart: Die Phrase ‚durchschlahen‘ wird hier als das Verarbeiten von Hanfsamen mit Wein zu einer flüssigen Basis interpretiert, ähnlich der Herstellung von Pflanzenmilch durch Pürieren und Passieren. Dies ist eine gängige Methode, um Aromen und Nährstoffe aus Samen zu extrahieren.

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 023r, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Benötigt einen Topf und eine Feuerstelle zum Kochen. Das Pürieren des Hanfs kann auch mit einem Mörser oder durch längeres Kochen und Zerdrücken erfolgen, falls kein Mixer zur Verfügung steht.
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Stand dieser Fassung: 04.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.