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Mandelkern-Mus mit Wein und Zucker (Kernmus)

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit15 Min.Portionen2-4 PersonenBuchKochbuch des Meisters Hans (~1460)

Willst du ein Mus machen, mache so - ein Kernmus von Mandeln: Reibe sie klein, schlage sie durch mit Welschwein, und Zucker tu daran. Das ist ein Kernmus.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
mandel Mandeln - Supermarkt (Backregal) Ganze Mandeln, selbst gemahlen
wallschwein Welschwein - in Süddeutschland um 1460 fast immer ein italienischer Weißwein - Supermarkt / Weinhandel Kräftig-aromatischer trockener italienischer Weißwein (Vernaccia, Trebbiano, Falanghina) oder ein leicht süßer für die süße Variante; alternativ adriatisch-istrische Optionen wie Malvazija Istarska oder Žlahtina (vgl. Rainfal-Diskussion in mha-021).
zugker Zucker - - -

Welches Gericht ist das? Ein Mandel-Wein-Mus mit Zucker - im Kern eine mittelalterliche Mandelmilch, gesüßt und weinig aromatisiert. Es ist die gesüßte Schwester-Variante von mha-021 (Weinmus / Mandel-Wein-Mus ohne Zucker): selbe Technik, nur dass hier ausdrücklich Zucker dazukommt - und ‚Rainfal‘ als alternative Wein-Wahl entfällt, nur ‚Welschwein‘ wird genannt. Die beiden Rezepte zeigen, wie Meister Hans ein Grundrezept in einer festen und einer süßen Variante notiert.

Technik. Mandeln im Mörser fein zerreiben, mit dem Wein zu einer Paste verarbeiten und dann durch ein engmaschiges Tuch passieren - das Tuch filtert nur grobe Fasern heraus, nicht die Feinheit der Mandelmasse selbst. Wie dickflüssig das Ergebnis wird, hängt vom Mengenverhältnis ab: viel Wein im Verhältnis zu den Mandeln ergibt eine dünnere, milchartige Konsistenz, wenig Wein ein dickeres, cremiges Mus (Details dazu unten bei Praxis) - beides läuft durch dasselbe Tuch, nur mit unterschiedlichem Ergebnis. Der Text nennt keinen Hitzeschritt: Reiben, Durchschlagen und Zucker zugeben sind kalte, mechanische Arbeitsgänge. Zucker wird zuletzt eingerührt und löst sich in der flüssigen Masse auch ohne Erwärmen.

Wein-Wahl. ‚Welschwein‘ = romanischer Wein (südlich der Alpen), in Süddeutschland um 1460 fast immer italienisch. Praktisch tut ein kräftig-aromatischer trockener italienischer Weißwein gute Dienste (Vernaccia, Trebbiano, Falanghina), aber auch ein leicht süßer Weißwein passt zur süßen Variante. Wer experimentieren will: dieselben adriatisch-istrischen Optionen wie bei mha-021 (Žlahtina, Malvazija Istarska).

Praxis. Mandeln im Mörser fein zerreiben, mit dem Wein verrühren und durch ein feines Tuch passieren, bis eine glatte, dickflüssige Mandelmilch entsteht. Zucker einrühren. Mehr Wein ergibt ein dünneres Mus, mehr Mandeln ein dickeres - beides lässt sich kalt anrühren, ein kurzes Erwärmen am Feuer ist möglich, aber im Originaltext nicht vorgeschrieben.

Was bedeutet ‚muos' in diesem Rezept?

In mittelalterlichen Kochbüchern, besonders bei Meister Hans, ist ‚muos' ein sehr breiter Begriff. Er kann einen Brei, einen Auflauf, eine Art Pfannkuchen oder, wie hier, eine flüssigere, gesüßte Zubereitung meinen.

Was ist ‚wallschwein'?

‚Welsch' bezog sich im Mittelalter auf romanische Gegenden südlich der Alpen - in Süddeutschland um 1460 fast immer italienisch gemeint. ‚Wallschwein' ist also ein italienischer Weißwein; welche Rebsorte konkret gemeint war, ist unklar. Ein kräftiger trockener Weißwein wie Vernaccia oder Trebbiano kommt infrage, ebenso adriatisch-istrische Weißweine.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, Goldstandard. Es wird kalt angerührt und benötigt nur einfache Zutaten wie gemahlene Mandeln, Wein und Zucker, die leicht zu transportieren sind.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.

Ain keren muos mach also . Item wildu machen ain keren muosz von mandel . reib In klain schlahe In durch mit wallschwein vnd zugker thue doran das ist ain keren muosz .
muos

In Meister Hans ist ‚muos' ein Sammelbegriff für verschiedene milchig-eierige Speisen, von Brei über Auflauf bis Pfannkuchen. Hier ist es eine flüssigere Zubereitung.

wallschwein

‚Welsch‘ bezeichnet im Mhd./Fnhd. allgemein romanische Gegenden (südlich der Alpen) - in Süddeutschland um 1460 ist das praktisch fast immer italienisch. Welche Sorte konkret gemeint war, ist offen: kräftiger trockener Weißwein (Vernaccia, Trebbiano) ist plausibel, aber auch adriatisch-istrische Weißweine kamen über Triest/Wien nach Süddeutschland (vgl. die ‚Rainfal‘-Diskussion in mha-021).

keren

‚Kerne‘ (Plural von ‚Kern‘, hier Mandelkerne) - ‚keren muosz‘ = ‚Kerne-Mus‘ / ‚Kernmus‘, also ein Mus aus Mandelkernen als Grundzutat (so wie ‚Eiermus‘ oder ‚Hirsemus‘ anderswo). Diese Lesart ist über die CoReMA-Sachglosse zur Handschrift zusätzlich extern bestätigt (‚keren‘ dort mit Wikidata-Verweis auf Mandel/almond versehen) und wird durch den Twin m5919-039 gestützt, der dasselbe Gericht unverklausuliert ‚kernen mus‘ nennt.

Handschrift
Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch
Folio
Fol. 023r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)
Entstehung
Württemberg / Basel, 1460
CoReMA

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

mandelalmond Q184357
zugkerunrefined cane sugar Q57656231

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartAin keren muosz

Gewählte Lesart: Ein Kernmus aus Mandelkernen (‚keren‘ = Plural ‚Kerne‘). Der Begriff folgt dem typischen Muster ‚X-muosz von Y‘, bei dem X einen Mus-Typ angibt (Eiermus, Hirsemus, Mehlmus, etc.) und Y die Hauptzutat - hier ‚Kernmus von Mandeln‘. Diese Lesart ist durch die CoReMA-Sachglosse zur Handschrift (Wikidata-Verweis auf Mandel/almond) sowie den Twin m5919-039 (‚kernen mus‘) extern bestätigt.

Lesartreib In klain

Gewählte Lesart: Reibe sie (die Mandeln) klein. Dies impliziert das Zerstoßen oder Mahlen der Mandeln zu einer feinen Masse.

Lesartschlahe In durch

Gewählte Lesart: Schlage es durch (passiere es). Dies bedeutet, die Masse durch ein Tuch oder Sieb zu passieren, um eine feine, glatte Flüssigkeit zu erhalten.

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 023r, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
In wenigen Minuten kalt angerührt, robuste Zutaten ohne Kühlbedarf. Mandeln können fertig gemahlen mitgebracht werden.
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Stand dieser Fassung: 04.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.