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Hanfquark mit gebratenen Äpfeln

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

DessertNachspeiseLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 7/10VeganVegan
Zubereitungszeit200 Min.Portionen2-3 PersonenBuchKochbuch des Meisters Hans (~1460)

Nimm rohen Hanf, wasche ihn gründlich und reibe ihn in einem Mörser. Schlage ihn dann drei Stunden lang in einem Kessel und lasse ihn sieden. Du sollst ein Schälchen voll davon haben. Nimm zwei oder drei Äpfel, schäle sie sorgfältig und schneide sie der Länge nach klein. Brate die Apfelstücke in Öl an, sodass sie nicht schwarz werden. Nimm sie aus dem Öl und lege sie auf den Tellerrand, sodass es genug sei. Streue Zucker darüber. Das ist ein Schotten.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Rohen haniff Hanfsamen Supermarkt, Bio-Laden -
opffel 2 Äpfel - -
oll Öl - -
zucker Zucker - -

Welches Gericht ist das? Ein früher, rein pflanzlicher Aufstrich beziehungsweise ein süßes Zwischengericht: Hanfsamen werden im Mörser zerrieben und im Kessel geschlagen und gesiedet, bis eine dickliche, quarkartige Masse entsteht - ein sogenannter "Schotten". Serviert wird sie mit in Öl gebratenen Apfelspalten und Zucker. Im Kochbuch des Meisters Hans ist das kein Einzelfall: Der Mandel-Schotten (mha-005) und der Mohn-"Käse" (mha-024) nutzen dasselbe Grundverfahren - Samen oder Kerne zerreiben, zu einer Masse verarbeiten und einsieden - nur mit anderer Rohstoffbasis. Eine moderne Entsprechung mit Eigennamen gibt es nicht; am ehesten vergleichbar sind heutige vegane Zubereitungen aus Samenmilch, die zu einer quarkartigen Masse eingedickt werden.

Die Konsistenz. Der Transkripttext nennt kein Passieren durch ein Tuch oder Sieb - anders als bei manchen Mandelmilch-Rezepten des Korpus wird die im Mörser geriebene Hanfmasse direkt im Kessel weiterverarbeitet. Ohne diesen Schritt bleibt das Ergebnis eher ein grobes, faseriges Hanfmus als eine feine, glatte Masse. Wer eine glattere Textur möchte, kann die geriebene Masse vor dem Sieden durch ein feines Tuch passieren - das ist eine sinnvolle moderne Ergänzung, aber keine Vorgabe des Originaltexts.

Praxis. Wasche die rohen Hanfsamen gründlich und reibe sie im Mörser. Gib die geriebene Masse in einen Kessel und lass sie unter ständigem Rühren langsam köcheln, bis die Flüssigkeit reduziert ist und eine dickliche, quarkähnliche Masse entsteht - das ständige Rühren verhindert dabei das Anbrennen am Kesselboden. Der Text nennt drei Stunden als Richtwert; das ist als lange, langsame Reduktion ohne Uhr zu verstehen, nicht als starre Zeitvorgabe. Schäle in der Zwischenzeit zwei bis drei Äpfel und schneide sie der Länge nach in Spalten. Brate die Apfelspalten in Öl an, bis sie weich sind, ohne dass sie schwarz werden. Richte die fertige Hanfmasse an, lege die Apfelspalten an den Tellerrand und bestreue beides mit Zucker.

Was ist ein „Schotten“ in diesem Rezept?

Im „Kochbuch des Meisters Hans“ bezeichnet „Schotten“ eine Art Quark oder Dickmilch, die oft aus pflanzlichen Zutaten wie Nüssen oder Samen hergestellt wurde. In diesem Fall wird aus Hanfsamen eine Art pflanzlicher Quark zubereitet - im selben Kochbuch finden sich mit dem Mandel-Schotten und dem Mohn-„Käse“ zwei weitere Rezepte nach demselben Verfahren.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nur eingeschränkt. Die Zubereitung der Hanfmasse erfordert langes, ununterbrochenes Rühren und Sieden im Kessel, was am Lagerfeuer über lange Zeit konstant zu betreuen ist. Weder Ofen noch Kühlung sind nötig, aber die Zeit- und Aufmerksamkeitsanforderung macht das Gericht eher zu einer Zuhause-Vorbereitung.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem „Kochbuch des Meisters Hans“, das um 1460 in Basel verfasst wurde. Es bietet Einblicke in die Küche des Spätmittelalters im alemannischen Raum.

Was bedeutet „schlah In durch drej stund“?

Wörtlich bedeutet dies „schlage ihn drei Stunden lang durch“. Es ist wahrscheinlich eine Anweisung für ein sehr langes, langsames Rühren und Sieden der Hanfmasse, um sie zu verdicken und eine quarkähnliche Konsistenz zu erreichen. Es ist unwahrscheinlich, dass man tatsächlich drei Stunden lang ununterbrochen schlagen sollte.

Was ist ein „Mörser“ - brauche ich einen Mörser und Stößel?

In diesem Rezept wird der Mörser zum Zerreiben der Hanfsamen verwendet. Für eine authentische Zubereitung benötigst du einen großen Mörser und Stößel. Praktischer ist es jedoch, bereits gemahlene Hanfsamen zu verwenden oder die Samen in einer Küchenmaschine zu zerkleinern.

Ainen schotten von haniff ze machem dem thue also Item Nym Rohen haniff wasch den schon vnd reib In In ainem morser vnd schlah In durch drej stund In ain kessel vnd lass In sieden Du solt haben ain rindlein vol vnd zwenn opffel oder drej die schell schon vnd schneids klain nach der lennge vnd prenn die ab In dem oll das sy nicht schwarcz werden thue sy aus dem oll vnd leg sy auf die reim das Ir genuog sej strae zucker darauf Das ist ein schott .
haniff

Hanf. Hier sind Hanfsamen gemeint, aus denen eine Art Pflanzenmilch gewonnen wird.

schlah In durch drej stund

Wörtlich „schlage ihn drei Stunden lang durch“. Dies bezieht sich wahrscheinlich auf ein langes, langsames Rühren und Sieden, um die Hanfmilch zu verdicken und eine quarkähnliche Konsistenz zu erreichen.

rindlein vol

Ein kleines Schälchen oder eine Tasse voll. Eine ungenaue Mengenangabe.

prenn die ab

Wörtlich „brenne sie ab“. Hier im Sinne von „kurz anbraten“ oder „sautieren“, nicht verbrennen.

reim

Rand, Kante, hier im Sinne von „Tellerrand“. Die Beleglage ist dünn - nur ein Idiotikon-Fund stützt diese Lesart, ähnlich wie bei „rindlein“.

schott

Im Kontext von Meister Hans bezeichnet „Schotten“ eine Art Quark oder Dickmilch, oft aus pflanzlichen Zutaten wie Nüssen oder Samen hergestellt - vergleiche den Mandel-Schotten (mha-005) und den Mohn-„Käse“ (mha-024) im selben Werk.

Handschrift
Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch
Folio
Fol. 080r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)
Entstehung
Württemberg / Basel, 1460
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartschlah In durch drej stund

Gewählte Lesart: Die Hanfmasse nach dem Reiben im Mörser drei Stunden lang unter ständigem Rühren im Kessel sieden lassen, um eine dicke, quarkähnliche Konsistenz zu erzielen.

Andere mögliche Lesart:

  • Die Hanfsamen nach dem Waschen drei Stunden lang im Mörser schlagen, um eine feine Hanfmilch zu extrahieren, die anschließend im Kessel gesiedet wird. - Das Verb ‚schlagen‘ könnte sich auf das intensive mechanische Bearbeiten im Mörser beziehen, um die Hanfmilch zu gewinnen. Die lange Dauer wäre dann für eine sehr feine Emulsion vor dem eigentlichen Kochprozess.

Lesartain rindlein vol

Gewählte Lesart: Ein kleines Schälchen oder eine Tasse voll des fertigen Hanfschottens.

Lesartschott

Gewählte Lesart: Eine Art Quark oder Dickmilch, hier aus Hanfsamen hergestellt.

Lesartrindlein

Gewählte Lesart: kleines Schälchen

Lesartreim

Gewählte Lesart: Tellerrand.

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 080r, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt lagertauglich: langes, ununterbrochenes Rühren und Sieden im Kessel ist am Lagerfeuer nur mit konstanter Betreuung möglich. Zuhause vorbereiten empfohlen.
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