Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Bestreiche eine Pfanne gut mit Schmalz. Schlage dann kalte Eier hinein, achte jedoch darauf, dass sie nicht anbrennen. Färbe jede einzelne Schicht klar nach Belieben mit der gewünschten Farbe, wenn du sie so backst, wie du es möchtest.
Lege die gebackenen, farbigen Eierkuchen dann übereinander. Bestreiche sie mit einem dünnen Teiglein, das ebenfalls mit Eiern zubereitet wurde. Lege das Ganze erneut in die Pfanne mit Schmalz. So wächst es zusammen und ist ein hoffähiges, elegantes Gericht.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| schmalcz | Schweineschmalz | - | - | Pflanzenöl oder Butter |
| kallte ayr | Kalte Eier | - | - | - |
| farbe | Safran (gelb), Spinat-/Petersiliensaft (grün), rotes Sandelholz (rot), Heidelbeersaft (blau) | - | Gewürzhandel, Kräuterhandel | - |
| dunnen taiglein das mit ayren sey gemacht | Mehl (für den Teig) | - | - | - |
| ayren | Eier (für den Teig) | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein geschichteter Eierkuchen-Turm in mehreren Farben - ein reines Schaugericht der höfischen Küche, kein Alltagsessen. Man kann es sich als Vorläufer moderner Regenbogen-Crêpe-Torten vorstellen, nur dass hier keine Süßung im Spiel ist: Der Reiz liegt allein im mehrschichtigen, sichtbaren Herstellungsprozess und im festlichen Auftritt auf der Tafel ("hofflich" - hoffähig, elegant).
Praxis. Die Pfanne wird für jede Schicht dünn mit Schmalz bestrichen, dann kommen kalte Eier hinein - der Text sagt nicht, warum kalt, aber die einzige Bedingung, die er nennt, ist: nicht anbrennen lassen. Jede Schicht wird für sich gefärbt, die Farbwahl ist dabei ausdrücklich frei ("farb ein yeglichs klar das du wild mit der farbe") - der Text nennt selbst keine Farbmittel. Wer es periodentreu farbig haben möchte, kann sich an gängigen mittelalterlichen Speisefarben orientieren: Safran für Gelb, Petersilien- oder Spinatsaft für Grün, rotes Sandelholz für Rot, Heidelbeersaft für Blau - das sind spätere redaktionelle Vorschläge, keine Zutaten aus dem Originaltext. Die gebackenen, unterschiedlich gefärbten Eierkuchen werden übereinandergelegt und mit einem dünnen, ebenfalls aus Eiern bereiteten Teiglein bestrichen, das als Kleber zwischen den Schichten dient. Der ganze Stapel kommt danach noch einmal in die eingefettete Pfanne, damit er zusammenwächst - wie genau diese zweite Erhitzung geführt wird, bleibt im Text offen.
Das Rezept nennt keine spezifischen Farben - der Koch wählte frei („farb ein yeglichs klar das du wild mit der farbe“). Gängige mittelalterliche Speisefarben waren zum Beispiel Safran oder Eigelb für Gelb, Spinat oder Petersilie für Grün, rotes Sandelholz für Rot, Heidelbeeren für Blau/Violett und verkohltes Brot oder Ruß für Schwarz. Eine eigene Siebenfarben-Liste (schwarz, grün, blau, gelb, weiß, rot, braun) findet sich im Kochbuch von Mondsee - dort aber für eine andere Zubereitung, nicht für dieses Rezept.
Als Schaugericht ist es sehr gut geeignet: Das Backen der einzelnen farbigen Eierkuchen und das Schichten lassen sich gut vor Publikum zeigen. Der Aufwand liegt im mehrschichtigen Vorführen, nicht in schneller Zubereitung - für die eilige Lager-Verpflegung ist es eher nichts.
Das bleibt im Text ungeklärt - er nennt keinen Grund. Denkbar wäre ein Einfluss auf die Konsistenz der Eierkuchen oder schlicht übliche Praxis der Zeit; belegt ist keine dieser Erklärungen.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
Bezeichnet im Kontext von Meister Hans eine gebackene oder gebratene Speise, oft pfannkuchen- oder auflaufartig, insbesondere wenn Fett (Schmalz) verwendet wird.
Bedeutet „hoffähig“ oder „elegant“, also für eine vornehme Tafel oder einen besonderen Anlass geeignet.
Der Text selbst nennt keine konkreten Farben - die Wahl liegt beim Koch. Im Kochbuch von Mondsee findet sich ein eigenständiges Grundlagenrezept zu „sieben Farben“ mit einer benannten Palette (schwarz, grün, blau, gelb, weiß, rot, braun); es beschreibt allerdings eine andere Zubereitung (Farbsäfte und ein geschichtetes Farbmus) und ist kein direkter Zwilling dieses Rezepts.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| schmalcz | lard Q72827 |
| kallte ayr | chicken egg Q15260613 |
| farbe | food coloring Q753009 |
| ayren | chicken egg Q15260613 |
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.