Kochbuch des Meisters Hans (Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch)
Buntes Eierkuchen-Gebäck in sieben Farben
Moderne Übersetzung
Bestreiche eine Pfanne gut mit Schmalz. Schlage dann kalte Eier hinein, achte jedoch darauf, dass sie nicht anbrennen. Färbe jede einzelne Schicht klar nach Belieben mit der gewünschten Farbe, wenn du sie so backst, wie du es möchtest.
Lege die gebackenen, farbigen Eierkuchen dann übereinander. Bestreiche sie mit einem dünnen Teiglein, das ebenfalls mit Eiern zubereitet wurde. Lege das Ganze erneut in die Pfanne mit Schmalz. So wächst es zusammen und ist ein hoffähiges, elegantes Gericht.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| schmalcz | Schweineschmalz | - | - | Pflanzenöl oder Butter |
| kallte ayr | Kalte Eier | - | - | - |
| farbe | Safran (gelb), Spinat-/Petersiliensaft (grün), rotes Sandelholz (rot), Heidelbeersaft (blau) | - | Gewürzhandel, Kräuterhandel | - |
| dunnen taiglein das mit ayren sey gemacht | Mehl (für den Teig) | - | - | - |
| ayren | Eier (für den Teig) | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Ein geschichteter Eierkuchen-Turm in mehreren Farben - ein reines Schaugericht der höfischen Küche, kein Alltagsessen. Man kann es sich als Vorläufer moderner Regenbogen-Crêpe-Torten vorstellen, nur dass hier keine Süßung im Spiel ist: Der Reiz liegt allein im mehrschichtigen, sichtbaren Herstellungsprozess und im festlichen Auftritt auf der Tafel ("hofflich" - hoffähig, elegant).
Praxis. Die Pfanne wird für jede Schicht dünn mit Schmalz bestrichen, dann kommen kalte Eier hinein - der Text sagt nicht, warum kalt, aber die einzige Bedingung, die er nennt, ist: nicht anbrennen lassen. Jede Schicht wird für sich gefärbt, die Farbwahl ist dabei ausdrücklich frei ("farb ein yeglichs klar das du wild mit der farbe") - der Text nennt selbst keine Farbmittel. Wer es periodentreu farbig haben möchte, kann sich an gängigen mittelalterlichen Speisefarben orientieren: Safran für Gelb, Petersilien- oder Spinatsaft für Grün, rotes Sandelholz für Rot, Heidelbeersaft für Blau - das sind spätere redaktionelle Vorschläge, keine Zutaten aus dem Originaltext. Die gebackenen, unterschiedlich gefärbten Eierkuchen werden übereinandergelegt und mit einem dünnen, ebenfalls aus Eiern bereiteten Teiglein bestrichen, das als Kleber zwischen den Schichten dient. Der ganze Stapel kommt danach noch einmal in die eingefettete Pfanne, damit er zusammenwächst - wie genau diese zweite Erhitzung geführt wird, bleibt im Text offen.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/mha-278/
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