Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Nimm einen ausgewählten Fisch und teile ihn in drei Stücke.
Zum Dampfgaren auf dem Rost: Das Stück, das du gesotten haben möchtest, wickle es außen mit einem nassen, befeuchteten Tuch ein und lege es auf einen Rost.
Zum Braten mit Mehlkruste: Das zweite Stück begieße mit Schmalz, stich es zuvor ein und streue etwas Mehl darauf.
Zum einfachen Braten: Das dritte Stück lasse einfach so braten.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| ain erwellten visch | 1 Fisch | Wochenmarkt, Fischhändler | - |
| schmalcz | Schmalz | Metzger | Pflanzenöl |
| ain mel | Mehl | Supermarkt | - |
Frischen Fisch erhältst du auf dem Wochenmarkt oder beim Fischhändler deines Vertrauens. Achte auf gute Qualität, besonders wenn du ihn im Lager zubereiten möchtest.
Ja, dieses Rezept ist für die Lagerküche geeignet. Die drei Zubereitungsarten - feuchtes Garen im Tuch auf dem Rost, Braten in Schmalz und einfaches Braten - lassen sich mit Rost und Pfanne als üblicher Lager-Ausrüstung gut umsetzen. Besorge den Fisch frisch am Markttag, da er sich nicht lagern lässt.
Dieses Rezept stammt aus dem "Kochbuch des Meisters Hans", das um 1460 im süddeutschen Raum verfasst wurde.
"Sunst praten" bedeutet, das Fischstück einfach so zu braten, ohne die zusätzlichen Schritte wie das Begießen mit Schmalz, das Einstechen oder das Bemehlen, die für das zweite Stück beschrieben werden. Es ist die einfachste der drei Zubereitungsarten.
Eigentlich "gesotten/in Flüssigkeit gegart", aber im Kontext dieses Rezepts - nasses Tuch auf dem Rost - eher feuchtes Garen über der Glut. Das nasse Tuch erzeugt Feuchtigkeit und verhindert direkten Feuerkontakt; ob "gesoten" hier als Sonderform des Siedens oder als frühe Dampfgar-Technik zu verstehen ist, bleibt offen (siehe interpretive_choices).
Wickle das Stück in ein außen befeuchtetes nasses Tuch und lege es dann auf den Rost. Die Feuchtigkeit des Tuchs gart den Fisch schonend, ohne dass er austrocknet oder anbrennt.
Ein Grillrost, über dem Feuer oder der Glut.
Begießen, beträufeln.
Stich es zuvor ein - vermutlich damit das Schmalz besser eindringen kann. Hapax legomenon: Der Ausdruck ist im Korpus nur an dieser Stelle belegt, die Deutung als "Einstechen" ist plausibel, aber ohne Parallelbeleg.
Einfach so braten, ohne weitere spezielle Vorbereitung oder Zutaten.
Ausgewählter/erwählter Fisch - der Text nennt keine bestimmte Fischart.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
das du wild gesoten han ... vnd leg den visch auf ainen rost
Gewählte Lesart: Das erste Stück wird in ein nasses Tuch gewickelt UND auf den Rost gelegt - feuchtes Garen auf der Glut. "Gesoten" meint hier feuchtes Garen durch das nasse Tuch, nicht Kochen in Wasser.
Andere mögliche Lesart:
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