Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465
Nimm Wasser mit etwas Essig und reichlich Kleie, um das Salz zu entziehen. Gib den Tarantello hinein und lasse ihn mäßig kochen, aber nicht zu lange. Ist er gar, nimm ihn heraus, säubere ihn und lasse ihn in Essig einweichen. Um einen guten Tarantello zu erkennen: Je fetter er ist, desto besser wird er sein. Er soll vom Bauch des Thunfischs stammen, fest und hart sein, nicht weich.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| acqua | Wasser | - | - |
| aceto | Essig | - | - |
| crusca assai | reichlich Weizenkleie | Reformhaus, Bio-Laden | - |
| tarantello | gesalzener Thunfischbauch | Feinkostladen, Online-Fischhändler | frischer Thunfischbauch (dann ohne Entsalzen) |
Welches Gericht ist das? Die Aufbereitung von tarantello - gesalzenem, fettem Thunfischbauch (ventresca), einer hoch geschätzten Delikatesse der mittelalterlichen und Renaissance-Küche. Das Gegenstück zur frischen ventresca von heute, hier aber als Pökelware behandelt: erst entsalzt, kurz gegart, dann in Essig gelegt. Martino schiebt am Ende eine Einkaufslehre nach - woran man guten tarantello erkennt.
De la crusca assai per cavar fora il sale - "reichlich Kleie, um das Salz herauszuziehen". Die Weizenkleie im Essig-Wasser ist der eigentliche Kniff: Kleie bindet Salz und überschüssige Lake, sodass der Bauch entsalzt, ohne völlig auszulaugen. Facendolo cocere moderatamente, ma non troppo - mäßig garen, nicht zu lange, damit der fette Bauch nicht zerfällt oder ausölt. Danach nettalo (säubern, Kleiereste und Haut/Membran entfernen) und a mollo in l'aceto (in Essig einlegen), was haltbar macht und mild säuert.
Martinos Qualitätsprobe: quanto sera più grasso tanto fia migliore - je fetter, desto besser; er soll vom Bauch (ventresca) stammen und sodo et duro et non molle sein - fest und hart, nicht weich. Festigkeit verrät den frischen, gut gepökelten Schnitt.
Praxis. Gesalzenen Thunfischbauch in reichlich Wasser mit einem Schuss Essig und einer guten Handvoll Weizenkleie aufsetzen, sanft 20-30 Minuten köcheln (nur leise simmern, nie sprudelnd), bis das Salz gezogen ist. Herausnehmen, abspülen, von Membranen befreien und in Wein- oder Kräuteressig einlegen. Wer keinen gepökelten findet: frischer Thunfischbauch entfällt das Entsalzen, dann nur kurz pochieren und in Essig marinieren.
‚Tarantello‘ bezeichnet den Bauchteil des Thunfischs (Ventresca), der gesalzen und konserviert wurde. Er war eine geschätzte Delikatesse in der mittelalterlichen Küche, ähnlich dem heutigen Bauchspeck oder Pancetta vom Schwein, aber eben vom Fisch.
Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Das Entsalzen und Kochen des Thunfischs erfordert lediglich einen Topf und eine Feuerstelle. Die Kleie kann gut transportiert werden. Das Einweichen in Essig kann ebenfalls am Lager erfolgen.
Dieses Rezept stammt aus dem ‚Libro de Arte Coquinaria‘, verfasst um 1465 von Maestro Martino da Como, einem der bedeutendsten Köche des 15. Jahrhunderts. Es repräsentiert die gehobene norditalienische Küche der Renaissance.
Die Kleie dient dazu, dem gesalzenen Thunfisch überschüssiges Salz zu entziehen. Sie bindet das Salz und hilft, den Fisch zu entsalzen, ohne ihn zu stark auszulaugen. Dies war eine gängige Methode in der mittelalterlichen Küche, um Pökelfleisch oder -fisch vor der Zubereitung zu behandeln.
Gesalzener, fetter Bauchteil des Thunfischs (ventresca) - geschätzte Delikatesse, vergleichbar dem Bauchspeck, aber vom Fisch.
(Weizen-)Kleie - bindet beim Garen Salz und Lake und entsalzt so den Pökelfisch, ohne ihn auszulaugen.
Der fettreiche, zarte Bauchteil des Thunfischs - bis heute die geschätzteste Partie.
"fest und hart, nicht weich" - Martinos Frischeprobe für guten Tarantello.
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