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Prächtige Wildspeisen für den dritten Gang

Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent · Frankreich · 1300

WildHauptspeise · WildLesartViel InterpretationsspielraumAufwändigKorrekturBearbeitungsstand 5/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit360 Min.PortionenFür eine höfische FesttafelBuchLe Viandier de Taillevent (~1300)

Für den dritten Gang werden Schwäne, am Spieß gebraten, Pfauen, Reiher, Wildbret, gefüllte Gerichte und Marder serviert.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Signes Schwäne Zuchtschwan (selten) Große Ente oder Gans
Paons Pfauen Geflügelzucht -
Herons Reiher ⚠ Artenschutz! Nicht erhältlich. Große Ente oder Fasan
Venoyson Wildbret Metzger, Wildhändler -
poches Gefüllte Gerichte - -
foynes Marder ⚠ Wildfang nicht kommerziell erhältlich. Kaninchen oder Hase
Was bedeutet 'au santire'?

Der Begriff 'au santire' ist in historischen Kochbüchern selten. Eine plausible Interpretation ist 'au cintre', was 'am Spieß' oder 'auf einem Gestell gebraten' bedeutet. Dies war eine gängige Methode, um große Vögel wie Schwäne oder Pfauen zu braten und oft prunkvoll zu präsentieren.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist eine Menüliste für eine höfische Festtafel und erfordert die aufwendige Zubereitung und Präsentation mehrerer großer Wildtiere. Es ist nicht für die einfache Lagerküche geeignet.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus 'Le Viandier de Taillevent', einem der ältesten und einflussreichsten französischen Kochbücher. Es wird dem Koch Guillaume Tirel, genannt Taillevent, zugeschrieben und entstand um 1300, mit späteren Erweiterungen bis ins 15. Jahrhundert. Es spiegelt die höfische Küche des französischen Adels wider.

Wo bekomme ich die genannten Wildtiere?

Pfauen können von spezialisierten Geflügelzuchten bezogen werden. Wildbret (Hirsch, Reh, Wildschwein) ist beim Metzger oder Wildhändler erhältlich. Schwäne, Reiher und Marder sind heute entweder streng geschützt oder nicht kommerziell für den Verzehr erhältlich. Für Reiher und Schwäne können große Enten oder Gänse als Ersatz dienen, für Marder Kaninchen oder Hase.

Signes au santire Paons Herons Venoyson poches foynes Tiers seruice
Signes

Schwäne

Paons

Pfauen

Herons

Reiher

Venoyson

Wildbret, also Fleisch von jagdbaren Tieren wie Hirsch, Reh oder Wildschwein.

poches

Gefüllte Gerichte oder Pasteten. Im Mittelalter waren gefüllte Speisen, oft mit Farce aus Fleisch oder Fisch, sehr beliebt.

foynes

Marder, ein kleines Raubtier, das im Mittelalter als Wildbret verzehrt wurde.

Tiers seruice

Dritter Gang einer Mahlzeit.

Handschrift
Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent
Folio
Fol. 018v
Sprache
Moyen Français (ca. 1300-1400)
Entstehung
Frankreich, 1300

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartau santire

Gewählte Lesart: Wir interpretieren ‚au santire‘ als ‚au cintre‘, was ‚am Spieß gebraten‘ oder ‚auf einem Gestell gebraten‘ bedeutet. Dies war eine typische Zubereitungsart für große Vögel, die oft als Schaugericht dienten.

Andere mögliche Lesart:

  • Der Begriff könnte eine seltene oder verschollene Zubereitungsart bezeichnen, deren genaue Bedeutung heute unbekannt ist. - ‚Santire‘ ist in mittelalterlichen französischen Kochtexten nicht eindeutig belegt, was auf eine regionale Besonderheit, einen Schreibfehler oder eine verlorene Bedeutung hindeuten könnte.

Lesartpoches

Gewählte Lesart: ‚Poches‘ wird hier als Substantiv im Sinne von ‚gefüllte Gerichte‘ oder ‚gefüllte Pasteten‘ verstanden, die als eigenständige Speisen serviert wurden.

Andere mögliche Lesart:

  • Es könnte sich auch um ein Adjektiv handeln, das sich auf die ‚foynes‘ (Marder) bezieht, also ‚gefüllte Marder‘. - Die fehlende Konjunktion zwischen ‚poches‘ und ‚foynes‘ lässt beide Lesarten zu. Da jedoch ‚poches‘ auch als eigenständige Gerichte in anderen Rezepten vorkommt, ist die Interpretation als separate Speise plausibler.

Originalwerk (~1300) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 018v, Bibliothèque nationale de France, Manuscrit Français 19791, Gallica (ark:/12148/btv1b10501680z) - Domaine public Quelle öffnen
Transkription
Pichon & Vicaire 1892 (kritische Edition), Project Gutenberg #26567 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Zuhause vorbereiten.
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