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Frittelle mit bitteren Kräutern

Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit45 Min.Portionen4-6 PersonenBuchLibro de Arte Coquinaria (~1465)

Nimm vom besten Weizenmehl und ein wenig Hefe. Rühre beides mit fein geschnittenen bitteren Kräutern an. Bereite diese Mischung am Abend für den Morgen vor, damit sie schön schwammig wird. Am Morgen füge fein geschnittene getrocknete Feigen und Rosinen hinzu. Die so entstandene Masse soll nicht zu weich sein. Dann forme die Frittelle und frittiere sie in gutem Öl. Serviere sie, indem du Zucker und Honig darüber gibst.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
fiore de la farina bestes Weizenmehl - -
un poco di lievito etwas Hefe - -
l'erbe tagliate menute fein geschnittene bittere Kräuter (z.B. Rucola, Löwenzahn) Wochenmarkt / Bio-Laden -
fiche secche tagliate menute fein geschnittene getrocknete Feigen - -
uva passa Rosinen - -
bono olio Pflanzenöl zum Frittieren - -
zuccaro Zucker - -
mele Honig - -

Welches Gericht ist das? Süße Hefe-Krapfen mit bitteren Kräutern und Trockenfrüchten - ein über Nacht getriebener, schwammiger Frittierteig. Verwandt sind die frittierten Kräuterfladen bei Form of Cury (foc-147) und die Hefeteig-Krapfen Crispelli/Frittellen bei Anonimo (ant-033).

Der Teig braucht Zeit: Mehl, etwas lievito (Hefe oder Anstellgut) und die fein geschnittenen Kräuter werden la sera per la matina - abends für den Morgen - angesetzt, damit der Teig spognose, also schwammig-luftig, wird. Erst am Morgen kommen getrocknete Feigen und Rosinen dazu. Der Hinweis, die Masse dürfe non troppo tenera (nicht zu weich) sein, ist wichtig: ein zu nasser Teig zerläuft im Fett.

Die herbe amare - bitteren Kräuter - sind nicht näher benannt. Es handelt sich um bittere Blatt- und Wildkräuter der Saison, die den süßen Frittellen eine herbe Gegennote geben. Eine sichere Pflanzenbestimmung vorausgesetzt, eignen sich Löwenzahn, Endivie, Rucola oder Radicchio.

Praxis. Abends ca. 250 g Mehl mit ½ Würfel frischer Hefe (oder 1 TL Trockenhefe) und reichlich fein geschnittenen bitteren Kräutern zu einem festen, nicht flüssigen Teig anrühren, abgedeckt über Nacht gehen lassen. Morgens fein geschnittene getrocknete Feigen und Rosinen unterkneten. Mit zwei Löffeln Nocken abstechen und in ca. 170 °C heißem Öl goldbraun ausbacken. Heiß mit Zucker und Honig beträufeln.

Welche 'bitteren Kräuter' soll ich verwenden?

Maestro Martino nennt keine spezifischen Kräuter. Geeignet sind moderne bittere Blattsalate wie Rucola, Endivie oder Radicchio. Auch Wildkräuter wie Löwenzahn oder Giersch können verwendet werden, sofern sie sicher identifiziert werden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist grundsätzlich für die Lagerküche geeignet. Beachte jedoch, dass der Teig über Nacht gehen muss, um die gewünschte schwammige Konsistenz zu erreichen. Die Frittelle selbst können dann am Morgen frisch in einem Topf über dem Feuer frittiert werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Libro de Arte Coquinaria‘, verfasst um 1465 von Maestro Martino da Como, einem der bedeutendsten Köche des 15. Jahrhunderts in Norditalien. Es spiegelt die gehobene Küche der Renaissance wider.

Was bedeutet 'fiore de la farina'?

‚Fiore de la farina‘ bedeutet wörtlich ‚Blume des Mehls‘ und bezeichnet das feinste, hellste Weizenmehl, das durch mehrfaches Sieben gewonnen wurde. Es entspricht unserem modernen Weizenmehl Type 405 oder 550.

Frictelle con herbe amare. Habi del fiore de la farina et un poco di lievito, et distemperali con l'erbe tagliate menute, componendole la sera per la matina perché vengano spognose, agiognendoli la matina fiche secche tagliate menute, et dell'uva passa. Et questa tal compositione non vole essere troppo tenera. Poi fa' le frittelle et fritte nel bono olio gli mettirai di sopra del zuccaro, del mele.
herbe amare

Bittere Kräuter, ohne nähere Bestimmung - bittere Blatt- und Wildkräuter der Saison (z.B. Löwenzahn, Endivie, Rucola).

spognose

„Schwammig“ - das Ziel der nächtlichen Gare: ein luftig-poriger, gut getriebener Teig.

la sera per la matina

„Abends für den Morgen“ - der Teig wird am Vorabend angesetzt und geht über Nacht.

Handschrift
Libro de arte coquinaria
Folio
Fol. 45r
Sprache
Frühitalienisch (15. Jh.)
Entstehung
Norditalien, 1465

Originalwerk (~1465) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 45r, Library of Congress, Rare Book and Special Collections Division, Washington MS (TX723 .M3 1460), Public Domain
Transkription
Uni Giessen (Gloning/Romanelli, Digitale Edition 2004, Basis: Faccioli 1966) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Teig am Vorabend ansetzen und über Nacht gehen lassen, morgens frisch im Topf über dem Feuer ausbacken.
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