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Fleischpasteten von Kalb oder Kapaun

Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465

GeflügelHauptspeise · GeflügelLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit90 Min.Portionen4-6 PersonenBuchLibro de Arte Coquinaria (~1465)

Nimm zuerst mageres Fleisch in der Menge, die dir beliebt, sei es Kalb, Kapaun oder eine andere Fleischsorte, oder auch Geflügel. Hacke es mit dem Messer sehr fein. Nimm gutes Kalbsfett und mische es gut mit dem besagten Fleisch. Füge gute Gewürze hinzu, nach dem allgemeinen Geschmack oder nach dem Geschmack des Herrn. Danach bereite deine Pastetenkrusten nach der üblichen Art der Pasteten zu und gib sie zum Backen in den Ofen. Sobald sie gebacken sind, nimm zwei Eigelb, guten Verjus, etwas fette Brühe und etwas Safran. Schlage diese Dinge gut zusammen und gib sie in die Pastete. Und wenn du die Krusten nicht zubereiten kannst, backe es in der Pfanne, wie man flache Kuchen macht. In die besagte Pastete kannst du auch ein oder zwei Hühner, oder Tauben, oder Kapaune, oder jedes andere Geflügel ganz oder zerteilt geben.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
carne magra quella quantità che ti piace Mageres Fleisch (Kalb, Kapaun, Geflügel) Metzger, Wochenmarkt -
bon grasso de vitello Gutes Kalbsfett Metzger -
bone spetie secundo il communo gusto Gute Gewürze - -
croste de pasta secundo l'usanza di pastelli Pastetenkrusten (Mürbeteig) - -
due rossi d'ova Zwei Eigelb - -
bono agresto Guter Verjus Bio-Laden, Feinkostgeschäft, Online-Shop Zitronensaft oder milder Essig
un pocho di brodo grasso Etwas fette Brühe - -
un pocho di zafarano Etwas Safran Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
uno o doi pollastri overo pippioni, o capponi, o qualunque altro ucello integro, o tagliato Hühner, Tauben, Kapaune oder anderes Geflügel (optional) Metzger, Wochenmarkt -

Welches Gericht ist das? Eine gedeckte Fleischpastete mit feiner Eier-Verjus-Bindung - die italienische Schwester der englischen chewets (foc-181), der Viandier-Pastetenfüllung (via-071) und der Münchner Rindfleischpastete (m5919-008). Mageres Kalb oder Kapaun wird fein gehackt, mit Fett und Gewürzen vermengt, in einer Teigkruste gebacken und nach dem Backen mit einer warmen Ei-Verjus-Brühe übergossen.

Die Bindung nach dem Backen. Eigelb, Verjus (agresto, der saure Saft unreifer Trauben), fette Brühe und Safran werden verschlagen und erst in die fertig gebackene Pastete gegeben. Die Hitze lässt das Eigelb leicht stocken - es entsteht eine sämige, säuerlich-goldene Sauce über der Füllung. Der Safran sorgt periodentreu für die goldgelbe Farbe.

Croste oder Pfanne. Wer keinen Teigmantel formen kann, brät die Masse come se fanno le torte - wie einen flachen Kuchen in der Pfanne. Das ist die einfachere, ofenlose Variante.

Ganz oder zerteilt. Statt nur Hackfüllung lassen sich auch ein bis zwei ganze Hühner, Tauben oder Kapaune einlegen - die Pastete wird dann zur prächtigen Geflügelpastete.

Praxis. Mageres Kalb oder Kapaun sehr fein hacken, mit Kalbsfett und einer Gewürzmischung (Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken) vermengen. In eine feste Teigkruste füllen und bei rund 180 Grad backen. Währenddessen 2 Eigelb mit einem Schuss Verjus, etwas fetter Brühe und einer Prise Safran verschlagen; nach dem Backen über die Füllung gießen und kurz nachziehen lassen. Ohne Ofen die Masse als flachen Fladen in der Pfanne braten.

Wo bekomme ich Verjus?

Verjus (Agresto) ist der Saft unreifer Weintrauben. Du findest ihn in gut sortierten Bio-Läden, Feinkostgeschäften oder online. Alternativ kannst du auch Zitronensaft oder einen sehr milden Essig verwenden, um eine ähnliche Säure zu erzielen, auch wenn der Geschmack nicht identisch ist.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist nicht ideal für die direkte Zubereitung am Lager. Es erfordert einen Ofen für die Pastetenkrusten und eine präzise Zubereitung der Füllung und Sauce. Die Pasteten können jedoch zu Hause vorbereitet und dann zum Lager mitgebracht und dort aufgewärmt werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Libro de Arte Coquinaria' (Buch der Kochkunst), verfasst um 1465 von Maestro Martino da Como, einem der bedeutendsten Köche des 15. Jahrhunderts. Es ist in norditalienischem Volgare geschrieben und spiegelt die gehobene Küche der Renaissance wider.

Was sind 'Pastelli' und 'Torte' in diesem Kontext?

‚Pastelli‘ sind im mittelalterlichen Kontext gefüllte Teiggebäcke oder Pasteten, oft mit einer Kruste aus Mürbeteig, die im Ofen gebacken werden. ‚Torte‘ bezieht sich hier nicht auf süße Kuchen, sondern auf flache, offene Pasteten oder Kuchen, die auch in einer Pfanne zubereitet werden konnten, wenn kein Ofen zur Verfügung stand oder die Kruste einfacher gehalten werden sollte.

Per fare pastelli de carne de vitello, o cappone, o qualunqua altra carne, o de ucelli. In prima togli carne magra quella quantità che ti piace et battila bene minuta col coltello; et togli de bon grasso de vitello et mischialo bene con la dicta carne, giongendovi de bone spetie secundo il communo gusto o secundo il gusto del patrone. Dapoi fa' le tue croste de pasta secundo l'usanza di pastelli et ponilo accocere nel forno. Et come siano cotti togli due rossi d'ova, de bono agresto, un pocho di brodo grasso, et un pocho di zafarano, et batti bene queste cose inseme, et ponele nel pastello. Et se tu non sapessi fare le croste cocelo ne la padella come se fanno le torte. Et nel dicto pastello si pò mettere uno o doi pollastri overo pippioni, o capponi, o qualunque altro ucello integro, o tagliato.
pastelli

Pasteten, gefüllte Teiggebäcke, oft mit Fleisch oder Fisch.

cappone

Kapaun, ein gemästeter und kastrierter Hahn, geschätzt für sein zartes Fleisch.

agresto

Verjus, der saure Saft unreifer Weintrauben, als Säuerungsmittel verwendet.

brodo grasso

Fette, kräftige Fleischbrühe.

zafarano

Safran, das periodentreue Färbe- und Statusgewürz für die goldgelbe Sauce.

torte

Hier flache, in der Pfanne gebackene Pasteten - nicht süße Kuchen.

Handschrift
Libro de arte coquinaria
Folio
Fol. 4v
Sprache
Frühitalienisch (15. Jh.)
Entstehung
Norditalien, 1465

Originalwerk (~1465) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 4v, Library of Congress, Rare Book and Special Collections Division, Washington MS (TX723 .M3 1460), Public Domain
Transkription
Uni Giessen (Gloning/Romanelli, Digitale Edition 2004, Basis: Faccioli 1966) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Die Ofen-Variante braucht einen geschlossenen Backraum; der Text bietet aber ausdrücklich die Pfannen-Variante (wie ein flacher Kuchen), die am Feuer machbar ist.
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