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Schwarze Pfeffersauce

Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum · Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz · 1433

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9.2/10Höfische KücheHofkücheVeganVegan
Zubereitungszeit20 Min.Portionen4 PersonenBuchRegistrum Coquine (~1433)

Nimm geriebenes, geröstetes Brot und bereite eine schwarze Pfeffersauce aus Wein und Verjus, Ingwer, Nelken, Zimt und Pfeffer zu. Gib Pinienkerne und Rosinen hinzu. Die Sauce passt zu Rehbraten (Rezept 18), Geflügel (Rezept 25) und ähnlichen gebratenen Fleischgerichten.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
panem grattatum rostitum Geröstetes Brot, gerieben oder im Mörser zerstoßen - -
vino Rotwein - -
agresto Verjus Feinkostladen, Online-Shop Rotwein allein (hat meist genug Säure)
zinzibere Ingwerpulver - -
garioffolis Nelken - -
cynamomo Zimtpulver - -
pipere Schwarzer Pfeffer (hauptsächlich), ergänzt durch Kubeben- und Langen Pfeffer - -
pineas Pinienkerne - -
uuam passam Rosinen - -

Welches Gericht ist das? Eine schwarze Pfeffersauce (piperatum nigrum) - die brotgebundene, würzig-dunkle Wein-Sauce, die im ganzen spätmittelalterlichen Europa als Standard-Begleiter zu Braten und gebratenem Geflügel diente. Sie ist die direkte Verwandte der italienischen peverata und der deutschen Wildbret-Pfeffersauce; Bockenheim setzt sie als Grundrezept voraus und ruft sie bei mehreren Fleischgerichten ab (Rehbraten boc-018, Geflügel boc-025).

Brotbindung statt Mehlschwitze. Gebunden wird zeittypisch mit panem grattatum rostitum - geriebenem, geröstetem Brot. Das Brot wird im Wein eingekocht oder im Mörser zu Pulver gemahlen und dickt die Sauce; eine Mehlschwitze (Roux) ist hier anachronistisch. Das Rösten gibt zugleich die dunkle Farbe und den namengebenden „schwarzen" Charakter.

Süß-saure Achse. Vino et agresto - Wein und Verjus (Saft unreifer Trauben) - liefern die Säure, die das fette gebratene Fleisch kontert; die Süße der Rosinen und das Aroma der Pinienkerne runden ab. Ein kräftiger Rotwein hat oft genug Eigensäure, dann kann der Verjus entfallen (Verjus ergibt eine hellere, frischere Sauce, Rotwein allein eine dunklere, vollere).

Die Pfeffer-Riege. Der Text nennt nur pipere, doch die gehobene Küche der Zeit mischte regelmäßig: schwarzer Pfeffer als Basis, dazu Kubeben (leicht harzig) und Langer Pfeffer (intensiver, süßlicher). Mit Ingwer, Nelken und Zimt ergibt sich das warme, an Glühwein erinnernde Profil.

Praxis. Brot rösten und reiben. Wein (und nach Geschmack etwas Verjus) mit Pfeffer, Ingwer, Nelken und Zimt aufsetzen, das geröstete Brot zum Binden einrühren und kurz köcheln, bis die Sauce sämig-dunkel ist. Pinienkerne und Rosinen zugeben. Über den fertigen Braten gießen und damit bestreuen (funde super carnes et sperge). Passt zu Rehbraten, Geflügel und ähnlichen gebratenen Fleischgerichten - im Test harmonierte sie überraschend gut mit einer milden Hirsebrei-Beilage, deren nussige Süße die scharf-würzige Note auffängt.

Praxistest : Zwiebeln in Schmalz angebraten, mit Rotwein abgelöscht, der Rotwein hatte genug Säure, kein Verjus nötig. Gewürze: 1 Nelke, etwas Zimt, Kubebenpfeffer, Langpfeffer, Schwarzer Pfeffer (hauptsächlich), Ingwer, Galgant, Salz. Geröstetes Brot im Mörser zu Pulver gemahlen zum Eindicken. Ergebnis: intensive, dunkle Sauce, duftet stark nach Glühwein, Nelken, Zimt und Ingwer dominieren.

Wozu passt diese Sauce?

Bockenheim nennt sie explizit für Rehbraten (Rezept 18) und Geflügel (Rezept 25). Die gleiche Saucen-Tradition findet sich in 'Wel ende edelike spijse' (Rezept 12) für Wildvögel wie Reiher und Kranich.

Brauche ich wirklich Verjus?

Nein, ein kräftiger Rotwein hat oft genug Eigensäure. Verjus ergibt eine hellere, frischere Note; Rotwein allein eine dunklere, vollere Sauce.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Aus dem Registrum Coquine des Johannes von Bockenheim, um 1433. Das Grundprinzip, Brot als Binder, Wein, Pfeffer, wärmende Gewürze, war damals in der gehobenen Küche Europas weit verbreitet.

Recipe panem grattatum rostitum et fac piperatum nigrum de vino et agresto, zinzibere, garioffolis, cynamomo et pipere, et mitte intus pineas et uuam passam. Et funde super carnes et sperge et erit pro magnatibus.
piperatum nigrum

Schwarze Pfeffersauce, eines der häufigsten Saucen-Grundrezepte in der mittelalterlichen Küche Europas

panem grattatum rostitum

geriebenes, geröstetes Brot als Bindemittel - typisch für mittelalterliche Saucen, lange vor der Mehlschwitze

agresto

Verjus, Saft unreifer Trauben, als Säuerungsmittel

pro magnatibus

‚für die Großen/Edelleute‘ - Bockenheim ordnet die Sauce der vornehmen Tafel zu

Handschrift
Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum
Folio
fol. 67v
Sprache
Mittellatein (frühes 15. Jh.)
Entstehung
Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz, 1433

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartpipere

Gewählte Lesart: Hauptsächlich schwarzer Pfeffer. Das Rezept nennt nur 'pipere', aber mittelalterliche Küche verwendete regelmäßig Pfeffersorten gemischt.

Andere mögliche Lesart:

  • Kubeben- und Langer Pfeffer ergänzend - Kubebenpfeffer (leicht harzig) und Langer Pfeffer (intensiver, süßlicher) ergänzen Schwarzen Pfeffer gut und sind zeitgenössisch belegt.

Originalwerk (~1433) gemeinfrei.

Bildquelle
BnF Ms. Latin 7054, fol. 67v/68r (Gallica ark:/12148/btv1b10035736w, f68) - Domaine public Quelle öffnen
Transkription
Robert Maier (Hg.): Das Registrum Coquine des Johannes von Bockenheim, Monumenta culinaria 3, GEB Gießen 2013 - CC BY-NC-SA 3.0 (urn:nbn:de:hebis:26-opus-93375) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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