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Rehbraten in schwarzer Pfeffersauce

Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum · Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz · 1433

WildHauptspeise · WildLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit90 Min.Portionen4-6 PersonenBuchRegistrum Coquine (~1433)

Nimm Rehfleisch und brate es am Spieß. Danach schneide es in kleine Stücke und gib diese in heißes Schmalz in einer Pfanne. Lass es mit Zwiebeln köcheln. Nimm danach alles heraus. Nimm geriebenes, geröstetes Brot und bereite eine schwarze Pfeffersauce aus Wein und Verjus, Ingwer, Nelken, Zimt und Pfeffer zu. Gib Pinienkerne und Rosinen hinzu. Gieße die Sauce über das Fleisch und bestreue es. So wird es für die Edelleute sein.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
carnes caprioli Rehfleisch Metzger, Wildhändler Lammfleisch
pinguedinem Schmalz Metzger -
cepis Zwiebeln - -
panem grattatum rostitum Geröstetes Brot (gerieben) - -
vino Rotwein - -
agresto Verjus Feinkostladen, Online-Shop Apfelessig (mild)
zinzibere Ingwerpulver - -
garioffolis Nelkenpulver - -
cynamomo Zimtpulver - -
pipere Schwarzer Pfeffer - -
pineas Pinienkerne - -
uuam passam Rosinen - -

Welches Gericht ist das? Am Spieß gebratenes Rehfleisch, zerteilt und in einer dunklen, brotgebundenen Pfeffersauce (piperata nigra) aus Wein, Verjus und warmen Gewürzen serviert - ein klassischer mittelalterlicher Pfeffer für die adelige Tafel (pro magnatibus). Die Sauce selbst steht als eigenes Grundrezept in boc-018a (Schwarze Pfeffersauce); eng verwandt sind foc-014 „Rehbrühe mit Gewürzen und Korinthen“, foc-116 „Schleien in Cynee-Sauce“ und das deutsche Gegenstück mha-049.

Zweistufiges Garen. Das Reh wird erst am Spieß gebraten (Röstaromen, knusprige Außenseite), dann in kleine Stücke geschnitten und mit Zwiebeln in heißem Schmalz nachgeschmort. Anschließend werden Fleisch und Zwiebeln herausgenommen, damit die Sauce separat angesetzt werden kann.

panem grattatum rostitum - die Brotbindung. Geröstetes, geriebenes Brot ist das zeittypische Bindemittel der Saucenküche - lange vor der Mehlschwitze. Dunkel geröstet gibt es der piperata nigra zugleich Farbe und Tiefe. Mit Wein und Verjus aufgegossen und mit Ingwer, Nelken, Zimt und Pfeffer gewürzt, entsteht eine dunkle, süß-säuerlich-scharfe Sauce; Pinienkerne und Rosinen bringen Süße und Biss.

Praxis. Rehfleisch (ersatzweise Lamm) am Spieß oder im Backofengrill anbraten, in mundgerechte Stücke schneiden und mit gehackten Zwiebeln in Schmalz anschmoren, dann beiseitestellen. Geröstetes Brot reiben oder im Mörser zerstoßen, mit Rotwein und Verjus aufgießen, mit Ingwer, Nelken, Zimt und reichlich schwarzem Pfeffer würzen und zu einer dunklen, sämigen Sauce einkochen. Pinienkerne und Rosinen unterrühren, die Sauce über das Fleisch gießen und das Gericht damit überziehen.

Wo bekomme ich Rehfleisch?

Rehfleisch erhältst du beim Metzger, Wildhändler oder auf dem Wochenmarkt. Alternativ kann Lammfleisch verwendet werden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Das Braten am Spieß über offenem Feuer ist authentisch und die Zutaten sind gut lagerfähig.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem „Registrum Coquine“ von Johannes von Bockenheim, einem Kochbuch aus der Zeit um 1433. Es wurde für den Hof des Gegenpapstes Felix V. in Basel verfasst und spiegelt die gehobene Küche des Spätmittelalters wider.

Was ist Verjus und wo bekomme ich ihn?

Verjus (lateinisch „agrestum“) ist der Saft unreifer Trauben und wurde im Mittelalter häufig als Säuerungsmittel verwendet, ähnlich wie Essig oder Zitronensaft. Du findest ihn in Feinkostläden oder online. Eine milde Alternative ist Apfelessig.

Ad faciendum piperatam nigram pro magnatibus Recipe carnes caprioli, et fac illas rostire in spidone, et postea fac petias paruas et pone illas in pinguedine[a]m calidam in patella. Et fac bulire cum cepis. postea mitte hoc totum foris. Et Recipe panem grattatum rostitum et fac piperatum nigrum de vino et agresto, zinzibere, garioffolis, cynamomo et pipere, et mitte intus pineas et uuam passam. Et funde super carnes et sperge et erit pro magnatibus.
piperatam nigram

‚schwarze Pfeffersauce‘ - eine dunkle, brotgebundene Pfeffersauce; die dunkle Farbe kommt vom dunkel gerösteten Brot.

panem grattatum rostitum

‚geriebenes, geröstetes Brot‘ - das zeittypische Bindemittel der Saucenküche (Brotbindung statt Mehlschwitze); dunkel geröstet gibt es Farbe und Tiefe.

fac bulire cum cepis

‚lass es mit Zwiebeln köcheln‘ - das zerteilte Fleisch wird nach dem Spießbraten mit Zwiebeln in Schmalz nachgeschmort, bevor die Sauce separat angesetzt wird.

agresto

Verjus, der Saft unreifer Trauben - die säuernde Komponente neben dem Wein.

pro magnatibus

‚für die Adligen‘ - Bockenheim ordnet seine Rezepte Ständen und Völkern zu; der Wild-Pfeffer ist hier die Speise der gehobenen Tafel.

Handschrift
Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum
Folio
fol. 67v
Sprache
Mittellatein (frühes 15. Jh.)
Entstehung
Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz, 1433

Originalwerk (~1433) gemeinfrei.

Bildquelle
BnF Ms. Latin 7054, fol. 67v/68r (Gallica ark:/12148/btv1b10035736w, f68) - Domaine public Quelle öffnen
Transkription
Robert Maier (Hg.): Das Registrum Coquine des Johannes von Bockenheim, Monumenta culinaria 3, GEB Gießen 2013 - CC BY-NC-SA 3.0 (urn:nbn:de:hebis:26-opus-93375) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Fleisch am Spieß über dem Feuer vorbraten und anschließend mit Zwiebeln in der Pfanne vollenden; die Gewürzsauce lässt sich schnell im Topf ansetzen.
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