Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent · Frankreich · 1300
Nimm Hähnchen, entweder ganz oder in Viertel geschnitten, ganz wie du es wünschst. Erhitze die Hähnchenstücke erneut. Sobald sie wieder erhitzt sind, gib sie in einen Topf und lasse sie sanft köcheln. Nimm dann Weißbrot und weiche es ein. Füge eine angemessene Menge Hühnerleber hinzu. Lasse die eingeweichten Zutaten passieren (durch ein Sieb oder Tuch streichen). Sobald alles passiert ist, gib es in den Topf. Nimm Ingwer, löse ihn in Verjus auf und gib diese Mischung ebenfalls in den Topf.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Poulles entieres ou coppes par quartiers | Hähnchen (ganz oder geviertelt) | - | - | - |
| pain blanc | Weißbrot | - | - | - |
| foyes de poulaille assez raisonnablement | Hühnerleber | - | Metzger | - |
| gingembre | Ingwer | - | - | - |
| vertius | Verjus | - | Feinkostladen, Online-Spezialitätenhandel | Weißweinessig oder Zitronensaft |
Verjus (französisch für ‚grüner Saft‘) ist der Saft unreifer Weintrauben. Er ist sauer wie Essig, aber mit einer fruchtigeren Note. Du findest ihn in gut sortierten Feinkostläden oder bei Online-Spezialitätenhändlern. Alternativ kannst du Weißweinessig oder Zitronensaft verwenden, wobei der Geschmack dann leicht abweicht.
Ja, gut geeignet. Das Hähnchen ist bereits vorgekocht und muss nur wieder erhitzt werden. Frische Hühnerleber kann man am Markttag besorgen und direkt verarbeiten. Die Zubereitung erfordert lediglich einen Topf und eine Feuerstelle.
Das Rezept verlangt, eingeweichtes Brot und Hühnerleber zu ‚passieren‘. Dies wurde im Mittelalter oft in einem großen Fleischmörser gemacht, um eine feine Paste zu erhalten. Für die moderne Küche kannst du stattdessen eine Küchenmaschine oder einen Blender verwenden, um die Zutaten zu pürieren.
Dieses Rezept stammt aus „Le Viandier de Taillevent“. Ältestes erhaltenes französisches Kochbuch der höfischen Küche (~1300). Taillevent, Chefkoch der Könige Frankreichs, prägt mit diesem Werk die Saucen-, Fleisch- und Festmahlkultur des Spätmittelalters. Erhalten in mehreren Handschriften; Grundlage ist die kritische Edition Pichon & Vicaire (1892) nach der Sion-Handschrift.
Zerhackt, zerkleinert. Bezieht sich hier auf die Konsistenz des fertigen Eintopfs.
Wiedererhitzt, vorgekocht. Das Hähnchen ist bereits gegart.
Sanft köcheln lassen. Eine alte französische Form von ‚souffrir‘, hier im Sinne von ‚ertragen lassen‘ oder ‚sanft garen lassen‘.
Einweichen, tränken.
Seihen, passieren. Die eingeweichten Zutaten werden durch ein Sieb oder Tuch gestrichen, um eine feine Paste zu erhalten.
Auflösen, vermischen. Hier: Ingwer in Verjus auflösen.
Verjus, der Saft unreifer Weintrauben.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| pain blanc | white bread Q1501889 |
| foyes de poulaille assez raisonnablement | chicken liver Q67210929 |
| gingembre | ginger Q15046077 |
| vertius | verjuice Q1060458 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
hocheez
Gewählte Lesart: Im Titel ‚hocheez‘ als ‚in Stücke geschnitten‘ oder ‚zerhackt‘ interpretiert, was die Konsistenz des fertigen Eintopfs beschreibt. Die Anweisung, das Hähnchen ganz oder geviertelt zu nehmen, deutet darauf hin, dass das Zerkleinern erst später im Kochprozess erfolgt oder das Gericht als solches ‚zerhackt‘ ist.
Andere mögliche Lesart:
soufrises
Gewählte Lesart: ‚Soufrises‘ wurde als ‚sanft köcheln lassen‘ übersetzt, im Sinne von ‚ertragen lassen‘ oder ‚garen lassen‘.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.