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Gefülltes Spanferkel

Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent · Frankreich · 1300

SchweinHauptspeise · SchweinLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumAufwändigKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit240 Min.Portionen6-10 PersonenBuchLe Viandier de Taillevent (~1300)

Man nehme ein gefülltes Spanferkel, brühe es ab und stecke es auf einen Spieß. Die Füllung bereite aus den Innereien des Spanferkels, sowie aus Stücken vom Spanferkelfleisch und gekochtem Schweinefleisch. Vermische dies alles mit Eigelb, Frischkäse, gekochten und geschälten Kastanien und einer feinen Gewürzmischung. Fülle diese Masse in den Bauch des Spanferkels und verschließe die Öffnung. Beträufle das Spanferkel während des Bratens mit Essig und siedendem Schmalz. Serviere es mit einer gelben Pfeffersauce.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Pourcelet Spanferkel Metzger -
lyssue du pourcelet Innereien vom Spanferkel Metzger (auf Vorbestellung) Hühnerleber
rouelles de porcelet Spanferkelfleisch Metzger -
rouelles de port cuyt Gekochtes Schweinefleisch - -
moyeux doeufz Eigelb - -
fromaige de gun Frischkäse - Quark oder Ricotta
chastaignes cuytes pellees Gekochte, geschälte Kastanien Supermarkt (frisch oder vakuumiert) -
fine pouldre despices Feine Gewürzmischung - -
vinaigre Essig - -
sain bouillant Siedendes Schmalz - -

Welches Gericht ist das? Ein gefülltes, am Spieß gebratenes Spanferkel (pourcelet farci) - ein Festtags- und Schaubraten der höfischen Küche, lebendig verwandt mit dem bis heute auf Märkten gebratenen Spanferkel. Nahezu wortgleich mit dem Ménagier-Rezept "Gefülltes Spanferkel" (men-142).

Das Tier wird abgebrüht (eschaudé, zum Enthaaren), am Spieß befestigt und mit einer Farce aus den eigenen Innereien (lyssue), Stücken (rouelles) vom Spanferkel und gekochtem Schweinefleisch gefüllt. Gebunden wird die Farce mit Eigelb und Frischkäse (fromaige de gun), dazu kommen gekochte, geschälte Kastanien und eine feine Gewürzmischung (fine pouldre d'espices). Die Bauchöffnung wird zugenäht/verschlossen (restouppes le trou).

Während des Bratens wird das Ferkel mit Essig und siedendem Schmalz beträufelt/begossen (passines en vinaigre & sain bouillant) - das hält die Haut knusprig und gibt Geschmack. Serviert wird zu einer gelben Pfeffersauce (poyure iaunet, Sauce jaunet), deren Gelb periodentreu vom Safran kommt - nicht von moderner Färbung.

Praxis. Spanferkel innen mit der vorbereiteten, gut gewürzten Farce füllen, Bauch zunähen, am Spieß über gleichmäßiger Glut langsam braten (mehrere Stunden). Regelmäßig mit einer Mischung aus Essig und heißem Schmalz bestreichen. Dazu eine safrangelbe Pfeffersauce aus Pfeffer, Ingwer, Brühe, Verjus/Essig und Safran reichen. Klassische Lagerarbeit am offenen Feuer; die Farce lässt sich vorbereiten und mitbringen.

Was ist eine 'feine Gewürzmischung' (pouldre despices)?

Im Mittelalter war eine „Gewürzmischung“ (pouldre despices) oft eine Mischung aus Ingwer, Zimt, Nelken, langem Pfeffer, Muskatnuss und Paradieskörnern. Verwende eine Mischung dieser Gewürze nach eigenem Geschmack.

Was bedeutet 'fromaige de gun' und welchen Käse soll ich verwenden?

„Fromaige de gun“ ist eine seltene Bezeichnung. Wir interpretieren es als Frischkäse, da dieser in mittelalterlichen Füllungen häufig verwendet wurde. Du kannst Quark oder Ricotta als Ersatz verwenden.

Was ist eine 'gelbe Pfeffersauce' (poyure iaunet)?

Die „gelbe Pfeffersauce“ oder Sauce Jaunette war eine beliebte mittelalterliche Sauce, die oft mit Safran gelb gefärbt wurde. Sie enthielt typischerweise Pfeffer, Ingwer, Essig und Brühe und wurde oft zu gebratenem Fleisch serviert.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Das Braten eines Spanferkels am Spieß über offenem Feuer ist eine klassische Lagerküchen-Zubereitung. Die Füllung kann gut vorbereitet und mitgebracht werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Le Viandier de Taillevent“, einem der ältesten und einflussreichsten französischen Kochbücher. Es wird dem Koch Guillaume Tirel, genannt Taillevent, zugeschrieben und entstand in verschiedenen Versionen ab dem späten 14. Jahrhundert (um 1393). Es repräsentiert die höfische Küche des französischen Mittelalters.

Pourcelet farcy soit eschaude & mis en broche & soit la farce faicte de lyssue du pourcelet & des rouelles de porcelet & des rouelles de port cuyt de moyeux doeufz fromaige de gun chastaignes cuytes pellees & fine pouldre despices tout ensemble & puis mettes ou ventre du pourcelet & restouppes le trou & passines en vinaigre & sain bouillant menges a poyure iaunet.
Pourcelet farcy

Gefülltes Spanferkel - ein Spieß-Festbraten.

eschaude

Abgebrüht (mit heißem Wasser übergossen), um die Borsten zu entfernen.

lyssue / rouelles

Lyssue = Innereien/Eingeweide; rouelles = Stücke, Scheiben (vom Fleisch).

fromaige de gun

Seltene Schreibung; als Frischkäse gedeutet (vermutlich für "de gain/grain", körniger Frischkäse) - siehe interpretative Wahl.

passines en vinaigre & sain bouillant

Während des Bratens mit Essig und siedendem Schmalz begießen/bestreichen (Basting) - siehe interpretative Wahl.

poyure iaunet

Gelbe Pfeffersauce (Sauce jaunet), safrangelb gefärbt.

Handschrift
Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent
Folio
Fol. 014v
Sprache
Moyen Français (ca. 1300-1400)
Entstehung
Frankreich, 1300

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartfromaige de gun

Gewählte Lesart: Frischkäse. Wahrscheinlich verschrieben aus "de gain/grain" (körniger Frischkäse); Frischkäse ist eine gängige Farce-Zutat der Zeit.

Andere mögliche Lesart:

  • Käse aus Genua (fromage de Gênes). - Eine Herkunftsbezeichnung ist denkbar, in Füllungen aber ungewöhnlich; ohne weiteren Beleg bleibt der generische Frischkäse die naheliegendere Lesart.

Lesartpassines en vinaigre & sain bouillant

Gewählte Lesart: Während des Bratens mit Essig und siedendem Schmalz begießen (Basting) - hält das Bratgut saftig und die Haut knusprig.

Andere mögliche Lesart:

  • Essig und Schmalz durch ein Tuch passieren/seihen. - Das Verb kann "passieren" meinen, ergibt beim Spießbraten aber wenig Sinn; die Stellung im Bratvorgang spricht klar fürs Begießen.

Originalwerk (~1300) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 014v, Bibliothèque nationale de France, Manuscrit Français 19791, Gallica (ark:/12148/btv1b10501680z) - Domaine public Quelle öffnen
Transkription
Pichon & Vicaire 1892 (kritische Edition), Project Gutenberg #26567 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Spießbraten über offenem Feuer - klassische Lagerküche. Die Farce gut gekühlt vorbereiten und mitbringen.
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