Le Viandier de Taillevent (Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent)
Gefülltes Spanferkel
Moderne Übersetzung
Man nehme ein gefülltes Spanferkel, brühe es ab und stecke es auf einen Spieß. Die Füllung bereite aus den Innereien des Spanferkels, sowie aus Stücken vom Spanferkelfleisch und gekochtem Schweinefleisch. Vermische dies alles mit Eigelb, Frischkäse, gekochten und geschälten Kastanien und einer feinen Gewürzmischung. Fülle diese Masse in den Bauch des Spanferkels und verschließe die Öffnung. Beträufle das Spanferkel während des Bratens mit Essig und siedendem Schmalz. Serviere es mit einer gelben Pfeffersauce.
Zutaten
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| Pourcelet | Spanferkel | Metzger | - |
| lyssue du pourcelet | Innereien vom Spanferkel | Metzger (auf Vorbestellung) | Hühnerleber |
| rouelles de porcelet | Spanferkelfleisch | Metzger | - |
| rouelles de port cuyt | Gekochtes Schweinefleisch | - | - |
| moyeux doeufz | Eigelb | - | - |
| fromaige de gun | Frischkäse | - | Quark oder Ricotta |
| chastaignes cuytes pellees | Gekochte, geschälte Kastanien | Supermarkt (frisch oder vakuumiert) | - |
| fine pouldre despices | Feine Gewürzmischung | - | - |
| vinaigre | Essig | - | - |
| sain bouillant | Siedendes Schmalz | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Ein gefülltes, am Spieß gebratenes Spanferkel (pourcelet farci) - ein Festtags- und Schaubraten der höfischen Küche, lebendig verwandt mit dem bis heute auf Märkten gebratenen Spanferkel. Nahezu wortgleich mit dem Ménagier-Rezept "Gefülltes Spanferkel" (men-142).
Das Tier wird abgebrüht (eschaudé, zum Enthaaren), am Spieß befestigt und mit einer Farce aus den eigenen Innereien (lyssue), Stücken (rouelles) vom Spanferkel und gekochtem Schweinefleisch gefüllt. Gebunden wird die Farce mit Eigelb und Frischkäse (fromaige de gun), dazu kommen gekochte, geschälte Kastanien und eine feine Gewürzmischung (fine pouldre d'espices). Die Bauchöffnung wird zugenäht/verschlossen (restouppes le trou).
Während des Bratens wird das Ferkel mit Essig und siedendem Schmalz beträufelt/begossen (passines en vinaigre & sain bouillant) - das hält die Haut knusprig und gibt Geschmack. Serviert wird zu einer gelben Pfeffersauce (poyure iaunet, Sauce jaunet), deren Gelb periodentreu vom Safran kommt - nicht von moderner Färbung.
Praxis. Spanferkel innen mit der vorbereiteten, gut gewürzten Farce füllen, Bauch zunähen, am Spieß über gleichmäßiger Glut langsam braten (mehrere Stunden). Regelmäßig mit einer Mischung aus Essig und heißem Schmalz bestreichen. Dazu eine safrangelbe Pfeffersauce aus Pfeffer, Ingwer, Brühe, Verjus/Essig und Safran reichen. Klassische Lagerarbeit am offenen Feuer; die Farce lässt sich vorbereiten und mitbringen.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/via-143/
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