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Sarazenischer Aal-Eintopf

Le Ménagier de Paris · Paris · 1393

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 6/10Bürgerliche KücheBürgerlichFischFastenspeise
Zubereitungszeit45 Min.Portionen2-3 PersonenBuchMénagier de Paris (~1393)

Häute den Aal und schneide ihn in sehr kleine Stücke. Bestreue die Stücke mit Salz und brate sie in Öl an. Zerstoße dann Ingwer, Zimt, Nelken, Paradieskörner, Galgant, langen Pfeffer und Safran im Mörser, um dem Gericht Farbe zu verleihen. Gib Verjus hinzu. Koche alles zusammen mit den gebratenen Aalstücken, die von selbst für die Bindung des Eintopfs sorgen.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
l'anguille 1 Aal (ca. 500 g) Fischhändler (Zuchtaal - Wildfang gilt als vom Aussterben bedroht und ist laut CITES Anhang II reguliert); alternativ Welsfilet oder festes Seefischfilet wie Kabeljau. 500 g Welsfilet oder Kabeljaufilet
sel Salz - -
huille Pflanzenöl - -
gingembre Ingwer - -
canelle Zimt - -
giroffle Nelken - -
grainne Paradieskörner Online-Gewürzhändler Schwarzer Pfeffer mit einer Prise Kardamom
garingal Galgant Asiamarkt, Online-Gewürzhändler Ingwer
poivre long Langer Pfeffer Online-Gewürzhändler Schwarzer Pfeffer
saffran Safranfäden Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
vertjus Verjus Feinkostladen, Online-Weinhandel Weißweinessig oder Zitronensaft
Wo bekomme ich Aal und welche Alternativen gibt es?

Der Europäische Aal gilt als vom Aussterben bedroht (IUCN: „Critically Endangered") und Wildfang unterliegt seit 2009 CITES Anhang II sowie strengen EU-Fangquoten. Zuchtaal ist davon nicht betroffen und weiterhin normal beim Fischhändler erhältlich - das ist die empfohlene Bezugsquelle für dieses Rezept. Wer lieber ganz auf Aal verzichten möchte, kann alternativ Welsfilet aus nachhaltiger Zucht oder festes Seefischfilet wie Kabeljau verwenden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten lassen sich gut transportieren, und die Zubereitung kann über offenem Feuer oder in einem Topf erfolgen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem Haushaltsbuch, das um 1393 in Paris verfasst wurde. Es bietet Einblicke in die bürgerliche Küche des späten Mittelalters.

Was ist 'Verjus' und wo bekomme ich ihn?

Verjus ist der Saft unreifer Weintrauben und dient als säuerndes Element in der mittelalterlichen Küche, ähnlich wie Essig oder Zitronensaft, aber mit einer fruchtigeren Note. Du findest ihn in gut sortierten Feinkostläden oder bei Online-Weinhandlungen. Alternativ kannst du Weißweinessig oder Zitronensaft verwenden.

Was sind 'Paradieskörner' und 'Langer Pfeffer'?

Paradieskörner (Grains of Paradise) sind ein westafrikanisches Gewürz mit pfeffrig-kardamomartigem Geschmack, das im Mittelalter oft als Ersatz für schwarzen Pfeffer diente. Langer Pfeffer ist eine andere Pfefferart mit einem komplexeren, leicht süßlichen und schärferen Aroma. Beide sind heute in spezialisierten Online-Gewürzhandlungen erhältlich. Als Alternative für Paradieskörner kannst du schwarzen Pfeffer mit einer Prise Kardamom verwenden, für Langen Pfeffer einfach schwarzen Pfeffer.

Was bedeutet 'im Mörser zerstoßen' - brauche ich einen Mörser und Stößel?

Im mittelalterlichen Kochkontext bezieht sich 'im Mörser zerstoßen' oft auf einen großen Fleischmörser, der zum Zerkleinern und Pürieren von Fleisch, Fisch oder Nüssen verwendet wurde. Für Gewürze reicht ein kleinerer Mörser. Du kannst die Gewürze auch in einer modernen Küchenmaschine oder Gewürzmühle fein mahlen, um ein ähnliches Ergebnis zu erzielen.

Brouet sarasinoiz. Escorchiez l'anguille, et decouppez par bien menuz tronçons puis pouldrez de sel et frisiez en huille. Puis broyez gingembre, canelle, giroffle, grainne, garingal, poivre long, et saffran pour donner couleur, et de vertjus, et boulir tout ensemble avec les anguilles, qui d'elles mesmes font lyoison.
Brouet sarasinoiz

Sarazenischer Eintopf/Brühe, oft reich gewürzt und mit süß-saurer Note.

Escorchiez

Häuten

tronçons

Stücke, Abschnitte

pouldrez

Bestreuen, pudern

frisiez

Braten, frittieren

huille

Öl

broyez

Zerstoßen, mahlen (im Mörser)

grainne

Kurzform für 'graine de paradis', Paradieskörner

garingal

Galgant

poivre long

Langer Pfeffer

vertjus

Verjus, Saft unreifer Weintrauben

boulir

Kochen

lyoison

Bindung, Verdickung

Handschrift
Le Ménagier de Paris
Folio
Fol. 146r
Sprache
Moyen Français
Entstehung
Paris, 1393

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartgrainne

Gewählte Lesart: Als 'Paradieskörner' übersetzt, da dies die gängige Kurzform für 'graine de paradis' in mittelalterlichen französischen Rezepten ist.

Lesartlyoison

Gewählte Lesart: Als 'Bindung' oder 'Verdickung' übersetzt, da der Aal durch seinen Gelatinegehalt beim Kochen den Eintopf auf natürliche Weise bindet.

Originalwerk (~1393) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 146r, Scan: Bibliothèque nationale de France, Gallica (BnF Manuscrit Français 12477)
Transkription
Base de Français Médiéval (BFM), ENS Lyon - TEI P5, Lizenz Etalab Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Zutaten können gut transportiert werden. Kochen über offenem Feuer oder im Topf ist möglich.
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Aus unseren ersten Übersetzungen. Dieses Rezept gehört zu unseren früh erschlossenen Texten und wird vielleicht noch einmal überprüft. Wir gehen die Rezepte gelegentlich erneut durch, wenn wir neue Erkenntnisse gewinnen.

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