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Schinken mit Verjus und Reste-Eintopf

Le Ménagier de Paris · Paris · 1393

SchweinHauptspeise · SchweinLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 6/10Bürgerliche KücheBürgerlich
Zubereitungszeit120 Min.Portionen4-6 PersonenBuchMénagier de Paris (~1393)

Im Juli bereite frischen Schweineschinken zu, gekocht in gelb gefärbtem Wasser und Verjus aus Trauben. Füge etwas Ingwer und Brot hinzu. Serviere den Schinken mit einer geriebenen Sauce. Des Weiteren, zum Abendessen, koche das gesalzene Fleisch vom Morgen (sei es Rind oder Hammel) in Wasser mit Schnittlauch.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
jambon de porc fraiz 1 kg frischer Schweineschinken Metzger -
eaue jaune 2 Liter Wasser - -
eaue jaune (Safran) 1 Prise Safranfäden Bio-Laden -
vertjus de grain 200 ml Verjus Feinkostladen Weißweinessig oder Zitronensaft
ung petit de gingembre 10 g frischer Ingwer - -
pain 100 g altbackenes Brot - -
char salee du matin 500 g gesalzenes Rind- oder Hammelfleisch (vom Vortag) Metzger -
eaue 500 ml Wasser - -
ciboulles Schnittlauch - -
Was bedeutet 'Verjus' und wo bekomme ich ihn?

Verjus ist der Saft unreifer Weintrauben und wurde im Mittelalter häufig als säuerndes Element in der Küche verwendet, ähnlich wie Essig oder Zitronensaft. Er ist milder und fruchtiger als Essig. Du findest ihn in gut sortierten Feinkostläden, Weinhandlungen oder online. Als Alternative kannst du einen milden Weißweinessig oder Zitronensaft verwenden, wobei der Geschmack leicht abweichen wird.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Der frische Schinken kann in einem großen Topf über dem Feuer gekocht werden. Die Sauce lässt sich mit einer Reibe und einfachen Zutaten schnell zubereiten. Das Aufwärmen von gesalzenem Fleisch vom Vortag ist eine klassische und praktische Methode, um Reste am Lager zu verwerten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem französischen Haushaltsbuch, das um 1393 verfasst wurde. Es bietet Einblicke in die Küche und Haushaltsführung des späten Mittelalters in Paris und richtet sich an eine junge Ehefrau, die ihren Haushalt führen soll.

Was ist eine 'saulse rapee'?

Die 'saulse rapee' (geriebene Sauce) ist eine typische mittelalterliche Sauce, die oft aus altbackenem Brot, Verjus und Gewürzen hergestellt wird. Das Brot dient dabei als Bindemittel und verleiht der Sauce eine sämige Konsistenz, während Verjus und Gewürze für den Geschmack sorgen.

En juillet, jambon de porc fraiz cuit a l'eaue jaune et au vertjus de grain, ung petit de gingembre et de pain, a la saulse rapee. Item, au soupper, char salee du matin cuicte a l'eaue et aux ciboulles, soit beuf ou mouton.
eaue jaune

Gelb gefärbtes Wasser, vermutlich mit Safran oder einer Gewürzmischung, um dem Gericht Farbe zu verleihen.

vertjus de grain

Verjus, der Saft unreifer Trauben. 'Grain' könnte sich auf die kleinen, unreifen Trauben selbst oder eine spezifische, besonders saure Sorte beziehen.

saulse rapee

Eine geriebene Sauce, die typischerweise aus altbackenem Brot, Verjus und Gewürzen zubereitet wird, um sie zu binden und zu würzen.

char salee

Gesalzenes Fleisch, hier als Resteverwertung vom Vortag, das erneut gekocht wird.

Handschrift
Le Ménagier de Paris
Folio
Fol. 139v
Sprache
Moyen Français
Entstehung
Paris, 1393

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesarteaue jaune

Gewählte Lesart: Gelb gefärbtes Wasser, vermutlich mit Safran.

Andere mögliche Lesart:

  • Gelb gefärbtes Wasser, z.B. mit Ringelblume oder einer anderen gelbfärbenden Zutat. - Obwohl Safran wahrscheinlicher ist, könnten auch andere gelbfärbende Gewürze oder Pflanzen verwendet worden sein, wenn auch seltener in der französischen Küche dieser Zeit.

Lesartvertjus de grain

Gewählte Lesart: Verjus aus unreifen Trauben.

Andere mögliche Lesarten:

  • Verjus, dem 'Grains de Paradis' (Paradieskörner) hinzugefügt wurden. - Paradieskörner waren ein beliebtes Gewürz im Mittelalter und könnten zur Würzung des Verjus beigetragen haben, falls 'grain' hier als Abkürzung für dieses Gewürz gemeint war.
  • Verjus aus anderen sauren Beeren oder Früchten, die als 'grain' bezeichnet wurden. - Im Mittelalter wurden auch andere saure Früchte für Verjus-ähnliche Säfte verwendet, die regional als 'grain' bezeichnet werden könnten.

Lesartsaulse rapee

Gewählte Lesart: Eine Sauce, die mit geriebenem altbackenem Brot gebunden und gewürzt wird.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine Sauce, die mit geriebenem Käse oder anderen geriebenen Zutaten zubereitet wird. - Obwohl Brot am häufigsten war, könnten in anderen Kontexten auch andere geriebene Zutaten verwendet worden sein, um eine 'geriebene' Sauce zu erzeugen.

Originalwerk (~1393) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 139v, Scan: Bibliothèque nationale de France, Gallica (BnF Manuscrit Français 12477)
Transkription
Base de Français Médiéval (BFM), ENS Lyon - TEI P5, Lizenz Etalab Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Der frische Schweineschinken kann gut über offenem Feuer oder in einem großen Topf gekocht werden. Die geriebene Sauce lässt sich ebenfalls einfach am Lagerfeuer zubereiten, indem man altbackenes Brot reibt und mit Verjus und Gewürzen vermischt. Das Aufwärmen von gesalzenem Fleisch vom Vortag ist eine ideale Lagerküchenpraxis, die wenig Aufwand erfordert. Achte darauf, dass du einen ausreichend großen Topf für den Schinken und eine Reibe für das Brot dabei hast.
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Aus unseren ersten Übersetzungen. Dieses Rezept gehört zu unseren früh erschlossenen Texten und wird vielleicht noch einmal überprüft. Wir gehen die Rezepte gelegentlich erneut durch, wenn wir neue Erkenntnisse gewinnen.

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