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Crispelli, Tortelli oder Ravioli, frittierte Bratlinge aus Schweinebauch-Käse-Kräuter-Masse

Libro della cocina (Anonimo Toscano) · Toskana, Italien · 1390

SchweinHauptspeise · SchweinLagerkücheLagerküche-tauglichMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10Bürgerliche KücheBürgerlichPastaPasta
Zubereitungszeit60 Min.Portionen4-6 PersonenBuchAnonimo Toscano - Libro della cocina (~1390)

Nimm enthäuteten Schweinebauch, siede ihn und hacke ihn kräftig mit dem Messer.

Nimm eine gute Menge wohlriechender Kräuter und zerstoße sie kräftig im Mörser. Gib frischen Käse und ein wenig Mehl dazu und verrühre alles mit Eiweiß, sodass eine feste Masse entsteht.

Nimm eine gute Menge frisches Schweinefett, gib es in eine Pfanne, sodass es kocht, und forme daraus Crispelli. Wenn sie gar und herausgenommen sind, bestreue sie mit Zucker.

Anders:

Nimm frischen, kräftig gehackten Käse. Gib ein wenig Mehl dazu und verrühre es mit Eiweiß, sodass es dickflüssig wird. Gib es mit Schmalz zum Kochen, wie oben beschrieben, und bestreue es mit Zucker, wie bei den anderen Dingen gesagt wurde.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
ventresca di porco scorticata Enthäuteter Schweinebauch Metzger -
erbe odorifere in bona quantità Wohlriechende Kräuter Wochenmarkt Petersilie, Salbei, Majoran
cascio fresco Frischer Käse Supermarkt Ricotta oder Quark
farina Mehl - -
albume d'ova Eiweiß - -
grasso del porco fresco in bona quantità / lardo Frisches Schweinefett / Schmalz Metzger -
zuccaro Zucker - -

Welches Gericht ist das? Trotz des Titels Crispelli, o vero tortelli e ravioli keine gefüllte Teigtasche, sondern eine frittierte Bratling-Masse: alle Zutaten werden zu einem festen Teig vermengt und löffelweise in heißem Fett ausgebacken. Lebende Verwandtschaft sind Polpette, Frikadellen, italienische crocchette oder österreichische Käse-Krapfen.

Crispelli, tortelli, ravioli - hier Synonyme. Der Originaltitel listet drei Form-Begriffe nebeneinander; im Volgare des 14. Jh. meinen sie alle dasselbe: kleine, aus einer Masse geformte und ausgebackene Stücke. Die heutige Trennung (Crispelli = Süßgebäck, Tortelli/Ravioli = gefüllte Pasta) hat sich erst später ausdifferenziert. Die Anweisung sì che sia duro („sodass es fest ist“) macht eindeutig: eine kompakte Masse, kein dünner Teig mit Füllung.

Zuccaro - der Zucker am Schluss. Das Bestreuen mit Zucker ist hier kein Dessert-Marker, sondern Status-Geste der Hofküche: Zucker war im 14. Jh. extrem teuer; ihn großzügig über eine Fleischspeise zu streuen signalisiert Reichtum (wie heute Trüffel über Pasta). Süß-salzig-fettig nebeneinander war bewusste Geschmacks-Schichtung, vgl. moderne tortelli di zucca.

Praxis. Schweinebauch (ohne Schwarte) gar sieden, fein hacken; reichlich Petersilie, Salbei, Majoran im Mörser zerstoßen, mit frischem Frischkäse (Ricotta oder Quark), etwas Mehl und Eiweiß zu einer festen, formbaren Masse verkneten. In reichlich heißem Schweineschmalz (~170 °C) walnussgroße Portionen goldbraun ausbacken, abtropfen, mit etwas Zucker bestreuen. Zweite Variante: nur Frischkäse, Mehl und Eiweiß - fastentauglich, wenn man Butter statt Schmalz nimmt.

Sind Crispelli gefüllte Teigtaschen?

Nein - im Anonimo Toscano sind crispelli, tortelli und ravioli Synonyme für kleine, aus einer festen Masse geformte und in Fett ausgebackene Bratlinge, vergleichbar mit Polpette oder Frikadellen. Die heute gewohnte Trennung (Süßgebäck vs. gefüllte Pasta) hat sich erst später ausdifferenziert.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja. Es braucht nur eine Pfanne und ausreichend Fett zum Frittieren über offenem Feuer oder auf einem Kocher. Die Fleischfüllung bis zur Verarbeitung kühl halten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Aus dem ‚Libro della cocina‘ (Anonimo Toscano), einer toskanischen Handschrift vom Ende des 14. Jahrhunderts - ein wichtiges Zeugnis der frühen italienischen Küche.

Warum wird das Gericht am Ende mit Zucker bestreut?

Zucker war im 14. Jahrhundert sehr teuer; ihn über eine Fleischspeise zu streuen war eine bewusste Status- und Geschmacks-Geste (süß-salzig-fettig), kein Hinweis auf ein Dessert. Es bleibt eine Hauptspeise.

Prendi ventresca di porco scorticata, lessala, e tritala forte col coltello: togli erbe odorifere in bona quantità, e pestale forte nel mortaio: mettivi su del cascio fresco con esse et un poco di farina, e distempera con albume d'ova, sì che sia duro. E preso del grasso del porco fresco in bona quantità, metti ne la padella, sì che bolla, e fane crispelli; e cotti, e cavati, mettivi su del zuccaro. _Altramente._ Togli cascio fresco, trito forte: mettivi un poco di farina, e distempera con albume d'ova, sì che sia spesso; e metti a cocere con lardo, come detto è di sopra; e mettivi su zuccaro, come nell'altre cose fu detto.
crispelli, o vero tortelli e ravioli

Der Originaltitel listet drei Form-Bezeichnungen als Synonyme auf: crispelli, tortelli und ravioli meinen hier dasselbe Gericht. Im Volgare des 14. Jh. sind diese Begriffe deutlich breiter als ihre modernen Nachfolger und bezeichnen kleine, aus einer Masse geformte und in Fett ausgebackene Stücke - eine Bratling-Form, keine gefüllte Pasta. Die Anweisung sì che sia duro („sodass es fest ist“) macht das eindeutig.

ventresca di porco scorticata

Enthäuteter Schweinebauch, ein fetthaltiges Stück, das hier gekocht und fein gehackt wird.

erbe odorifere

Wohlriechende Kräuter - eine generische Bezeichnung für aromatische Kräuter wie Petersilie, Salbei, Majoran oder Minze, oft als Mischung.

cascio fresco

Frischer, ungereifter Käse, vergleichbar mit Ricotta oder Quark.

zuccaro

Zucker - im 14. Jh. teuer und kostbar. Das Bestreuen der fertigen Bratlinge ist Statusgeste und bewusste süß-salzige Geschmacks-Schichtung, kein Hinweis auf eine Nachspeise.

Handschrift
Libro della cocina (Anonimo Toscano)
Sprache
Toskanisches Volgare (Ende 14. Jh.)
Entstehung
Toskana, Italien, 1390

Originalwerk (~1390) gemeinfrei.

Bildquelle
Zambrini-Edition Bologna 1863, S. 102 (De' crispelli di carne, o vero tortelli e ravioli.) - Public Domain. Quelle: Internet Archive (illibrodellacuci00bolouoft, p102)
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition, Basis: Zambrini 1863) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Gut am Feuer machbar - nur Pfanne und reichlich Fett zum Ausbacken über Glut nötig. Die rohe Fleisch-Käse-Masse bis zur Verarbeitung kühl halten.
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