The Forme of Cury · England · 1390
Nimm Zwiebeln und Kräuter, hacke sie klein und gib sie zu guter Brühe. Richte es an, wie du es mit Kohl tun würdest. Ist Fastentag, bereite es auf die gleiche Weise mit Wasser und Öl zu. Ist nicht Fastenzeit, binde es mit Eigelb ab. Richte es an und streue milde Gewürzmischung darüber.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| Oynouns | Zwiebeln | - | - |
| erbes | Kräuter (z.B. Petersilie, Salbei, Thymian) | - | - |
| gode broth | Gute Brühe (Fleisch- oder Gemüsebrühe) | - | - |
| water | Wasser | Leitung | - |
| oyle | Pflanzenöl (z.B. Rapsöl) | - | - |
| zolkes of Eyren | Eigelb | - | - |
| powdour douce | Milde Gewürzmischung (Zucker, Zimt, Ingwer, Muskat) | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein sämiges Zwiebel-Kräuter-Gemüse der englischen Hofküche, das in zwei Fassungen daherkommt: an Fastentagen mit Wasser und Öl, sonst mit Brühe und einer Eigelb-Bindung. Im Geiste ein Vorfahr heutiger geschmorter Zwiebel-Beilagen. Teil der Gemüse-Pottage-Reihe des Forme of Cury (foc-005, foc-006).
Hebolace - der Name. Pegge leitet ihn von den herbs (Kräutern) ab oder, bei weggelassenem Anlaut, von chibols (Lauchzwiebeln); beides verweist auf die Hauptzutaten. Eine eindeutige Lesart gibt es nicht, der Sinn ist aber klar: ein Kräuter-Zwiebel-Gericht.
Die Fasten-/Fleisch-Dopplung. Das Rezept zeigt vorbildlich, wie eine Speise an die Kirchenkalender angepasst wurde: fyssh day (Fastentag) bekommt Wasser und Öl statt Brühe und Ei, außerhalb der Fastenzeit bindet Eigelb die Sauce. Der Verweis aray it as þou didest caboches (richte es an wie Kohl) setzt das verbreitete Kohl-Pottage als bekannten Maßstab voraus.
Alye - das Binden mit Eigelb. Eigelb ist hier das Bindemittel (vgl. foc-012, foc-016). Es darf nach dem Einrühren nicht mehr kochen, sonst gerinnt es und flockt aus - der klassische Knackpunkt jeder Eigelb-Liaison.
Praxis. Zwiebeln und Kräuter (Petersilie, Salbei, Thymian) fein hacken. Fleisch-Variante: in rund 200 ml kräftiger Brühe je 2-3 Zwiebeln weichschmoren, dann vom Feuer nehmen, 2-3 mit etwas heißer Flüssigkeit temperierte Eigelb unter Rühren einarbeiten und nur noch sanft andicken (nicht kochen). Fasten-Variante: Wasser statt Brühe, 2-3 EL Öl, ohne Ei. Zum Schluss powdour douce darüberstreuen.
'Powdour douce' (milde Gewürzmischung) war eine im Mittelalter beliebte Gewürzmischung, die typischerweise Zucker, Zimt, Ingwer und manchmal Muskat enthielt. Sie wurde für süße und herzhafte Gerichte verwendet, um eine ausgewogene, nicht zu scharfe Würze zu erzielen.
Ja, dieses Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind einfach zu beschaffen und zu transportieren, und die Zubereitung erfordert lediglich einen Topf und eine Kochstelle, wie ein offenes Feuer oder einen Dreifuß.
Dieses Rezept stammt aus 'The Forme of Cury', einer der ältesten und bedeutendsten englischen Rezeptsammlungen. Es wurde um 1390 für den Hof König Richards II. verfasst und bietet einen tiefen Einblick in die höfische Küche des späten Mittelalters in England.
Ein 'Fastentag' im mittelalterlichen Kontext bedeutete, dass der Verzehr von Fleisch und tierischen Produkten (außer Fisch) verboten war. Das Rezept bietet daher eine Variante mit Wasser und Öl anstelle von Brühe und Eigelb, um den Fastenvorschriften zu entsprechen. Fisch und alles, was im Wasser lebte, galt als fastentauglich.
Name des Gerichts; von Pegge auf 'herbs' (Kräuter) oder 'chibols' (Lauchzwiebeln) zurückgeführt.
Fastentag (wörtlich 'Fischtag'), an dem kein Fleisch gegessen wurde - daher die Variante mit Wasser und Öl.
Richte es an wie Kohl - verweist auf das verbreitete Kohl-Pottage als bekannten Zubereitungsmaßstab.
Abbinden; hier mit Eigelb (vgl. Verjus/Ei-Bindung). Darf nicht mehr kochen, sonst gerinnt das Ei.
Eigelb (mittelenglisch eyren = Eier).
Milde Gewürzmischung (Zucker, Zimt, Ingwer, Muskat); kommt erst beim Anrichten darüber.
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