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Gebackene Salbeiblätter mit Birnenfüllung

Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken · Frankfurt am Main · 1574

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10Bürgerliche KücheBürgerlichVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit60 Min.Portionen4-6 StückBuchKoch und Kellermeisterei (~1574)

Koche getrocknete Birnen weich. Stoße sie anschließend in einem Mörser zu einer feinen Paste. Röste diese Birnenpaste in Honig und Wein, bis sie gut durchfeuchtet ist. Würze die Masse mit Gewürzen, aber ohne Salz. Bestreiche ein Salbeiblatt mit dieser Birnenmasse und decke ein zweites Salbeiblatt darüber. Drücke die Blätter behutsam zusammen, sodass sie gut aneinanderhaften. Bereite einen kleinen Teig aus Honig und Wein zu. Ziehe die gefüllten Salbeiblätter durch diesen Teig und backe sie. Bestreue die fertigen Gebäckstücke mit Zucker und serviere sie warm.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
dürr Leutsbiern Getrocknete Birnen - -
Honig Honig - -
Wein Wein - -
Würtz Gewürze (ohne Salz) - -
Salbey blat Frische Salbeiblätter - -
Zucker Zucker - -

Welches Gericht ist das? Gebackene Salbeiblätter mit Birnenfüllung - zwei Salbeiblätter werden mit einer Birnenmasse zu einem kleinen Sandwich zusammengelegt, in Honig-Wein-Teig getaucht und ausgebacken. Der direkte lebende Verwandte ist die gebackene Salbeimaus (frittiertes Salbeiblatt im Ausbackteig), wie sie in Bayern und Österreich noch gemacht wird; das Zwei-Blatt-Prinzip mit Füllung ist die luxuriösere Variante davon. Die Apfel-Schwester desselben Rezepts ist kkm-096.

Die Birnenmasse. Getrocknete Birnen (dürr Leutsbiern) werden weich gekocht, im Mörser zu einer feinen Paste gestoßen und dann in Honig und Wein eingeröstet, bis sie gut durchfeuchtet ist - so entsteht eine streichfähige, süße Frucht-Paste. Gewürzt wird on Saltz, also ohne Salz, ganz auf die süß-würzige Linie hin.

Das Salbei-Sandwich. Ein Blatt wird mit der Paste bestrichen, ein zweites daraufgelegt und sachte (sittiglich) angedrückt, damit beide zusammenhalten. Der Salbei ist hier essbare Hülle und Aroma zugleich: ein dezent würziger Ton, der die fruchtig-honigsüße Füllung rahmt, ohne sie zu überdecken.

Praxis. Getrocknete Birnen in wenig Wasser weich kochen, pürieren, mit etwas Honig und einem Schuss Weißwein in der Pfanne zu einer dicken, streichfähigen Paste einrösten, mit Zimt/Nelke würzen, nicht salzen. Je zwei möglichst große Salbeiblätter mit der Paste zusammenkleben. Backteig aus Honig und Wein (so viel Mehl wie für eine dickflüssige Konsistenz nötig) anrühren, die Blätter-Sandwiches hindurchziehen und in heißem Fett goldbraun ausbacken. Mit Zucker bestreuen und warm servieren.

Was ist ein 'Mörser' - brauche ich einen Mörser und Stößel?

Im Rezept wird der Mörser verwendet, um die weich gekochten Birnen zu einer feinen Paste zu zerstoßen. Hierfür ist ein großer Küchenmörser ideal, wie er im Mittelalter üblich war. Alternativ kannst du eine moderne Küchenmaschine oder einen Blender verwenden, um die Birnen zu pürieren.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist mit einigen Anpassungen gut für die Lagerküche geeignet. Das Backen erfordert einen Ofen, der durch einen Dutch Oven über Glut oder einen selbstgebauten Lehmofen ersetzt werden kann. Die Birnenpaste lässt sich gut vorbereiten und im Lager nur noch füllen, panieren und backen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem frühneuhochdeutschen Kochbuch 'Koch und Kellermeisterei', das um 1574 veröffentlicht wurde. Es bietet einen Einblick in die bürgerliche Küche der späten Renaissance und frühen Neuzeit.

Welche 'Würtz' soll ich für dieses Rezept verwenden?

Der Begriff 'Würtz' ist im Originaltext unspezifisch. Typische Gewürze der Zeit, die gut zu Birnen und Honig passen, sind Zimt, Nelken, Muskat, Ingwer oder eine Mischung daraus. Experimentiere nach deinem Geschmack, aber vermeide Salz, wie im Rezept explizit erwähnt.

Gebackens von Salbey. Seud dürr Leutsbiern weich/ stoß in eim Mörser/ röst es in Honig vnd Wein wol feucht/ thu Würtz daran on Saltz/ bestreich ein Salbey blat damit/ vnd deck ein anders darüber/ truck sie auch sittiglich zusamen/ das sie also bey einander bleiben. Mach ein teiglin mit Honig vnd Wein/ zeuch es dardurch/ vnd backs. Strewe Zucker darauff/ vnd setz es also warm für.
dürr Leutsbiern

Getrocknete Birnen (Dörrbirnen); Leutsbiern war eine Sortenbezeichnung, hier allgemein als getrocknete Birne zu lesen.

röst es in Honig vnd Wein wol feucht

Die Birnenpaste in Honig und Wein einkochen/einrösten, bis sie gut durchfeuchtet und streichfähig ist.

sittiglich

Behutsam, sachte - die beiden Blätter sanft zusammendrücken.

Salbey blat

Salbeiblatt, das als essbare Hülle dient (siehe Lesart zur vermutlichen Salbei-Art unten).

Handschrift
Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken
Sprache
Frühneuhochdeutsch
Entstehung
Frankfurt am Main, 1574

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartSalbey blat

Gewählte Lesart: Wahrscheinlich Wiesensalbei (Salvia pratensis), heimisch, milder im Aroma und wild verbreitet. Die zwei aufeinandergelegten Blätter dienen als essbare Hülle für die Birnenfüllung; ein dezent würziger Salbeiton soll den fruchtig-honigsüßen Birnengeschmack rahmen, nicht dominieren.

Andere mögliche Lesart:

  • Echter Salbei / Küchensalbei (Salvia officinalis) - Mediterraner Halbstrauch, im 16. Jh. in Klostergärten und Kräuterbüchern bekannt, in der bürgerlichen Alltagsküche aber weniger selbstverständlich als der wilde Wiesensalbei. Sein intensives Kampher-Aroma würde die feine Birnen- und Honignote in einem Zwei-Blatt-Sandwich leicht überdecken.

Originalwerk (~1574) gemeinfrei.

Bildquelle
Koch und Kellermeisterei, S. 049
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 2000) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Gut lagertauglich. Die Birnenpaste und der Backteig lassen sich vollständig zu Hause vorbereiten; am Lager werden die Salbeiblätter nur noch gefüllt, durch den Teig gezogen und in der Pfanne mit reichlich Fett über offenem Feuer ausgebacken - kein Ofen nötig. Frische Salbeiblätter wollen kühl und feucht transportiert werden, damit sie nicht welken.
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