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Mylates: Würziger Eierkuchen

The Forme of Cury · England · 1390

VorspeiseVorspeiseLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit30 Min.Portionen2-4 PersonenBuchThe Forme of Cury (~1390)

Nimm Eier und drücke sie durch ein Tuch. Nimm scharfe Gewürzmischung, geriebenes Brot und Safran, und gib eine gute Menge Essig mit etwas Salz hinzu. Vermische alles miteinander. Mache eine dünne Schicht in einer Form und backe es gut darin. Und serviere es.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Ayrenn Eier - -
powdour fort Scharfe Gewürzmischung - Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken
brede igrated Geriebenes Brot - -
safroun Safranfäden gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
vynegur Essig - -
salt Salz - -

Welches Gericht ist das? Eine flache, gebackene Eierspeise mit Essig, Brot und Gewürzen - im Ergebnis eine herzhaft-säuerliche Eierschicht zwischen Frittata und gebackenem Eierstich. Mylates bezeichnet in „The Forme of Cury“ eine Gattung flacher, in der Form gebackener Tarten/Eierspeisen (vgl. die folgenden Mylate-Rezepte der Sammlung).

Wryng ... thurgh a cloth. Die Eier werden durch ein Tuch gepresst (passiert) - der Standardgriff für eine glatte, klümpchenfreie Masse, dieselbe Technik wie beim Eierguss der Crustarden (foc-150).

Brot bindet, Essig würzt. Geriebenes Brot (brede igrated) dickt die Masse an - die zeittypische Brotbindung. Die „gute Menge Essig“ (gode quantite of vynegur) gibt einen kräftig sauren Ton; mit der scharfen Gewürzmischung (powdour fort) und Salz wird daraus eine deutlich herzhafte, fast scharf-saure Speise - kein süßer Eierkuchen.

Whyte trotz Safran. Der Titel nennt das Gericht „weiß“, obwohl Safran es gelb färbt - schon der Herausgeber Pegge setzt hier ein Fragezeichen („Qu.“). Wahrscheinlich meint whyte eine Rezept-Kategorie, nicht die tatsächliche Farbe; die Übersetzung folgt dem Wortlaut und nennt den Safran.

Foile in a trape. Foile ist eine dünne Lage/ein Blatt - die Masse wird flach in eine Form gestrichen und gebacken (nicht in einen Teigboden gefüllt; ein Teig wird nirgends erwähnt). Ergebnis ist ein dünner, gestockter Eierfladen.

Praxis. Mehrere Eier mit kräftig Essig, einer Handvoll Semmelbröseln, einer Prise Safran, scharfer Gewürzmischung und etwas Salz glatt verquirlen (gern durch ein Sieb passieren). Dünn in eine gefettete feuerfeste Form gießen und bei mäßiger Hitze backen, bis die Masse gestockt ist. Lauwarm in Stücke schneiden.

Was ist 'powdour fort'?

'Powdour fort' ist eine mittelalterliche Gewürzmischung, die typischerweise scharfe Komponenten wie Pfeffer, Ingwer, Zimt und oft auch Nelken oder Galgant enthielt. Es war das Gegenstück zu 'powdour douce' (milde Gewürzmischung) und wurde für herzhafte Gerichte verwendet. Du kannst eine eigene Mischung herstellen oder eine fertige Gewürzmischung für Wildgerichte verwenden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind einfach zu transportieren und die Zubereitung erfordert lediglich eine feuerfeste Form oder einen Dutch Oven, um den Eierkuchen über Glut zu backen. Die Vorbereitungszeit ist kurz.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus 'The Forme of Cury', einer der ältesten und bekanntesten englischen Rezeptsammlungen. Es wurde um 1390 für die Hofküche von König Richard II. verfasst und bietet einen tiefen Einblick in die gehobene mittelalterliche Küche Englands.

Was bedeutet 'Mylates' und 'Whyte Mylates'?

'Mylates' waren im Mittelalter eine Art Tarte oder Pastete, oft mit einer Füllung aus Eiern, Käse oder Fleisch. Der Zusatz 'Whyte' (weiß) im Titel dieses Rezepts ist jedoch irreführend, da die Zutat Safran dem Gericht eine deutliche gelbe Farbe verleiht. Es könnte sich um einen Schreibfehler handeln oder 'Whyte' bezeichnete eine bestimmte Kategorie von Mylates, die nicht zwingend farblos sein musste.

WHYTE MYLATES . XX.VII Take Ayrenn and wryng hem thurgh a cloth. take powdour fort, brede igrated, & safroun, & cast þerto a gode quantite of vynegur with a litull salt, medle all yfere. make a foile in a trape & bake it wel þerinne. and serue it forth. Mylates. Contents, _Milates_; but 155 as here. Qu.
wryng hem thurgh a cloth

die Eier durch ein Tuch pressen/passieren - für eine glatte, klümpchenfreie Masse.

powdour fort

scharfe Gewürzmischung (oft Pfeffer, Ingwer, langer Pfeffer).

brede igrated

geriebenes Brot (Semmelbrösel); bindet die Eiermasse.

foile

dünne Lage/ein Blatt - die Masse wird flach in der Form ausgebreitet.

trape

Backform/Schale, in der die Masse gebacken wird.

medle all yfere

alles miteinander vermengen.

Handschrift
The Forme of Cury
Folio
Fol. 71 verso
Sprache
Mittelenglisch
Entstehung
England, 1390

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartWhyte Mylates

Gewählte Lesart: Whyte ist eine Gattungs-/Kategoriebezeichnung der Mylates, nicht die Farbe; das Gericht enthält ausdrücklich gelb färbenden Safran.

Andere mögliche Lesart:

  • Der Titel meint tatsächlich eine helle, safranlose Version, und die Safran-Nennung ist eine Variante oder Korruption. - Safran färbt kräftig gelb, was zu „weiß“ schlecht passt - schon Pegge merkt den Widerspruch an. Da der überlieferte Text den Safran aber klar nennt, bleibt die safranhaltige Lesart maßgeblich.

Originalwerk (~1390) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 71 verso, The University of Manchester Library, English MS 7 (John Rylands Library)
Transkription
Project Gutenberg - The Forme of Cury (ed. Samuel Pegge, 1780) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Braucht eine Form und gleichmäßige Backhitze, damit die dünne Eierschicht stockt - im gut beherrschten Dutch Oven über Glut machbar, sonst eher Heimküche.
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