Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Nimm Äpfel, schäle sie und gib sie in einen Topf. Gieße sogleich Schmalz dazu und lasse alles zusammen sieden. Dann nimm sie und verrühre sie zu einem Mus und schlage Eier darunter. Würze das Mus auf der Schüssel nach Belieben.
Für einen Fastentag: Reibe Brot unter das Mus anstelle der Eier.
Dieses Mus kannst du auch aus Quitten oder Birnen zubereiten.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| oppfel | Äpfel | - | - | - |
| vaist | Schmalz | - | - | Pflanzenöl oder Butter |
| ayer | Eier | - | - | - |
| prot | Brot | - | - | - |
| kutten | Quitten | - | Wochenmarkt (saisonal) | - |
| pieren | Birnen | - | - | - |
| stain obs | Steinobst (z.B. Pflaumen, Kirschen) | - | - | - |
| gewurcz | Gewürze (z.B. Zimt, Ingwer, Zucker) | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Im Kern ein Vorläufer des heutigen Apfelmuses: weichgekochte Äpfel werden zerdrückt und mit Ei oder - an Fasttagen - mit geriebenem Brot gebunden. Die Ei-Bindung erinnert an eine cremige Fruchtcreme, die Brot-Variante an ein sättigendes, dickes Fastenmus.
Was bedeutet »zwier sy«? Das wortnahe Schwesterrezept m5919-031 hat an genau dieser Stelle »twir es« und übersetzt das selbst mit »rühre es um« oder »zerdrücke es«. Ein Wort für Sieb oder Tuch kommt im Text nicht vor - gemeint ist schlichtes Zerdrücken beziehungsweise Verrühren der weichgekochten Apfelstücke im selben Topf, kein zusätzlicher Arbeitsschritt mit eigenem Werkzeug.
Praxis. Äpfel schälen und in den Topf geben, sofort einen guten Schuss Schmalz dazu (als Anhaltspunkt für 500 g Frucht etwa 2 Esslöffel) und bei milder Hitze weichsieden lassen, das dauert je nach Apfelsorte 15-25 Minuten. Danach mit dem Löffel zerdrücken beziehungsweise verrühren, bis ein Mus entsteht. Für die Eier-Variante: 1-2 Eier pro 500 g Frucht aufschlagen und unterrühren, solange das Mus warm ist, aber nicht mehr kocht - so bindet das Ei, statt zu stocken. Für die Fastenvariante fein gestoßenes trockenes Brot (Graubrot oder Schwarzbrot) nach und nach unterrühren, bis die gewünschte Dicke erreicht ist. Gewürzt wird erst auf der Schüssel: eine Prise Zimt, Ingwer, Nelken oder Muskat passt gut. Das Mus lässt sich auch aus Quitten oder Birnen zubereiten.
In diesem Rezept bezeichnet ‚Mus‘ eine breiige Zubereitung aus gekochten, zerdrückten Äpfeln, die anschließend mit Eiern oder geriebenem Brot gebunden wird. Es ist vergleichbar mit einem modernen Fruchtpüree oder einem dicken Apfelmus.
Das Rezept lässt die Wahl der Gewürze offen. Typisch für die mittelalterliche Küche wären milde, süße Gewürze wie Zimt, Ingwer oder eine Prise Muskat. Auch Zucker oder Honig zum Süßen sind passend. Würze das Mus nach deinem Geschmack direkt auf der Schüssel.
Ja, sehr gut geeignet. Es lässt sich im Topf über offenem Feuer in etwa 30-40 Minuten zubereiten: schälen, weichkochen, zerdrücken, Ei oder Brot einrühren, würzen. Die Zutaten sind robust und benötigen keine aufwendige Kühlung oder Spezialgeräte.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
Der Begriff ‚Mus‘ bezeichnet in den Kochbüchern des Meisters Hans eine breite Palette von Speisen, von Breien bis hin zu Pfannengerichten. Hier ist eine breiige Fruchtzubereitung gemeint.
‚Vaist‘ bedeutet Fett oder Schmalz. Da das Hauptrezept Eier enthält, ist hier tierisches Schmalz gemeint. Für eine vegetarische oder vegane Variante kann Pflanzenöl oder Butter verwendet werden.
Schreibvariante von ‚twiern/treiben‘ im Sinne von rühren beziehungsweise zerdrücken - nicht zu verwechseln mit dem gleich aussehenden Zahlwort ‚zwier‘ (=zweimal). Das wortnahe Schwesterrezept m5919-031 hat an derselben Stelle ‚twir es‘ und übersetzt es selbst mit ‚rühre es um‘ oder ‚zerdrücke es‘. Ein Sieb oder Tuch wird im Text nicht genannt.
Ein ‚Fastentag‘ bezieht sich auf die christlichen Fastenzeiten, in denen der Verzehr von Fleisch, Eiern und Milchprodukten untersagt war. Die Variante mit Brot statt Eiern ist eine Anpassung an diese Speisegebote.
Quitten sind Kernobstfrüchte, die roh sehr hart und herb sind, aber gekocht ein intensives, aromatisches Mus ergeben. Sie sind saisonal auf Wochenmärkten erhältlich.
‚Steinobst‘ ist ein Oberbegriff für Früchte mit einem harten Kern, wie Pflaumen, Kirschen oder Aprikosen. Der Titel des Rezepts (‚Ain gemuesz von pieren oder von stain obs‘) nennt Steinobst als dritte, dem Text zufolge gleichrangige Ausgangsfrucht neben Birnen und Äpfeln.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| oppfel | apple Q89 |
| vaist | fat, unspecified Q2789594 · Q1423543 · Q427457 |
| ayer | chicken egg Q15260613 |
| prot | bread Q7802 |
| kutten | quince Q2751465 |
| pieren | pear Q13099586 |
| stain obs | stone fruit Q14712 |
| gewurcz | spice Q42527 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
vaist
Gewählte Lesart: ‚Vaist‘ wird hier als tierisches Fett (Schmalz) interpretiert, da das Hauptrezept Eier enthält und somit nicht der Fastenzeit unterliegt.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.