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Süßes Nussmus mit Milch und Eigelb

Augsburg, Universitätsbibliothek, Cod. III.1.2°43 (CoReMA A1) · Bayern (Landshut) · 1450

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit45 Min.Portionen2-4 PersonenBuchKochbuch Meister Eberhards (~1450)

Um ein gutes Mus zu machen, nimm Nusskerne und stoße sie fein. Streiche sie dann durch mit süßer Milch und mit süßen Semmelbröseln, die gut gekocht sein sollen. Gib genug Schmalz hinzu und rühre es mit Eigelb ab. Würze es gut und versalze es nicht.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
nuß kernn Nusskerne Supermarkt -
einerr sussenn milch süße Milch Supermarkt -
susser semell brosem die wol gesotenn sein süße, gekochte Semmelbrösel Supermarkt -
schmaltz dar an genug genug Schmalz Supermarkt Butter oder Pflanzenöl
eyer totternn Eigelb Supermarkt -
wurtz es wol Süße Gewürze (nach Geschmack) Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
versaltz es nit Salz (nach Geschmack) - -

Welches Gericht ist das? Ein süßes, brotgebundenes Nussmus mit Milch und Eigelb - ein gehaltvoller, sämiger Nussbrei aus der Landshuter Hofküche Meister Eberhards. Es ist praktisch dasselbe Rezept wie das Cremige Nussmus mit Safran aus dem Buch von guter Speise und das Gekochte Nussmus aus Severin; verwandt, aber mit anderer Bindung, ist auch das Weiße Nussmus mit Sauermilch. Da von Meister Eberhard keine gedruckte Edition vorliegt, sind diese Zwillinge der beste externe Beleg dafür, wie das Mus gemeint ist.

Durchstreichen. Der Text sagt knapp streich die durch mit einerr sussenn milch. Was er auslässt, machen die Zwillinge deutlich: dort heißt es slahe sie durch ein tuoch - die fein gestoßenen Nüsse werden also mit der süßen Milch durch ein Tuch oder feines Sieb passiert. Wer die Nüsse fein genug mörsert (oder mahlt), kann das Passieren weglassen; das verwandte Mandelmus hält fest, dass man dann nicht durffen durch schlahen muss.

Bindung. Die semell brosem die wol gesotenn sein sind Weißbrotkrume, die zuvor in der Milch weichgekocht wird - das mittelalterliche Standard-Bindemittel vor der Mehlschwitze. Vorab weichkochen lassen, dann bindet das Mus glatt statt grieselig.

Eigelb und Würze. Das rurr es ab mit eyer totternn ist ein Legieren: das Eigelb erst zum Schluss bei milder Hitze einrühren und danach nicht mehr aufkochen, sonst stockt es zu Rührei. Reichlich Schmalz (oder Butter) macht das Mus cremig. wurtz es wol meint süßes Würzen im Bereich Zimt und Ingwer; das versaltz es nit ist eine Mengen-Warnung - Salz höchstens als feine Abrundung, denn das Gericht ist süß.

Praxis. Etwa 200 g Nüsse auf einen knappen halben Liter Milch sind ein guter Startpunkt. Nüsse fein stoßen, Semmelbrösel in der Milch weichkochen, beides zu glatter Masse vereinen, reichlich Schmalz einarbeiten, dann am Rand des Feuers das Eigelb unterrühren und süß abschmecken.

Was ist ein 'Mus'?

Ein Mus ist ein Brei oder Püree aus zerstoßenen Zutaten, das im Mittelalter sowohl süß als auch pikant zubereitet wurde.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Mus ist gut für die Lagerküche geeignet. Es ist in etwa 30 Minuten im Topf am Feuer fertig. Alle Zutaten sind robust oder lassen sich gut gekühlt mitbringen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Kochbuch Meister Eberhards', das um 1450 am Hof Herzog Heinrichs von Bayern-Landshut entstand. Es ist in Frühneuhochdeutsch (bairisch) verfasst und Teil einer Sammelhandschrift.

Brauche ich einen Mörser, um die Nüsse zu zerstoßen?

Du kannst fertig gemahlene Nüsse aus dem Supermarkt verwenden, um Zeit zu sparen. Alternativ kannst du ganze Nüsse in einem Blender oder einer Küchenmaschine fein mahlen. Wer es authentisch mag, verwendet einen großen Mörser und Stößel.

Ein gut mus zu machenn So nym nuß kernn vnd stoß die clein vnd streich die durch mit einerr sussenn milch vnd mit susser semell brosem die wol gesotenn sein vnd thue schmaltz dar an genug vnd rurr es ab mit eyer totternn vnd wurtz es wol vnd versaltz es nit
mus

Ein Mus ist ein Brei oder Püree aus zerstoßenen Zutaten, oft süß oder pikant.

semell brosem

Geriebene Semmel oder Weißbrotkrume, die als Bindemittel oder zur Textur verwendet wird. Im Mittelalter ein häufiges Bindemittel, nicht Mehl.

schmaltz

Tierisches Fett, meist Schweineschmalz oder Butter. Für eine vegetarische Variante kann Pflanzenöl verwendet werden.

eyer totternn

Eigelb, das zum Binden, Färben und Anreichern von Speisen verwendet wurde.

Handschrift
Augsburg, Universitätsbibliothek, Cod. III.1.2°43 (CoReMA A1)
Folio
Fol. 059r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch, 15. Jh.)
Entstehung
Bayern (Landshut), 1450

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 059r, Augsburg, Universitätsbibliothek, Cod. III.1.2°43; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. A1 (Augsburg, Universitätsbibliothek, Cod. III.1.2°43), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Im Topf am Feuer in gut einer halben Stunde fertig. Alle Zutaten sind robust oder lassen sich gut gekühlt mitbringen (Milch und Eigelb). Heikel ist nur das Abbinden mit Eigelb: Den Topf dafür von der starken Glut an den Feuerrand ziehen und unter ständigem Rühren legieren, sonst gerinnt das Ei.
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