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Weißes Nussmus mit Sauermilch

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit20 Min.Portionen2-4 PersonenBuchKochbuch des Meisters Hans (~1460)

Für ein weißes Mus nimm Nüsse in einen Topf und zerstoße sie so fein, dass sie nicht durchgesiebt werden müssen.

Füge dicke Milch (Sauermilch oder Dickmilch, angesäuerte, eingedickte Kuh- oder Ziegenmilch) hinzu und Semmelmehl, damit das Mus eindickt. Du kannst es kalt oder warm servieren, ganz nach Belieben, und süße es mit Zucker ab.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
nussen Mandeln - andere Nüsse
dicke milich Sauermilch oder Dickmilch (angesäuerte, eingedickte Milch) Supermarkt (norddt./schweizer Sauermilch, Dickmilch, Setzmilch); als Ersatz auch Joghurt natur oder Skyr Naturjoghurt, Skyr oder Quark mit etwas Milch verdünnt
semlein mel Semmelmehl (feines Weizenmehl) - -
zucker Zucker - -
Welche Nüsse soll ich verwenden?

Für ein „weißes Gemuess“ sind Mandeln die historisch plausibelste Wahl, da sie eine helle Farbe ergeben. Du kannst aber auch andere Nüsse wie Haselnüsse verwenden, das Gericht wird dann jedoch dunkler.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind haltbar und die Zubereitung erfordert lediglich einen Mörser zum Zerstoßen der Nüsse und ein Gefäß zum Anrühren - da das Rezept auch kalt serviert werden kann, ist nicht einmal zwingend eine Feuerstelle nötig.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem „Kochbuch des Meisters Hans“, das um 1460 am württembergischen Hof entstand; die einzige erhaltene Abschrift liegt heute in der Universitätsbibliothek Basel. Es gibt Einblicke in die höfische und bürgerliche Küche des Spätmittelalters im alemannischen Raum.

Was bedeutet „gemuess“ in diesem Rezept?

Im mittelalterlichen Kontext bezeichnet „Gemuess“ oft eine breiartige Speise oder ein Gericht im Allgemeinen, nicht zwingend ein Gemüsegericht im heutigen Sinne. Hier ist es ein süßes Mus aus Nüssen.

Welche Milch ist mit dicke milich gemeint und wo bekomme ich sie?

Dicke Milch ist im mittelhochdeutschen Sprachgebrauch eine fermentierte, eingedickte Milch, also Sauermilch, Dickmilch oder Setzmilch, je nach Region. Im Supermarkt findest du sie unter Dickmilch (vor allem norddeutsch) oder kannst sie durch Naturjoghurt, Skyr oder mit Milch glattgerührten Quark ersetzen, alle drei haben die richtige cremig-leicht-säuerliche Konsistenz. Mit Mandelmilch hat das nichts zu tun: Mandelmilch wird in mhd-Quellen immer explizit als mandelmilich benannt.

Von einem weissenn gemuess von nussen Item nym ain weiss gemuesz in ainen topff das get von nussen zue die sol er stoessen das sy nicht durffen durch schlahen vnd solt ain dicke milich haben vnd semlein mel da wirt sy dick von Du macht es kalt oder warmm geben wie du wild vnd machs mit zucker ab .
gemuesz

Im mittelalterlichen Kontext bezeichnet ‚Gemuess‘ oft eine breiartige Speise oder ein Gericht im Allgemeinen, nicht zwingend ein Gemüsegericht im heutigen Sinne. Die Lesart ist mhd.-lexikalisch und korpusintern (acht weitere Meister-Hans-Rezepte: mha-144, 192, 209, 211, 239, 241, 252) gut abgesichert.

nussen

Für ein ‚weißes Gemuess‘ sind Mandeln die wahrscheinlichste Wahl, da sie eine helle Farbe ergeben. Andere Nüsse wie Haselnüsse oder Walnüsse würden das Gericht dunkler färben und damit dem Textattribut ‚weiss‘ widersprechen.

stoessen das sy nicht durffen durch schlahen

Die Nüsse sollen so fein zerstoßen werden, dass sie eine glatte Paste bilden und nicht mehr durch ein Sieb passiert werden müssen. Dies erfordert einen großen Mörser oder eine moderne Küchenmaschine.

dicke milich

Ein stehender mhd-Begriff für angesäuerte, eingedickte Milch (Kuh-, Schaf- oder Ziegenmilch durch natürliche Milchsäure-Gärung oder Lab eingedickt). Im norddeutschen und alpenländischen Raum bis heute als Dickmilch, Sauermilch, Setzmilch oder schweizerisch Surmilch bekannt. Konsistenz und Geschmack ähnlich einem leicht festen Naturjoghurt oder Skyr. Nicht zu verwechseln mit Mandelmilch, Mandelmilch wird in mhd-Texten immer explizit als mandelmilich genannt. Hier ist tierische, fermentierte Milch gemeint.

semlein mel

Feines Weizenmehl, oft aus Weißbrot (Semmeln) gewonnen, diente als Bindemittel und Dickungsmittel.

Handschrift
Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch
Folio
Fol. 082r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)
Entstehung
Württemberg / Basel, 1460
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartgemuesz

Gewählte Lesart: Der Begriff ‚gemuess‘ wird hier als allgemeine Bezeichnung für eine breiartige Speise oder ein Gericht verstanden, ähnlich einem Mus oder einer Paste.

Andere mögliche Lesart:

  • Es könnte auch als eine Art Eintopf oder Püree interpretiert werden. - Die breite Bedeutung von ‚muos‘ und ‚gemuess‘ im Mittelhochdeutschen lässt auch diese Lesart zu, obwohl die Konsistenz durch das feine Zerstoßen der Nüsse eher auf eine glatte Paste hindeutet.

Lesartdicke milich

Gewählte Lesart: Stehender mhd-Begriff für fermentierte, eingedickte Tier-Milch (Sauermilch / Dickmilch / Setzmilch). Im norddeutschen, alpenländischen und schweizerischen Raum bis heute lebendig. Mit Naturjoghurt, Skyr oder verdünntem Quark gut substituierbar.

Andere mögliche Lesart:

  • Mandelmilch (eine in mhd-Fastenspeisen häufige Zutat). - Unwahrscheinlich, weil Mandelmilch in mhd-Quellen ausnahmslos explizit mandelmilich heißt; weil dicke milich als feststehender Begriff existiert; und weil die Anweisung Nüsse fein zerstoßen, damit sie nicht passiert werden müssen + die separate Semmelmehl-Bindung darauf hindeuten, dass die flüssige Komponente eine eigenständige, nicht aus Nüssen gewonnene Zutat ist.

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 082r, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Benötigt einen Topf und eine Feuerstelle. Nüsse können vorab gemahlen oder im Lager in einem Mörser zerstoßen werden.
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