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Kaninchen in Cynee-Sauce

The Forme of Cury · England · 1390

WildHauptspeise · WildLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit60 Min.Portionen4-6 PersonenBuchThe Forme of Cury (~1390)

Nimm Kaninchen und schneide sie in mundgerechte Stücke. Koche die Kaninchenstücke in guter Brühe gar. Hacke Zwiebeln fein und dünste sie in Schmalz an, gib dann ebenfalls gute Brühe hinzu. Bereite eine Bindung aus altbackenem Brot, frischem Tierblut, Essig und weiterer Brühe zu. Rühre diese Bindung zu den Zwiebeln und der Brühe. Würze die Sauce kräftig mit einer scharfen Gewürzmischung. Serviere die gekochten Kaninchenstücke mit dieser Cynee-Sauce.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Connynges 1 Kaninchen (ca. 1,2-1,5 kg) Metzger -
gode broth ca. 1 Liter gute Brühe (Geflügel- oder Gemüsebrühe) - -
Oynouns 2-3 Zwiebeln - -
grece 2-3 EL Schmalz (Schweine- oder Gänsefett) - Pflanzenöl
brede altbackenes Brot - -
blode ca. 100-150 ml frisches Tierblut (Schwein, Rind oder Geflügel) Metzger (auf Vorbestellung) Blutwurst (zerdrückt) oder dunkle Roux mit Rinderfond
vynegur 2-3 EL Essig (Wein- oder Apfelessig) - -
powdour fort 1-2 TL scharfe Gewürzmischung (Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken) - -

Welches Gericht ist das? Ein mittelalterliches Kaninchenragout in dunkler, blutgebundener Gewürzsauce - im Geiste ein Civet de lapin. Die Cynee-Sauce gehört in die große Civet-Familie: Kaninchen oder Hase in einer mit Zwiebeln, Brot und Blut gebundenen, würzig-säuerlichen Sauce. Direkte Verwandte sind das Kaninchen-Civé (men-117) und das Hasenragout (men-116) des Ménagier, der Wild-Civet bei Vivendier (via-135) und der Saupiquet für Kaninchen (men-284).

Die Bindung ist das Herz des Gerichts: drawe a lyre of brede, blode, vynegur and broth - eine glatte Paste aus eingeweichtem Brot, frischem Blut, Essig und Brühe. Brot und Blut sind die zeittypischen Binder (lange vor der Mehlschwitze), das Blut gibt zugleich die tiefdunkle Farbe. Der Essig hilft, das Blut zu stabilisieren, und setzt die säuerliche Note. Powdour fort ist die scharfe Gewürzmischung (Pfeffer, Ingwer, Nelken, oft Zimt) - der Saucenname Cynee deutet selbst auf eine zimtbetonte Würzung hin.

Der kritische Punkt ist das Gerinnen des Bluts: Die Blut-Brot-Paste erst unterrühren, wenn die Zwiebel-Brühe-Basis nicht mehr kocht, und die Sauce dann langsam unter ständigem Rühren binden - nie sprudelnd kochen, sonst flockt das Blut aus.

Praxis. Kaninchen in Stücke teilen und in kräftiger Brühe sanft gar ziehen, bis es zart ist, aber noch Biss hat. Zwiebeln fein hacken, in Schmalz glasig-goldgelb dünsten, mit Brühe ablöschen. Etwa zwei Scheiben altbackenes Brot pro Kaninchen in Brühe einweichen, mit frischem Blut und Essig zu einer glatten Paste verarbeiten. Diese in die nicht mehr kochende Basis rühren und über milder, indirekter Hitze sämig binden. Kräftig mit powdour fort würzen, abschmecken. Die Kaninchenstücke heiß mit der glänzenden, tiefbraunen Sauce überziehen. Frisches Blut bekommst du auf Vorbestellung beim selbst schlachtenden Metzger; als Behelf bindet zerdrückte Blutwurst Farbe und Konsistenz nach.

Wo bekomme ich frisches Tierblut?

Frisches Tierblut ist heute nicht mehr leicht erhältlich. Am ehesten bekommst du es auf Vorbestellung bei einem Metzger, der selbst schlachtet. Als geschmackliche Alternative kann man zerdrückte Blutwurst verwenden, oder eine dunkle Roux mit Rinderfond ansetzen, um die Farbe und Bindung zu imitieren, wobei der spezifische Geschmack des Blutes dann fehlt.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Zubereitung erfolgt in einem Topf über dem Feuer. Das Kaninchen kann bereits zerteilt mitgebracht werden. Achte darauf, die Sauce beim Andicken mit Blut nicht zu stark zu erhitzen, um Gerinnen zu vermeiden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus 'The Forme of Cury', einer der ältesten und wichtigsten englischen Rezeptsammlungen, die um 1390 für die Hofküche von König Richard II. verfasst wurde. Es bietet einen Einblick in die gehobene Küche des englischen Spätmittelalters.

Was ist 'powdour fort'?

'Powdour fort' (scharfe Gewürzmischung) war im Mittelalter eine gängige Gewürzmischung. Sie enthielt typischerweise scharfe Komponenten wie schwarzen Pfeffer, langen Pfeffer und Ingwer, oft ergänzt durch Zimt und Nelken. Die genaue Zusammensetzung variierte je nach Koch und Region.

CONNYNGES IN CYNEE Take Connynges and smyte hem on peces. and seeþ hem in gode broth, mynce Oynouns and seeþ hem in grece and in gode broth do þerto. drawe a lyre of brede. blode. vynegur and broth do þerto with powdour fort. Cynee. Vide Gloss.
Connynges

Kaninchen

smyte

schneiden

seeþ

kochen, sieden

grece

Schmalz, tierisches Fett

lyre of brede

Eine Bindung oder Verdickung, hier aus Brot, Blut, Essig und Brühe

powdour fort

Eine scharfe Gewürzmischung, typischerweise mit Pfeffer, Ingwer, Zimt und Nelken

Cynee

Name einer Sauce, die oft mit Zimt und anderen Gewürzen zubereitet und mit Blut gebunden wird.

Handschrift
The Forme of Cury
Folio
Fol. 21 recto
Sprache
Mittelenglisch
Entstehung
England, 1390

Originalwerk (~1390) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 21 recto, The University of Manchester Library, English MS 7 (John Rylands Library)
Transkription
Project Gutenberg - The Forme of Cury (ed. Samuel Pegge, 1780) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Über Topf und Feuer gut machbar; das Kaninchen kann zerteilt mitgebracht werden. Heikel ist nur das Andicken mit Blut - die Sauce darf dabei nicht mehr kochen, sonst gerinnt das Blut.
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