München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632 · Rott am Inn, Oberbayern · 1460
Nimm eine Reh-Haut und bearbeite sie so, dass die Haare davon abgehen. Koche sie danach sehr gut, sodass sie sich zusammenzieht. Schneide sie anschließend eine Spanne lang und zwei Finger breit und mache daraus eine Sülze.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| ein rech haut | Reh-Haut | Wildhändler (auf Anfrage), spezialisierter Metzger | Schweineschwarte oder Rinderhaut (ebenfalls aufwendig in der Vorbereitung) |
| wasser | Wasser | Leitung | - |
Welches Gericht ist das? Eine Sülze aus Reh-Haut - eine der festesten Gallerten, die die mittelalterliche Küche kannte. Aus der bei der Jagd anfallenden Haut wird durch langes Sieden das Kollagen gelöst, das beim Erkalten zu einer schnittfesten Aspik geliert. Fast wortgleich mit der Reh-Haut-Sülze rfk-015; verwandt mit der kalten Klauen-Sülze sev-016.
Technik. Die Haut zunächst enthaaren: kurz überbrühen, dann die gelösten Haare abschaben (historisch auch mit Asche-Lauge oder Kalkwasser). Anschließend sehr lange sieden, bis sie sich zusammenzieht (schrimpft = kräuselt/schrumpft) und das Kollagen austritt. In Streifen einer Spanne Länge (Daumen bis kleiner Finger, etwa 20 cm) und zwei Finger Breite schneiden und in der eigenen, kollagenreichen Brühe erkalten lassen, bis sie fest steht.
Praxis (heute). Reine Reh-Haut ist kaum zu bekommen und sehr aufwendig vorzubereiten - im Lager nicht praktikabel. Wer das Prinzip nachstellen will, nimmt Schwarte oder kollagenreiche Stücke (Haxe, Fuß), kocht eine kräftige Brühe und lässt sie mit eingelegten Fleischstreifen gelieren. Eher ein Dokument der vollständigen Jagd-Verwertung als ein Alltagsrezept.
Reh-Haut ist die abgezogene Haut eines Rehs. Im Mittelalter wurde sie, wie viele andere Tierhäute auch, nach sorgfältiger Reinigung und Enthaarung gekocht. Durch das lange Kochen löst sich das Kollagen aus der Haut und bildet eine natürliche Gelatine, die dann zu Sülzen oder Gallerten verarbeitet wurde. Es war eine Methode, alle Teile des Tieres zu verwerten und nahrhafte, kollagenreiche Speisen herzustellen.
Nein, dieses Rezept ist für die Lagerküche nicht geeignet. Die Vorbereitung der Reh-Haut, insbesondere das Enthaaren und das sehr lange Kochen, ist ein aufwendiger und zeitintensiver Prozess, der mehrere Tage in Anspruch nehmen kann und spezielle Gerätschaften erfordert, die im Lager nicht vorhanden sind.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Klosterkochbuch Rott am Inn' (Clm 15632), einer Handschrift aus dem Benediktinerkloster Rott am Inn in Bayern, datiert um 1458/1464. Es ist ein Beispiel für die klösterliche Küche des Spätmittelalters, die oft auf die vollständige Verwertung von Lebensmitteln und die Herstellung haltbarer Speisen ausgelegt war.
Eine 'Spann' ist ein historisches Längenmaß, das dem Abstand zwischen der Spitze des Daumens und des kleinen Fingers bei ausgestreckter Hand entspricht, also etwa 20 bis 25 Zentimeter. 'Zwei Finger breit' ist ein kleineres Maß, das ungefähr 3 bis 4 Zentimeter misst. Diese Angaben waren im Mittelalter gebräuchliche, wenn auch nicht standardisierte, Maßeinheiten.
Die Haut eines Rehs. Im Mittelalter wurden alle Teile eines erlegten Tieres verwertet, auch die Haut, die nach entsprechender Vorbereitung (Enthaaren, Kochen) zu einer kollagenreichen Speise verarbeitet werden konnte.
Dies beschreibt den Prozess des Enthaarens der Haut. Dies konnte durch Einweichen in Asche-Lauge, Kalkwasser oder durch Schaben nach kurzem Erhitzen geschehen, um die Haare zu lösen.
Eine Spanne ist ein altes Längenmaß, das dem Abstand zwischen Daumen- und Kleinfingerspitze bei ausgestreckter Hand entspricht, etwa 20-25 cm.
Zwei Finger breit ist ebenfalls ein altes Längenmaß, das etwa 3-4 cm entspricht.
Eine Sülze oder Gallerte ist ein Gericht, das durch das Kochen von kollagenreichen Tierprodukten (wie Haut, Knochen, Füßen) entsteht. Das Kollagen löst sich im Wasser und geliert beim Abkühlen, wodurch eine feste, schnittfähige Masse entsteht.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
seudtz
Gewählte Lesart: Die Lesart 'siede es' wurde gewählt. Es handelt sich um eine typische frühneuhochdeutsche Kontraktion des Verbs 'sieden' (kochen) im Imperativ mit dem Pronomen 'es'.
schrimpft
Gewählte Lesart: Die Lesart 'schrumpft' wurde gewählt. Das Wort ist eng verwandt mit dem modernen 'schrumpfen' und beschreibt den Effekt des Kochens auf die Haut.
czwayer
Gewählte Lesart: Die Lesart 'zweier' (im Sinne von 'zwei') wurde gewählt. Es ist die bairische Genitivform von 'zwei', hier im Kontext von 'zwei Finger breit' verwendet.
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