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Heidnische Köpfe (Schaugericht)

Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350

Sonstiges ⚠ Viel Interpretationsspielraum Aufwändig
⏱ 240 Min.👥 1 großes Schaugericht für eine Festtafel📖 Das Buch von guter Speise (~1350)

Original — Mittelhochdeutsch

Heidnische Köpfe (Schaugericht) — Originalseite aus Das Buch von guter Speise
Fol. 165v, Universitätsbibliothek München, 2° Cod. ms. 731 (Cim. 4), Open Access LMU

Transkription (Mittelhochdeutsch)

Wilt du heidenische haubt.
Die heidenischen haubt. gemaht einen schoenen fladen von
von vierteil huenren wol gestrauwet, wuerfeleht epfele
vnd wuertzez genuoc vnd mengez mit eyern. vnd schuez
eynen ofen vnd daz ez werde gebacken, vnd legez vf ein
zwene starke spizze drin als einen vinger mitten drin gestecket.
ein bastel kopf druf gesetzet mit huenren wol gefuellet,
drue gesoten, geleit gantz vf einen rost, wol
beslagen mit eiern. daz es schone werde von saffrane. gesetzet
vf einen fladen vnd eyerstotern herte drin gestozzen in
bluomen gesniten von wizzen eiern wol gestrauwet in die
cleine gebacken kuochen an spizze gestozzen vemme den
besetzet.

Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 1994/2001)

Moderne Übersetzung

🏕 Lagerküche-Tipp: Zuhause vorbereiten.

Wenn Ihr heidnische Köpfe zubereiten wollt: Fertigt einen schönen Fladen aus geviertelten Hühnern, gut gewürzt, mit gewürfelten Äpfeln vermischt und mit Eiern gebunden. Schiebt ihn in einen Ofen und lasst ihn backen. Legt den gebackenen Fladen dann auf zwei starke Spieße, wobei ein dritter, fingerdicker Spieß mittig durch den Fladen gesteckt wird, um ihn zu stabilisieren. Darauf setzt Ihr einen Pastetenkopf, gut gefüllt mit gekochten Hühnern. Diesen Kopf legt Ihr ganz auf einen Rost und bestreicht ihn reichlich mit Eiern, die mit Safran gefärbt sind, damit er schön goldgelb wird. Den so vorbereiteten Kopf setzt Ihr auf den Fladen. Harte Eigelb werden zerstoßen und hineingearbeitet oder darüber gestreut. Weiße Eier werden zu Blumen geschnitten und darauf gestreut. Kleine gebackene Kuchen, auf Spieße gesteckt, umrahmen und verzieren das Ganze.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
vierteil huenren Geviertelte Hühner Metzger / Supermarkt
wuerfeleht epfele Gewürfelte Äpfel Supermarkt / Wochenmarkt
wuertzez genuoc Gewürze (z.B. Pfeffer, Ingwer, Nelken, Muskat)
eyern Eier Supermarkt / Wochenmarkt
saffrane Safranfäden Supermarkt / Gewürzhandel
eyerstotern herte Hartgekochte Eigelb Supermarkt / Wochenmarkt
wizzen eiern Hartgekochte Eiweiße Supermarkt / Wochenmarkt
cleine gebacken kuochen Kleine gebackene Kuchen (dekorativ) Bäcker / Supermarkt (Fertigkuchen)

Anmerkungen

heidenische haubt
Heidnische Köpfe, ein repräsentatives Schaugericht
fladen
Eine Art großer, flacher Kuchen oder Pastetenboden
gestrauwet
Verteilt, bestreut
wuerfeleht
Würfelförmig geschnitten
wuertzez genuoc
Ausreichend gewürzt
schuez eynen ofen
Einen Ofen anheizen
spizze
Spieße
bastel kopf
Pastetenkopf, eine geformte Hülle aus Teig
gefuellet
Gefüllt
gesoten
Gekocht
rost
Rost, Grillrost
beslagen mit eiern
Mit Eiern bestrichen (als Glasur)
schone werde von saffrane
Schön (goldgelb) wird durch Safran
eyerstotern
Eigelb
herte drin gestozzen
Hart zerstoßen/zerrieben
in bluomen gesniten
In Blumen geschnitten
wizzen eiern
Weiße Eier (Eiweiße)
kuochen
Kuchen
vemme den besetzet
Dann damit verziert/garniert

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.

gestrauwet

Gewählte Lesart: Für die Hühner im Fladen als 'gut verteilt' oder 'eingelegt' übersetzt, für die Eierblumen als 'bestreut'.

Andere mögliche Lesart:

  • Könnte auch 'mit Gewürzen bestreut' bedeuten. — Das Wort 'gestrauwet' kann beides bedeuten. Im Kontext der Hühner im Fladen ist 'verteilt' oder 'eingelegt' plausibler, da Gewürze separat erwähnt werden ('wuertzez genuoc'). Bei den Eierblumen ist 'bestreut' eindeutig.

zwene starke spizze drin als einen vinger mitten drin gestecket

Gewählte Lesart: Der Fladen wird auf zwei Spieße gelegt, und ein dritter, kleinerer Spieß wird mittig durch den Fladen gesteckt, um ihn zu stabilisieren.

Andere mögliche Lesart:

  • Es könnte auch bedeuten, dass der Fladen auf zwei Spieße gelegt wird, die selbst wie ein Finger ineinander gesteckt sind. — Die Formulierung 'drin' ist mehrdeutig und könnte sich auf die Spieße selbst beziehen. Die gewählte Lesart ist jedoch praktischer für die Stabilität eines großen Fladens.

bastel kopf

Gewählte Lesart: Als 'Pastetenkopf' interpretiert, eine geformte Teighülle.

Andere mögliche Lesart:

  • Könnte auch einen Kopf aus Korbgeflecht ('Bast') meinen. — Die Anweisung, den Kopf mit Hühnern zu füllen und mit Eiern zu bestreichen ('beslagen mit eiern'), deutet stark auf eine essbare Teigform hin, da ein Korbgeflecht nicht mit Eiern bestrichen würde.

eyerstotern herte drin gestozzen

Gewählte Lesart: Hartgekochte Eigelb werden zerstoßen und als Dekoration oder Füllung verwendet.

Andere mögliche Lesart:

  • Könnte auch bedeuten, dass die Eigelb in den Pastetenkopf 'hineingestoßen' werden, also als Teil der Füllung. — Die genaue Platzierung ist nicht explizit. Die gewählte Lesart lässt sowohl eine dekorative Streuung als auch eine Einarbeitung in die Füllung zu, was beides plausibel ist.

cleine gebacken kuochen an spizze gestozzen vemme den besetzet

Gewählte Lesart: Kleine gebackene Kuchen werden auf Spieße gesteckt und zur Dekoration um das Hauptgericht herum platziert.

Andere mögliche Lesart:

  • Die kleinen Kuchen könnten auch direkt auf den Fladen oder den Pastetenkopf gesteckt werden. — Die Formulierung 'vemme den besetzet' (dann damit verziert) lässt eine flexible Anordnung zu. Eine Umrahmung ist eine gängige Form der Dekoration für solche Schaugerichte.

Häufige Fragen

Welche Gewürze sind mit 'wuertzez genuoc' gemeint?

Im Mittelalter waren typische Gewürze für solche Gerichte Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken, Muskat und Zimt. Eine Mischung dieser Gewürze nach eigenem Geschmack ist hier passend.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche oder das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist aufgrund seiner Komplexität, der Notwendigkeit eines Backofens und der aufwendigen Dekoration nicht für die direkte Zubereitung in der Lagerküche geeignet. Es handelt sich um ein repräsentatives Schaugericht für eine festliche Tafel. Einzelne Komponenten wie die gekochten Hühner oder die kleinen Kuchen könnten jedoch vorbereitet und zum Lager mitgebracht werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus 'Das Buch von guter Speise', einem der ältesten bekannten Kochbücher in deutscher Sprache, verfasst um 1350 im süddeutschen Raum (vermutlich Würzburg). Es spiegelt die höfische und bürgerliche Festtagsküche des Spätmittelalters wider.

Was bedeutet 'bastel kopf' im Rezept?

'Bastel kopf' bezieht sich auf einen Pastetenkopf, also eine geformte Hülle aus Teig, die mit Fleisch gefüllt und gebacken wird. Es ist keine Sülze oder ein Korb, sondern eine essbare, oft kunstvoll gestaltete Pastete.

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