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Salbeibällchen vom Schwein

The Forme of Cury · England · 1390

SchweinHauptspeise · SchweinLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit60 Min.Portionen4 PersonenBuchThe Forme of Cury (~1390)

Nimm Schweinefleisch, siede es gut und zerstoße es fein. Vermenge es mit Eiern und geriebenem Brot. Gib scharfe Gewürze daran und Safran mit Pinienkernen und Salz. Schließe kleine Bällchen in Salbeiblätter ein. Benetze sie mit einem Eierteig und frittiere sie. Trage sie auf.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Pork 500 g Schweinefleisch Metzger -
ayren 2 Eier - -
brede. ygrated. 50 g geriebenes Brot (Paniermehl) - -
powdour fort 1 TL scharfe Gewürzmischung (z.B. Pfeffer, Ingwer, Zimt) - -
safroun 1 Prise Safranfäden Online-Gewürzhandel -
pyner 50 g Pinienkerne - -
salt Salz nach Geschmack - -
foiles of sawge 12-16 frische Salbeiblätter - -
a batour of ayren 1 Ei (für den Teig) - -
fry it Pflanzenöl zum Frittieren - -

Welches Gericht ist das? Salbei-umhüllte, frittierte Schweinefleischbällchen - das namengebende Sawgeat (von sawge, Salbei). Eine Frikadelle aus vorgekochtem, fein zerstoßenem Schwein, im Salbeiblatt eingeschlagen und im Ausbackteig frittiert. Direkt verwandt mit Martinos frittierten Salbeiblättern (mar-164, gleiche Salbei-im-Teig-Technik) und den Fleisch-Farce-Bällchen des Ménagier (men-242, men-261).

Brede ygrated. Geriebenes (altbackenes) Brot, nicht Mehl - das zeittypische Bindemittel für Fleischmassen. Es lockert und bindet die Farce wie Semmelbrösel in einer modernen Frikadelle.

Pyner. Pinienkerne, im mittelalterlichen England ein gehobenes Süß-/Würzelement, das der Farce Biss und Nussigkeit gibt.

Foiles of sawge. Salbeiblätter als Hülle: jedes Bällchen wird in ein bis zwei große Blätter eingeschlagen, sodass der Salbei beim Frittieren aromatisiert und mitgart.

Batour of ayren. Ein Eierteig (Ausbackteig) als äußere Hülle - die salbeiummantelten Bällchen werden hineingetaucht und dann frittiert, sodass eine knusprige Kruste entsteht. Verwandt mit dem Straubenteig der deutschen Küche.

Praxis. Schweinefleisch (Schulter) in Salzwasser garen, abkühlen lassen und im Mörser oder Fleischwolf fein zerkleinern. Mit Ei, etwa einer Handvoll geriebenem altbackenem Brot, Pinienkernen, einer Prise Safran, scharfer Gewürzmischung und Salz zu einer formbaren Masse verkneten. Walnussgroße Bällchen formen, jedes in Salbeiblätter wickeln, durch einen dünnen Eierteig ziehen und in heißem Fett goldbraun frittieren. Warm servieren. Am Lager gut machbar: Fleisch zuhause vorgaren und zerstoßen, vor Ort im Kessel mit Öl frittieren.

Was ist 'powdour fort'?

'Powdour fort' (scharfe Gewürzmischung) war eine im Mittelalter gebräuchliche Mischung aus scharfen Gewürzen. Typischerweise enthielt sie schwarzen Pfeffer, Ingwer, Zimt und manchmal auch langen Pfeffer oder Galgant. Die genaue Zusammensetzung variierte, aber der Fokus lag auf einer kräftigen, würzigen Schärfe.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Das Schweinefleisch kann bereits zuhause gekocht und fein zerstoßen oder gehackt werden. Die Bällchen lassen sich dann am Lagerfeuer in einem Topf oder Kessel mit ausreichend Öl frittieren. Alle Zutaten sind robust und gut transportierbar.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus 'The Forme of Cury', einer der ältesten und bedeutendsten englischen Rezeptsammlungen. Es wurde um 1390 für den Hof König Richards II. verfasst und bietet einen tiefen Einblick in die höfische Küche des späten Mittelalters in England.

Was bedeutet 'Mörser', brauche ich einen Mörser und Stößel?

Im mittelalterlichen Kochkontext war ein 'Mörser' oft ein großer Fleischmörser aus Stein oder Metall, der dazu diente, Fleisch, Fisch oder andere Zutaten zu einer feinen Paste zu zerstoßen. Für dieses Rezept kannst du das gekochte Schweinefleisch entweder sehr fein hacken, durch einen Fleischwolf drehen oder in einer modernen Küchenmaschine pürieren, um eine ähnliche Konsistenz zu erreichen. Wer authentisch arbeiten möchte, verwendet einen großen Granit-Mörser mit einem schweren Holzstößel.

SAWGEAT . XX.VIII Take Pork and seeþ it wel and grinde it smale and medle it wiþ ayren & brede. ygrated. do þerto powdour fort and safroun with pyner & salt. take & close litull Balles in foiles of sawge. wete it with a batour of ayren & fry it. & serue it forth. Sawgeat. So named from the Sage, or _Sawge_ foiles. leaves.
Sawgeat

Benannt nach dem Salbei (sawge): salbeiumhüllte, frittierte Fleischbällchen.

brede ygrated

Geriebenes (altbackenes) Brot - das zeittypische Bindemittel der Fleischfarce, nicht Mehl.

powdour fort

Die scharfe Gewürzmischung - Pfeffer, Ingwer, Zimt, oft langer Pfeffer.

pyner

Pinienkerne; geben der Farce Biss und Nussigkeit.

foiles of sawge

Salbeiblätter als Hülle - jedes Bällchen wird darin eingeschlagen und frittiert mit.

batour of ayren

Eierteig (Ausbackteig), in den die umhüllten Bällchen vor dem Frittieren getaucht werden.

Handschrift
The Forme of Cury
Folio
Fol. 75 recto
Sprache
Mittelenglisch
Entstehung
England, 1390

Originalwerk (~1390) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 75 recto, The University of Manchester Library, English MS 7 (John Rylands Library)
Transkription
Project Gutenberg - The Forme of Cury (ed. Samuel Pegge, 1780) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Fleisch zuhause vorgaren und zerstoßen; die Bällchen am Lagerfeuer im Topf mit Öl frittieren. Zutaten robust und transportierbar.
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