Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum · Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz · 1433
Nimm gekochtes Kalbfleisch und hacke es zusammen mit dem Fett desselben Kalbes fein mit einem Messer. Bereite einen Pastetenteig zu und lege ihn in eine Backform. Streue Gewürze auf den Teig. Danach gib das gehackte Fleisch mit Rosinen und dem Fett darauf. Wenn die Pastete gebacken ist, gieße Safran, mit Wein vermischt, darüber. So wird sie gut für die Deutschen sein.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| carnes vitellinas coctas | Gekochtes Kalbfleisch | - | Metzger | - |
| grasso eiusdem vituli | Kalbsfett | - | Metzger | Schweineschmalz |
| pastam (implied) | Weizenmehl | - | - | - |
| pastam (implied) | Wasser | - | Leitung | - |
| pastam (implied) | Salz | - | - | - |
| speties | Gewürze | - | - | - |
| uuis passis | Rosinen | - | - | - |
| crocum | Safran | - | Online-Gewürzhandel | Ringelblume (nur für Farbe) |
| vino | Wein | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Eine schlichte gebackene Fleischpastete - gehacktes gekochtes Kalbfleisch mit eigenem Fett, Rosinen und Gewürzen in einer Teighülle, am Ende mit safrangelbem Wein übergossen. Der Schlusssatz bonum pro alamanis ("gut für die Deutschen") ist ein wiederkehrender Topos des Registrum Coquine, das jedem Rezept eine Nation oder Gruppe zuweist - hier ein Augenzwinkern in Richtung deftiger Nordkost.
Pastillum communem meint die "gewöhnliche" (einfache) Pastete, im Gegensatz zur prächtigen Magnaten-Pastete in boc-036. Das Kalb wird coctas (vorgekocht) verarbeitet und cum cultello (mit dem Messer) fein gehackt - kein Durchdrehen, sondern grobes Handhacken. Tegamo ist hier die formgebende Backform. Der crocum cum vino mixtum (mit Wein gemischter Safran), der nach dem Backen aufgegossen wird, ist eine goldgelbe Würz-Glasur, kein Saucenguss zum Servieren.
Praxis. Kalbfleisch (Schulter, Brust) in Salzwasser garen, abkühlen, mit etwas vom Garfett oder Schweineschmalz mit dem Messer fein hacken. Aus Mehl, Wasser, Fett und einer Prise Salz einen kräftigen Mürbeteig kneten, in eine Form legen. Den Teigboden mit der Gewürzmischung (Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelke, Muskat) bestreuen, dann das gehackte Fleisch mit Rosinen und Fett einfüllen, einen Deckel auflegen. Bei 180-190 °C backen, bis die Kruste goldbraun ist (rund 40-50 Min). Eine Prise Safran in etwas warmem Wein lösen und kurz vor Schluss über die Pastete träufeln.
Nein, nicht ideal. Eine Pastete erfordert einen Ofen für eine gleichmäßige Garung und knusprige Kruste. Zudem ist die Lagerung einer Fleischpastete ohne Kühlung, besonders bei warmem Wetter, ein hygienisches Risiko. Bereite sie am besten zu Hause vor.
Der Vermerk „bonum pro alamanis“ (gut für die Deutschen) ist ein humorvoller oder stereotypisierender Kommentar, der in mittelalterlichen Kochbüchern, insbesondere aus dem italienischen Raum, häufig vorkommt. Er deutet oft darauf hin, dass das Gericht als deftig, herzhaft oder weniger raffiniert im Vergleich zu den damaligen italienischen Geschmackspräferenzen angesehen wurde.
Da das Rezept keine spezifischen Gewürze nennt, kannst du eine typische mittelalterliche Gewürzmischung verwenden. Dazu gehören oft Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken, Muskat und Galgant. Experimentiere mit den Mengen, um deinen Geschmack zu treffen.
Dieses Rezept stammt aus dem Registrum Coquine (Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz). Das älteste erhaltene Kochbuch eines namentlich bekannten päpstlichen Küchenmeisters. Johannes von Bockenheim kochte ab 1417 für Papst Martin V.; sein Registrum (~1431-1435) verzeichnet 80 Rezepte mit Angaben, für welche Nationalitäten oder Stände sie geeignet sind - für Italiener, Deutsche, Böhmen, Frauen, Adelige, Söldner, Mönche u.v.m. Das macht es zum einzigen mittelalterlichen Kochbuch mit expliziter Zielgruppenzuordnung.
Eine kleine Pastete oder Teigtasche.
Bezieht sich auf Kalbfleisch.
Fett, hier Kalbsfett.
Eine Pfanne oder Backform.
Gewürze, hier nicht näher spezifiziert.
Rosinen.
Safran.
Die Deutschen.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| pastam (implied) | water Q283 |
| pastam (implied) | table salt Q11254 |
| speties | spice Q42527 |
| uuis passis | raisin Q13186 |
| crocum | saffron Q25434 |
| vino | wine Q282 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
speties supra pastam
Gewählte Lesart: Die Gewürze werden auf den Teigboden gestreut, bevor die Fleischfüllung darauf kommt - so der wörtliche Sinn von supra pastam ("auf den Teig").
Andere mögliche Lesart:
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.
Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.