Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate DokumentDruckversion DokumentTEI-XML

Gefüllte Küken auf Spieß

Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent · Frankreich · 1300

GeflügelHauptspeise · GeflügelLesartViel InterpretationsspielraumAufwändigKorrekturBearbeitungsstand 6/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit120 Min.Portionen2-4 PersonenBuchLe Viandier de Taillevent (~1300)

Um gefüllte Küken zuzubereiten, musst du sie zuerst auf einem Rost brühen, ohne ihnen Füße, Flügel oder Hals abzuschneiden. Sobald sie gebrüht sind, spalte sie über den Schultern auf. Entferne alles Innere, sowohl Knochen als auch Fleisch, sodass nur die Haut übrig bleibt, ausgenommen den Kopf und die Schenkel bis zum letzten Gelenk. Nimm dann das Fleisch der Küken, Schweineleber oder Geflügelleber, Speck, reichlich Petersilie, Ysop, Poleiminze und Hahn. Koche alles zusammen und drücke es dann gut aus, sodass kein Wasser mehr darin verbleibt. Danach hacke die Masse so fein wie du kannst und gib ein wenig Ingwer und ein wenig Safran hinzu. Fülle die Farce dann mit einer Nadel durch den Schlitz zurück in die Haut des Kükens. Fülle es nicht zu voll, damit es nicht platzt, denn du musst es in kochendes Wasser legen, aber nicht lange, damit es fest wird. Spieße es dann durch den Steiß und den Kopf auf einen kleinen Spieß. Wenn es fest ist, vergolde es mit Eigelb, während du es drehst, und achte gut darauf, dass es nicht anbrennt. Beim Servieren zuckere die Küken.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
poussins Küken Metzger -
chair de poussins Kükenfleisch - -
foye de cochon ou de poulaille Schweineleber oder Geflügelleber Metzger -
lart Speck - -
percil Petersilie - -
ysope Ysop Gärtnerei / Kräuterladen -
polieux Poleiminze Gärtnerei / Kräuterladen reguläre Minze (z.B. Pfefferminze)
coq Hahn Metzger Hühnerfleisch
gingembre Ingwer - -
saffran Safran - -
moyeux doeufs Eigelb - -
sucres Zucker - -
Was bedeutet ‚coq‘ in diesem Rezept?

‚Coq‘ bedeutet wörtlich ‚Hahn‘. Da bereits ‚chair de poussins‘ (Kükenfleisch) erwähnt wird, könnte es sich hier um eine spezifische Hahn-Spezialität (z.B. Kämme oder Hoden) oder einfach um weiteres Geflügelfleisch für die Füllung handeln. Wir haben es als ‚Hahn‘ übersetzt, aber Hühnerfleisch ist eine gute Alternative.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist aufgrund der aufwendigen Entbeinung, der präzisen Füllung und der mehrstufigen Garmethoden (Brühen, Spießbraten, Vergolden) nicht für die einfache Lagerküche geeignet. Die Füllung mit Leber und Speck erfordert zudem eine durchgehende Kühlung, die im Lager kaum gewährleistet werden kann.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Le Viandier de Taillevent‘, einem der bedeutendsten mittelalterlichen Kochbücher Frankreichs. Es wird dem Hofkoch Guillaume Tirel, genannt Taillevent, zugeschrieben und entstand in seiner frühesten Form um 1300, mit späteren Erweiterungen bis ins späte 14. Jahrhundert. Es repräsentiert die höfische Küche des französischen Adels.

Warum wird Zucker zu einem herzhaften Gericht gegeben?

Im Mittelalter war die Trennung zwischen süßen und herzhaften Speisen nicht so streng wie heute. Zucker war ein teures Gewürz und wurde oft sparsam auch in Fleischgerichten verwendet, um einen raffinierten, süß-würzigen oder süß-sauren Geschmack zu erzielen, der als besonders edel galt.

Pour faire poussins farcis / il conuient les eschauder sur le trible sans leur couper piedz esles ne col & quant seront eschaudes fendez les par dessus les espaules / & tires tout ce qui est dedans os & chair quil ny demeure que la peau excepte que la teste et les cuysses iusques au dernier genoil. Et puis prenes chair de poussins foye de cochon ou de poulaille du lart percil largement ysope polieux et coq et faictes tout cuyre ensemble & puis pures quil ny demeure point deaue & apres les haches le plus menu que vous pourres et y mettes vng peu de gingembre & vng peu de saffran. Et puis remettes la farce dedans la peau du poussin dune esguille par la fante et ne lemplisses pas trop quil ne creue car il le conuient mettre en eaue bouillant et non pas guieres affin quil se roidisse et puis embrochez par le cul et par la teste en vne petite broche. et quant il sera roide le dorez de moyeux doeufs en tournant & gardes bien quil ne se brule & au dressies sucres les poussins. Esturgon
trible

Ein Dreifuß oder Rost, auf dem die Küken gebrüht werden.

cuysses iusques au dernier genoil

Die Schenkel bis zum untersten Gelenk, d.h. die Unterschenkel/Drumsticks, bleiben am Skelett.

polieux

Poleiminze (Mentha pulegium), eine Minzart mit kräftigem, leicht bitterem Aroma.

dorez

Wörtlich ‚vergolden‘, hier das Bestreichen mit Eigelb, um eine goldbraune Farbe zu erzielen.

Polei-Minze

Polei-Minze (Mentha pulegium) enthält Pulegon und ist in Kochmengen leicht giftig - heute wird sie aus gutem Grund nicht mehr verwendet. Nimm stattdessen reguläre Minze (z.B. Pfefferminze).

Handschrift
Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent
Folio
Fol. 008r
Sprache
Moyen Français (ca. 1300-1400)
Entstehung
Frankreich, 1300

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartcoq

Gewählte Lesart: Wir haben ‚coq‘ als ‚Hahn‘ übersetzt, da dies die direkte Bedeutung des Wortes ist und es in anderen Rezepten des Viandier auch als Fleischzutat vorkommt.

Andere mögliche Lesart:

  • Es könnte sich um eine bestimmte Pflanze oder ein Kraut handeln, da es in einer Liste von Kräutern (Petersilie, Ysop, Poleiminze) aufgeführt ist. - Die Platzierung in der Liste der Kräuter ist ungewöhnlich für eine Fleischzutat und könnte auf eine weniger bekannte Pflanzenbezeichnung hindeuten.

Lesarteschauder sur le trible

Gewählte Lesart: Die Küken werden auf einem Rost gebrüht, was bedeutet, sie kurz in heißes Wasser zu tauchen oder mit heißem Wasser zu übergießen, um die Haut zu straffen und die Federn leichter zu entfernen, ohne sie zu kochen.

Lesartpures quil ny demeure point deaue

Gewählte Lesart: Die gekochte Füllung soll gut ausgedrückt oder passiert werden, um überschüssige Flüssigkeit zu entfernen und eine festere Konsistenz zu erhalten.

Originalwerk (~1300) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 008r, Bibliothèque nationale de France, Manuscrit Français 19791, Gallica (ark:/12148/btv1b10501680z) - Domaine public Quelle öffnen
Transkription
Pichon & Vicaire 1892 (kritische Edition), Project Gutenberg #26567 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Zuhause vorbereiten.
Alle Rezepte aus Le Viandier de Taillevent Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.