München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919 · Regensburg, Bayern · 1505
Wenn du ein gutes Mus aus gedörrten Birnen (Kloetzen) zubereiten möchtest, so wasche die Dörrbirnen sauber und koche sie dann sehr gut. Zerstoße sie fein und treibe sie mit Wein durch ein Sieb. Koche sie dann gut auf und gib einen guten Honig und Nelken hinzu, und würze es ausreichend. Ist es dann zu dünn, so reibe ein Brot darunter. Gib es danach in einen Topf, so bleibt es darin vier oder fünf Wochen lang gut.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| cloczen | Klötzen | Wochenmarkt, gut sortierter Supermarkt | Pastinaken, Petersilienwurzeln oder Kartoffeln |
| wein | Wein | - | - |
| honig | guten Honig | - | - |
| negel | Nelken | - | - |
| prat | ein Brot | - | Semmelbrösel |
Welches Gericht ist das? Ein Mus aus gedörrten Birnen (cloczen = Kloetzen/Hutzeln, getrocknete Birnen - nicht Wurzelgemüse!): die Dörrbirnen gewaschen, weich gekocht, fein gestoßen, mit Wein passiert, mit Honig, Nelken und Gewürz dick eingekocht; ist es zu dünn, bindet geriebenes Brot. Hält im Topf vier bis fünf Wochen - ein klassisches Wintervorrats-Mus.
Zur Lesart. cloczen sind im bairisch-schwäbischen Raum gedörrte Birnen (vgl. Kloetzenbrot/Hutzelbrot), kein Wurzelgemüse - die Erstlesart war eine generische Fehldeutung.
Praxis. Dörrbirnen über Nacht einweichen, weich kochen, mörsern, mit Wein durch ein Sieb treiben, mit Honig, Nelken und Gewürz einkochen, bei Bedarf mit geriebenem Brot binden; kühl gelagert wochenlang haltbar.
„Kloetzen“ (auch Hutzeln) sind gedörrte Birnen - eine klassische Wintervorrats-Zutat des bairisch-schwäbischen Raums (bekannt vom Kloetzenbrot/Hutzelbrot). Modern nimmst du schlicht getrocknete Birnen (über Nacht eingeweicht); ersatzweise gehen auch gedörrte Apfelringe. Kein Wurzelgemüse.
Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Es ist in etwa einer Stunde am offenen Feuer zubereitet und die Zutaten sind robust. Das Mus ist durch den hohen Honig- und Gewürzanteil sowie das Einkochen lange haltbar und benötigt keine Kühlung, was es ideal für mehrtägige Veranstaltungen macht.
Dieses Rezept stammt aus dem ‚Regensburger Kochbuch‘ (Cgm 5919), das um 1500-1510 in Regensburg verfasst wurde. Es ist ein Beispiel für die gehobene bürgerliche Küche dieser Zeit in Mittelbayern, die oft süße und herzhafte Komponenten miteinander verband und auf Haltbarkeit ausgelegt war.
Die lange Haltbarkeit des Mus wird durch mehrere Faktoren erreicht: das gründliche Einkochen reduziert den Wassergehalt, der hohe Zuckeranteil des Honigs wirkt konservierend, und die Gewürze (Nelken) haben ebenfalls antimikrobielle Eigenschaften. Das Mus wird in einem geschlossenen Topf aufbewahrt, was die Oxidation und Kontamination minimiert. Dies ist eine typische mittelalterliche Konservierungsmethode.
Ein heute nicht mehr gebräuchlicher Begriff, der sich auf eine Art Wurzelgemüse oder Knollen beziehen könnte. Im Kontext eines Mus ist eine stärkehaltige, leicht süßliche Knolle plausibel.
Kurzform für Gewürznelken. Ein beliebtes Gewürz in der mittelalterlichen Küche, oft in süßen und herzhaften Gerichten verwendet.
Wörtlich 'stopf genug', hier im Sinne von 'würze ausreichend' oder 'gib genug Gewürz hinzu'.
Wörtlich 'reibst ein Brot darunter'. Dies dient zum Andicken des Mus und zur Verbesserung der Textur. Es handelt sich um geriebenes Weißbrot oder Semmelbrösel.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Gewählte Lesart: gedörrte Birnen (Kloetzen/Hutzeln) - im bairisch-schwäbischen Raum die getrockneten Birnen (vgl. Kloetzenbrot/Hutzelbrot). NICHT „Wurzelgemüse“ - das war eine generische Fehllesart. Das ganze Gericht ist ein Dörrbirnen-Mus.
stupt gnug
Gewählte Lesart: Übersetzt als ‚würze es ausreichend‘. ‚Stupt‘ (von stüpfen/stopfen) kann hier im übertragenen Sinne als ‚hinzufügen‘ oder ‚füllen‘ verstanden werden, bezogen auf die Gewürze, die dem Mus ‚hinzugefügt‘ werden, bis es ‚genug‘ gewürzt ist.
Andere mögliche Lesart:
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