Libro della cocina (Anonimo Toscano) · Toskana, Italien · 1390
Nimm Hülsenfrüchte, gut von Steinen und Sand gereinigt; und wenn sie gut gewaschen und zerstoßen sind, lasse sie mit etwas Wasser aufkochen. Gib dann ausreichend Milch dazu, mit Speck oder mit angebratenem Schweinefett, und färbe es, wie du willst. Und diese Speise kannst du mit gebratenem Zicklein essen.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| legume | Hülsenfrüchte | - | - |
| acqua | Wasser | Leitung | - |
| latte | Milch | - | - |
| lardo | Speck | Metzger | - |
| grassa di porco soffritta | Angebratenes Schweinefett | Metzger | - |
Welches Gericht ist das? Ein schlichtes Hülsenfrucht-Mus, wie es die mittelalterliche Alltagsküche von der Toskana bis ins Reich hinein kannte: gekochte, zerstoßene Hülsenfrüchte, mit Milch und Schweinefett zu einem sämigen Brei gebunden. Es ist die italienische Schwester der deutschen Bohnen- und Erbsenmuse (vgl. Zwilling mha-203 mit süßer Milch, m384-061 nach Mandel-Ziger-Art, das Fasten-Bohnenmus boc-062). Lebendige Verwandtschaft: die toskanische favata, das griechische fava-Püree aus Schälerbsen und das italienische purè di legumi.
Legume ist hier ein bewusster Oberbegriff - der Koch wählt, was die Vorratskammer hergibt: getrocknete Erbsen, Linsen, Saubohnen (Ackerbohnen) oder Kichererbsen. Der Text legt sich nicht fest, und genau das ist gemeint.
Die Wendung coloralo come vuoli - "färbe es, wie du willst" - ist die im ganzen Korpus wiederkehrende Würz-Färb-Formel. Periodentreu färbte man gelb mit Safran, grün mit ausgepresstem Petersilien- oder Spinatsaft. Zwingend ist das nicht; das blasse Mus durfte auch ungefärbt bleiben.
Praxis. 250 g getrocknete Hülsenfrüchte (Erbsen, Linsen oder geschälte Saubohnen) über Nacht einweichen, dann in wenig Wasser weich kochen. Grob zerstampfen - mit dem Mörser, Kartoffelstampfer oder kurz mit dem Stabmixer. Etwa 200 ml Milch und 60-80 g gewürfelten Speck (oder ausgelassenes Schweineschmalz) unterrühren und bei kleiner Hitze zu einem cremigen Mus köcheln, bis es bindet. Salzen, nach Wunsch eine Prise Safran. Im Original ist es ausdrücklich die Beilage zu gebratenem Zicklein - es passt ebenso zu Lammbraten oder kräftigem Geflügel.
Im Mittelalter wurden viele Hülsenfrüchte wie Linsen, Erbsen, Bohnen oder Kichererbsen verwendet. Wähle eine Sorte, die sich gut zu einem Mus zerstoßen lässt.
Für eine gelbe Farbe kannst du etwas Safran hinzufügen. Grüne Kräuter wie Petersilie oder Salbei können für einen grünen Ton sorgen.
Ja, dieses einfache Mus lässt sich gut über offenem Feuer zubereiten. Du benötigst einen Topf und eine Möglichkeit, die gekochten Hülsenfrüchte zu zerstoßen, zum Beispiel einen Mörser oder eine Gabel.
Dieses Rezept stammt aus dem „Libro della cocina“ eines anonymen toskanischen Kochs, verfasst im späten 14. Jahrhundert. Es ist ein Beispiel für die bürgerliche Küche der Zeit in der Toskana.
Der im Rezept implizierte Mörser ist ein großer Fleischmörser, der zum Zerstoßen von Fleisch, Fisch oder Hülsenfrüchten zu einer feinen Paste verwendet wurde. Für moderne Nachkocher ist eine Küchenmaschine oder ein Blender ein guter Ersatz. Wer authentisch arbeiten möchte, verwendet einen großen Granit-Mörser mit einem schweren Holzstößel.
Oberbegriff für Hülsenfrüchte - Erbsen, Linsen, Saubohnen oder Kichererbsen. Der Text nennt bewusst keine bestimmte Sorte.
Zerstoßen, im Mörser zu Brei gestampft - hier vor dem Kochen.
Gepökelter, gereifter Schweinespeck.
Ausgelassenes oder angebratenes Schweinefett (Schmalz) als Alternative zum Speck.
"Färbe es, wie du willst" - die stehende Würz-Färb-Formel. Periodentreu gelb mit Safran, grün mit Kräutersaft; das Färben ist freigestellt.
Gebratenes Zicklein, zu dem das Mus ausdrücklich als Beilage gereicht wird.
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