Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350
Mache zuletzt ein kleines, feines Leckerli: Magen und Mückenfüße und Finkenzungen, Meisenbein und Froschkehlen. So magst du lange ohne Sorgen leben.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| magin | Magen | Nicht erhältlich | Nicht existent |
| mucken fuezze | Mückenfüße | Nicht erhältlich | Nicht existent |
| lovinken zvngen | Finkenzungen | Nicht erhältlich | Nicht existent |
| meysen beyn | Meisenbein | Nicht erhältlich | Nicht existent |
| froesche an der keln | Froschkehlen | Nicht erhältlich | Nicht existent |
Welches Gericht ist das? Gar keines - dies ist ein Scherz-Eintrag, kein Kochrezept. Das Buch von guter Speise listet hier mit ernster Miene lauter unmögliche Zutaten auf - Mückenfüße, Finkenzungen, Meisenbeine, Froschkehlen - und verspricht, wer sich daran halte, lebe lange on sorgen. Solche kulinarischen Schelmenstücke sind in mittelalterlichen Sammlungen nicht selten; sie parodieren die Aufschneiderei von Köchen, die vorgeben, alles zubereiten zu können.
Die Pointe. Der Witz liegt in der Unmöglichkeit: Niemand sammelt Mückenfüße oder Froschkehlen. Wer es ernsthaft versuchte, wäre für immer beschäftigt - und genau das ist gemeint mit dem Leben ohne Sorgen: man kommt nie dazu, sich um etwas anderes zu kümmern.
Praxis. Es gibt keine - der Eintrag gehört in die Sammlung als Augenzwinkern, nicht in den Topf.
Dieses Rezept ist ein mittelalterlicher Scherz und nicht ernst gemeint. Die Zutaten sind bewusst absurd und unmöglich zu beschaffen. Es gibt keine Bezugsquellen für Mückenfüße, Finkenzungen oder Meisenbeine.
Nein, dieses Rezept ist ein humoristischer Eintrag im Kochbuch und nicht zum Nachkochen gedacht. Es dient eher der Belustigung als der tatsächlichen Zubereitung von Speisen im Lager.
Dieses Rezept stammt aus 'Das Buch von guter Speise', dem ältesten bekannten deutschsprachigen Kochbuch, das um 1350 in Würzburg entstand. Es enthält neben ernsthaften Rezepten auch einige humoristische oder satirische Einträge wie diesen.
'Koestelin' ist eine Verkleinerungsform von 'Kost' und bedeutet 'Leckerbissen' oder 'Leckerli'. 'Lovinken zvngen' bezieht sich auf die Zungen einer (nicht näher bestimmten) Finkenart - eine bewusst absurde, unbeschaffbare Zutat, die den humoristischen Charakter des Rezepts unterstreicht.
Ein feiner kleiner Leckerbissen (Verkleinerung von 'Kost') - hier ironisch gemeint.
Zuletzt, schließlich (mhd. 'ze jungest', vgl. Lexer/Grimm) - ein zeitliches Adverb, keine Reihenfolgeangabe im Sinne von 'zuerst'.
Magen (im vorliegenden Transkript ohne Tierbezug); eine andere Überlieferung des Textes liest an dieser Stelle 'von stichellinges magin' (Magen eines Stichlings, eines kleinen Stachelfisches) - passend zum Muster der übrigen vier Zutaten, die jeweils einem winzigen Tier zugeordnet sind.
Finkenzungen (mhd. lovinke = Finkenart) - eine bewusst absurde, unbeschaffbare Zutat.
Frösche an der Kehle, also Froschkehlen - ebenfalls als Scherz-Zutat gemeint.
Lange ohne Sorgen leben - die ironische Pointe: wer diese Zutaten zu sammeln versucht, ist auf ewig beschäftigt.
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