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Brandgeschmack aus Eintöpfen entfernen

Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent · Frankreich · 1300

RezeptSonstigesLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit1 Min.BuchLe Viandier de Taillevent (~1300)

Nimm ein weißes Tuch, tränke es in sehr kaltem Wasser. Lege es auf den Topf und drehe diesen dabei von einer Seite zur anderen. Nimm den Topf währenddessen vom Feuer. Dies dient dazu, den Brandgeschmack aus allen Eintöpfen zu entfernen.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
toille blanche mouillee deaue bien froide Weißes Tuch, in kaltem Wasser getränkt - -
vostre pot Topf mit angebranntem Eintopf - -
potaige Eintopf - -

Welches Gericht ist das? Kein Gericht, sondern ein Küchenkniff aus dem Viandier: wie man den Brandgeschmack (arseure) aus einem angebrannten potage - einem dicken, gebundenen Eintopf - wieder herausbekommt. Solche Notlösungen stehen in mittelalterlichen Sammlungen gleichberechtigt neben den Rezepten; sie gehörten zum praktischen Handwerkswissen der Küche.

Arseure meint hier den Anbrenn- oder Rauchgeschmack, der entsteht, wenn sich am Topfboden eine angebrannte Schicht bildet. Wichtig ist die erste Anweisung des Originals: den Topf sofort hors du feu - vom Feuer - nehmen, damit nichts nachbrennt.

Praxis. Funktioniert tatsächlich, wenn auch nicht durch Zauberei. Topf vom Feuer ziehen und den Inhalt keinesfalls umrühren - sonst arbeitet man die verbrannte Bodenschicht ein. Ein sauberes, in eiskaltem Wasser getränktes Leinentuch über die Öffnung legen und den Topf vorsichtig hin und her kippen; das kalte Tuch bindet einen Teil der flüchtigen Rauchstoffe im aufsteigenden Dampf. Anschließend die noch unverbrannte obere Schicht in einen frischen Topf umfüllen, ohne den Bodensatz mitzunehmen. Eine geschälte rohe Kartoffel oder etwas frische Brühe mildern den Rest. Im Lager mit einem Leinentuch und kaltem Brunnen- oder Bachwasser jederzeit machbar.

Wie funktioniert dieser Trick genau?

Das kalte, feuchte Tuch auf dem heißen Topf erzeugt einen Temperaturunterschied, der die flüchtigen Brandstoffe im Dampf bindet und so den Geruch und Geschmack des Angebrannten reduziert. Es ist eine Art einfacher Destillation.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieser Küchenkniff ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Er benötigt lediglich ein Tuch und kaltes Wasser, beides ist im Lager leicht verfügbar.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem berühmten französischen Kochbuch ‚Le Viandier de Taillevent‘, das um 1300-1393 verfasst wurde. Es ist eine Sammlung höfischer Rezepte und Küchenpraktiken aus dem mittelalterlichen Frankreich.

Was bedeutet 'potaige' im Rezept?

Im mittelalterlichen Kontext bezeichnet ‚potaige‘ einen dicken, oft gebundenen Eintopf, der sowohl Fleisch als auch Gemüse enthalten konnte. Es ist nicht mit einer modernen, klaren Suppe zu verwechseln.

Prenez toille blanche mouillee deaue bien froide & mettes sur vostre pot & le tournez dung coste & dautre / & tires vostre pot en ce faisant hors du feu. Pour oster arseure de tous potaige.
arseure

Brandgeschmack, Anbrennen - die angebrannte Stelle bzw. der Rauchgeschmack, der in den Eintopf zieht.

potaige

Im Mittelalter ein dicker, gebundener Eintopf, oft mit Fleisch oder Gemüse - nicht die moderne klare Suppe.

tires hors du feu

Den Topf vom Feuer ziehen - der entscheidende erste Schritt, damit nichts nachbrennt.

Handschrift
Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent
Folio
Fol. 013v
Sprache
Moyen Français (ca. 1300-1400)
Entstehung
Frankreich, 1300

Originalwerk (~1300) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 013v, Bibliothèque nationale de France, Manuscrit Français 19791, Gallica (ark:/12148/btv1b10501680z) - Domaine public Quelle öffnen
Transkription
Pichon & Vicaire 1892 (kritische Edition), Project Gutenberg #26567 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Reiner Küchenkniff - braucht nur ein Leinentuch und kaltes Wasser, beides im Lager immer zur Hand.
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