Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent · Frankreich · 1300
Nimm ein weißes Tuch, tränke es in sehr kaltem Wasser. Lege es auf den Topf und drehe diesen dabei von einer Seite zur anderen. Nimm den Topf währenddessen vom Feuer. Dies dient dazu, den Brandgeschmack aus allen Eintöpfen zu entfernen.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| toille blanche mouillee deaue bien froide | Weißes Tuch, in kaltem Wasser getränkt | - | - |
| vostre pot | Topf mit angebranntem Eintopf | - | - |
| potaige | Eintopf | - | - |
Welches Gericht ist das? Kein Gericht, sondern ein Küchenkniff aus dem Viandier: wie man den Brandgeschmack (arseure) aus einem angebrannten potage - einem dicken, gebundenen Eintopf - wieder herausbekommt. Solche Notlösungen stehen in mittelalterlichen Sammlungen gleichberechtigt neben den Rezepten; sie gehörten zum praktischen Handwerkswissen der Küche.
Arseure meint hier den Anbrenn- oder Rauchgeschmack, der entsteht, wenn sich am Topfboden eine angebrannte Schicht bildet. Wichtig ist die erste Anweisung des Originals: den Topf sofort hors du feu - vom Feuer - nehmen, damit nichts nachbrennt.
Praxis. Funktioniert tatsächlich, wenn auch nicht durch Zauberei. Topf vom Feuer ziehen und den Inhalt keinesfalls umrühren - sonst arbeitet man die verbrannte Bodenschicht ein. Ein sauberes, in eiskaltem Wasser getränktes Leinentuch über die Öffnung legen und den Topf vorsichtig hin und her kippen; das kalte Tuch bindet einen Teil der flüchtigen Rauchstoffe im aufsteigenden Dampf. Anschließend die noch unverbrannte obere Schicht in einen frischen Topf umfüllen, ohne den Bodensatz mitzunehmen. Eine geschälte rohe Kartoffel oder etwas frische Brühe mildern den Rest. Im Lager mit einem Leinentuch und kaltem Brunnen- oder Bachwasser jederzeit machbar.
Das kalte, feuchte Tuch auf dem heißen Topf erzeugt einen Temperaturunterschied, der die flüchtigen Brandstoffe im Dampf bindet und so den Geruch und Geschmack des Angebrannten reduziert. Es ist eine Art einfacher Destillation.
Ja, dieser Küchenkniff ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Er benötigt lediglich ein Tuch und kaltes Wasser, beides ist im Lager leicht verfügbar.
Dieses Rezept stammt aus dem berühmten französischen Kochbuch ‚Le Viandier de Taillevent‘, das um 1300-1393 verfasst wurde. Es ist eine Sammlung höfischer Rezepte und Küchenpraktiken aus dem mittelalterlichen Frankreich.
Im mittelalterlichen Kontext bezeichnet ‚potaige‘ einen dicken, oft gebundenen Eintopf, der sowohl Fleisch als auch Gemüse enthalten konnte. Es ist nicht mit einer modernen, klaren Suppe zu verwechseln.
Brandgeschmack, Anbrennen - die angebrannte Stelle bzw. der Rauchgeschmack, der in den Eintopf zieht.
Im Mittelalter ein dicker, gebundener Eintopf, oft mit Fleisch oder Gemüse - nicht die moderne klare Suppe.
Den Topf vom Feuer ziehen - der entscheidende erste Schritt, damit nichts nachbrennt.
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