Le Ménagier de Paris · Paris · 1393
Dies ist die Art, einen Kompost zuzubereiten (man muss am Johannistag beginnen). Beachte, dass man am Johannistag, dem 24. Juni, beginnen muss.
Zubereitung der Walnüsse Zuerst nimmst du etwa am Johannistag fünfhundert neue Walnüsse. Achte darauf, dass die Schale und der Kern noch nicht vollständig ausgebildet sind und die Schale weder zu hart noch zu weich ist. Schäle sie rundherum und durchstich sie dann an drei Stellen ganz durch, oder kreuzweise. Lege sie anschließend in Wasser aus der Seine oder Quellwasser ein und wechsle das Wasser täglich. Sie müssen zehn bis zwölf Tage lang einweichen (wobei sie schwarz werden), bis du beim Kauen keinerlei Bitterkeit mehr schmeckst. Danach koche sie einmal kurz in Süßwasser auf, für die Dauer eines Miserere-Gebets, oder so lange, bis du siehst, dass sie weder zu hart noch zu weich sind.
Danach gieße das Wasser ab und lasse die Nüsse auf einem Sack abtropfen. Schmelze dann einen Sextier Honig, oder so viel, dass alle Nüsse darin eintauchen können, und seihe ihn ab und schöpfe den Schaum ab. Wenn er abgekühlt und lauwarm ist, gib die Nüsse hinein und lasse sie zwei oder drei Tage lang darin liegen. Dann lasse sie abtropfen. Nimm so viel von deinem Honig, dass die Nüsse darin eintauchen können, und erhitze den Honig auf dem Feuer. Bringe ihn nur einmal kräftig zum Kochen, schöpfe den Schaum ab und nimm ihn vom Feuer. Stecke in jede Öffnung der Nüsse eine Gewürznelke auf der einen Seite und ein kleines Stück geschnittenen Ingwer auf der anderen. Lege sie danach in den lauwarmen Honig und wende sie zwei- oder dreimal täglich. Nach vier Tagen nimmst du sie heraus, kochst den Honig erneut auf, und wenn nicht genug vorhanden ist, gibst du mehr hinzu. Koche ihn, schöpfe den Schaum ab und koche ihn erneut, dann gibst du die Nüsse hinein. Wiederhole dies jede Woche bis zu einem Monat lang. Lasse sie dann in einem Tontopf oder einem Fass und wende sie einmal pro Woche.
Zubereitung der Wurzeln und Früchte Nimm um Allerheiligen herum große Steckrüben, schäle sie, viertle sie und koche sie dann in Wasser. Wenn sie ein wenig gar sind, nimm sie heraus und lege sie in kaltes Wasser, um sie zarter zu machen. Lasse sie dann abtropfen und nimm Honig, den du wie für die Nüsse schmilzt; und achte darauf, dass du die Steckrüben nicht zu weich kochst.
Ebenso nimmst du an Allerheiligen so viele Karotten, wie du hinzufügen möchtest, und schabst sie gut ab und schneidest sie in Stücke. Koche sie wie die Steckrüben. (Karotten sind rote Wurzeln, die man auf den Märkten handvollweise verkauft, und jede Handvoll kostet einen Blanc.)
Ebenso nimmst du Angoisse-Birnen, viertle sie und koche sie wie die Steckrüben. Schäle sie nicht und verfahre mit ihnen genau wie mit den Steckrüben.
Ebenso, wenn Kürbisse in Saison sind, nimmst du weder die härtesten noch die zartesten, schälst sie, entfernst das Innere und schneidest sie in Viertel; und verfahre genau wie mit den Steckrüben.
Ebenso, wenn Pfirsiche in Saison sind, nimmst du die härtesten, schälst und viertelst sie.
Ebenso, wenn Kürbisse in Saison sind, nimmst du sie, viertle sie, entferne das Innere und verfahre genau wie mit den Steckrüben.
Ebenso, um den Andreastag herum nimmst du Petersilien- und Fenchelwurzeln, schabst sie ab und schneidest sie in kleine Stücke. Halbiere den Fenchel und entferne den harten Kern, aber nicht den der Petersilie. Verfahre mit ihnen genau wie mit den zuvor genannten Dingen, nicht mehr und nicht weniger.
Zubereitung der Gewürzsauce Und wenn all deine Konfitüren bereit sind, kannst du das Nötige zubereiten, wofür das Rezept folgt:
Zuerst nimmst du für fünfhundert Walnüsse ein Pfund Senfsaat und ein halbes Pfund Anis, anderthalb Quarteron Fenchel oder anderthalb Quarteron Koriander, anderthalb Quarteron Kümmel (das ist ein Samen, den man als Dragee isst) und pulverisiere all diese Dinge. Danach mahle all diese Dinge in einer Senfmühle und rühre sie dick mit sehr gutem Essig an und gib sie in einen Tontopf.
Nimm dann ein halbes Pfund Meerrettich (das ist eine Wurzel, die man bei den Kräuterhändlern verkauft), schabe sie sehr gut ab und schneide sie so fein wie möglich. Mahle sie in einer Senfmühle und rühre sie mit Essig an.
Ebenso nimmst du ein halbes Quarteron Nelkenholz, genannt Nelkenstab, ein halbes Quarteron Zimt, ein halbes Quarteron Pfeffer, ein halbes Quarteron Muskatblüte, ein halbes Quarteron Muskatnuss, ein halbes Quarteron Paradieskörner, und pulverisiere all diese Dinge.
Ebenso nimmst du eine halbe Unze getrockneten und zerstoßenen Ort-Safran und eine Unze rotes Zedernholz (das ist ein Holz, das man bei den Gewürzhändlern verkauft und das Zedernholz genannt wird, aus dem man Messergriffe verkauft).
Nimm dann ein Pfund guten, festen und weißen Honig und schmelze ihn auf dem Feuer. Wenn er gut gekocht und abgeschäumt ist, lasse ihn ruhen. Dann seihe ihn ab und koche ihn erneut. Wenn er wieder Schaum bildet, musst du ihn erneut seihen; wenn nicht, lasse ihn abkühlen.
Rühre dann deinen Senf mit gutem Wein und Essig zu gleichen Teilen an und gib ihn in den Honig. Rühre dann deine Pulver mit Wein und Essig an und gib sie in den Honig und in warmen Wein. Koche dein Zedernholz kurz auf und gib danach den Safran mit den anderen Dingen und eine weitere Handvoll grobes Salz hinzu.
Ebenso nimmst du danach zwei Pfund Rosinen, die man Digne-Rosinen nennt (das heißt, sie sind klein und haben keinerlei Kerne oder Samen), und die neu sein sollen. Zerstoße sie sehr gut in einem Mörser und rühre sie mit gutem Essig an. Seihe sie dann durch ein feines Tuch und gib sie zu den anderen Dingen.
Wenn du vier oder fünf Pinten Most oder gekochten Wein hinzufügst, würde die Sauce noch besser schmecken.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| v cens de nois nouvelles | 500 neue Walnüsse | Wochenmarkt / Bio-Laden (im Juni) | - |
| eaue de Saine ou de fontaine | Wasser (Quellwasser) | Leitung | - |
| miel | Honig | - | - |
| ung clou de giroffle | Gewürznelken | - | - |
| ung petit de gingembre coupé | Ingwer, geschnitten | - | - |
| des gros navetz | Große Steckrüben | Wochenmarkt / Supermarkt | - |
| des garroictes | Karotten | - | - |
| des poires d'angoisse | Angoisse-Birnen | Wochenmarkt (alte Sorten) | Harte Kochbirnen |
| des courges | Kürbisse | - | - |
| des pesches | Harte Pfirsiche | - | - |
| des racines de percil | Petersilienwurzeln | Wochenmarkt / gut sortierter Supermarkt | - |
| de fanoul | Fenchelwurzeln | Wochenmarkt / gut sortierter Supermarkt | - |
| une livre de senevé | 1 Pfund Senfsaat | Bio-Laden / Online-Gewürzhändler | - |
| demye livre d'aniz | 0.5 Pfund Anis | - | - |
| ung quarteron et demy fanoul | 1.5 Quarteron Fenchelsamen | - | - |
| ung quarteron et demy coriande | 1.5 Quarteron Koriandersamen | - | - |
| ung quarteron et demy karvi | 1.5 Quarteron Kümmel | - | - |
| tresbon vinaigre | Guter Essig | - | - |
| demye livre de raffle | 0.5 Pfund Meerrettich | Wochenmarkt / gut sortierter Supermarkt | - |
| demy quarteron de fust de giroffle dit baston de giroffle | 0.5 Quarteron Nelkenholz (Nelkenstiele) | Online-Gewürzhändler (ggf. als ganze Nelken mit Stiel) | Ganze Nelken |
| demy quarteron de canelle | 0.5 Quarteron Zimt | - | - |
| demy quarteron de poivre | 0.5 Quarteron Pfeffer | - | - |
| demy quarteron de Mesche | 0.5 Quarteron Muskatblüte | Online-Gewürzhändler | Muskatnuss |
| demy quarteron de noiz muguectes | 0.5 Quarteron Muskatnuss | - | - |
| demy quarteron de graine de paradis | 0.5 Quarteron Paradieskörner | Online-Gewürzhändler | Schwarzer Pfeffer mit einer Prise Kardamom |
| demy once de saffran d'Ort seché et batu | 0.5 Unze Safran (getrocknet und zerstoßen) | Online-Gewürzhändler | - |
| une once de cedre vermeille | 1 Unze rotes Zedernholz | Spezialisierter Holzhandel / Online-Räucherholz | Räucherchips aus Zedernholz (nur zum Aromatisieren, nicht verzehren) |
| bon miel dur et blanc | 1 Pfund fester, weißer Honig | - | - |
| bon vin | Guter Wein | - | - |
| une autre pongnee de sel gros | Eine Handvoll grobes Salz | - | - |
| deux livres de roisins que l'en dit roisins de Digne | 2 Pfund Digne-Rosinen (kernlos, klein) | Gut sortierter Supermarkt / Online-Feinkost | Sultaninen |
| iiii ou v pintes de moust ou de vin cuit | 4-5 Pinten Most oder gekochter Wein (Defrutum) | Most: Winzer / Gekochter Wein: Online-Feinkost | Apfelmost / Traubensaft (reduziert) oder Balsamico-Creme |
Im Mittelalter war ein 'Kompost' keine süße Obstzubereitung wie heute, sondern eine Methode, verschiedene Zutaten - oft Obst, Gemüse und Wurzeln - durch Einlegen in Honig, Essig und Gewürze haltbar zu machen. Es handelte sich um eine würzige, süß-saure Konserve, die als Beilage oder Würzmittel diente.
Nein, dieses Rezept ist nicht für die direkte Zubereitung im Lager geeignet. Es handelt sich um ein aufwendiges Konservierungsverfahren, das sich über mehrere Monate erstreckt und viele Schritte erfordert. Es muss zu Hause vorbereitet werden.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem französischen Haushaltsbuch, das um 1393 verfasst wurde. Es bietet Einblicke in die Küche des wohlhabenden Bürgertums im spätmittelalterlichen Paris und enthält detaillierte Anweisungen für die Haushaltsführung, Gartenarbeit und eine Vielzahl von Rezepten.
Ein 'Sextier' war ein altes französisches Hohlmaß, das in Paris etwa 3,8 Litern entsprach. Ein 'Quarteron' war ein Viertel Pfund, also etwa 125 Gramm. Eine 'Once' (Unze) entsprach etwa 28 Gramm.
Rotes Zedernholz ('cedre vermeille') und Nelkenholz ('fust de giroffle') sind aromatische Hölzer, die in diesem Rezept nicht zum Verzehr, sondern zur Aromatisierung der Konserve verwendet werden. Sie geben ihren Duft und Geschmack an die Flüssigkeit ab. Für moderne Nachkocher können kleine Stücke unbehandeltes Zedernholz oder Nelkenstiele (die holzigen Teile ganzer Nelken) verwendet werden. Achte darauf, dass das Holz unbehandelt ist und nur zum Aromatisieren dient.
Wenn das Rezept Rosinen 'im Mörser zerstoßen' verlangt, ist ein großer Fleischmörser gemeint, um sie zu einer feinen Paste zu verarbeiten. Für moderne Küchen ist ein leistungsstarker Mixer oder Food Processor eine gute Alternative, um die Rosinen mit etwas Essig zu pürieren. Wer authentisch arbeiten möchte, benötigt einen großen Granit-Mörser mit einem schweren Holzstößel.
Im Mittelalter ein Sammelbegriff für eingelegte oder konservierte Früchte und Gemüse, oft in einer würzigen oder süß-sauren Marinade, nicht zu verwechseln mit modernem süßem Kompott.
Johannistag, der 24. Juni, ein wichtiger Zeitpunkt für die Ernte vieler Kräuter und Früchte.
Bezieht sich auf das Miserere, den Psalm 51, dessen Rezitation nur wenige Minuten dauert und hier eine sehr kurze Kochzeit angibt.
Ein altes französisches Hohlmaß, das je nach Region variierte. Ein Pariser Sextier entsprach etwa 3,8 Litern.
Allerheiligen, der 1. November, ein Zeitpunkt für die Ernte von Wurzelgemüse.
Steckrüben oder weiße Rüben, ein häufiges Wurzelgemüse im Mittelalter.
Karotten, im Text als 'rote Wurzeln' beschrieben.
Eine Sorte harter, herber Birnen, die sich gut zum Kochen und Einlegen eigneten.
Andreastag, der 30. November.
Senfsaat.
Ein Viertel Pfund, etwa 125 Gramm.
Kümmel, im Text als 'Samen, den man als Dragee isst' beschrieben.
Meerrettich, im Text als 'Wurzel, die man bei den Kräuterhändlern verkauft' beschrieben.
Wörtlich 'Nelkenholz, genannt Nelkenstab'. Dies bezieht sich wahrscheinlich auf die holzigen Stiele der Nelken oder eine aromatische Holzart, die ähnlich wie Nelken duftet.
Muskatblüte, die äußere Hülle der Muskatnuss.
Paradieskörner (Aframomum melegueta), ein pfefferartiges Gewürz aus Westafrika, das im Mittelalter häufig verwendet wurde.
Safran aus Ort, wahrscheinlich eine Herkunftsbezeichnung für besonders hochwertigen Safran.
Rotes Zedernholz, im Text als Holz für Messergriffe beschrieben. Es wurde hier zur Aromatisierung verwendet, nicht zum Verzehr.
Rosinen aus Digne, einer Stadt in der Provence, bekannt für kleine, kernlose Rosinen.
Ein feines Sieb oder Tuch zum Passieren von Flüssigkeiten.
Most (unvergorener Traubensaft) oder gekochter Wein (Defrutum/Sapa), ein eingedickter Traubensirup.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
composte
Gewählte Lesart: Die Übersetzung 'Kompost' im modernen Text bezieht sich auf eine mittelalterliche Konservierungsmethode für Früchte und Gemüse in einer würzigen, süß-sauren Marinade, nicht auf ein süßes Obstkompott.
Andere mögliche Lesart:
par l'espace de dire une miserelle
Gewählte Lesart: Die Kochzeit 'für die Dauer eines Miserere-Gebets' wurde als 'für die Dauer eines kurzen Gebets' oder 'einmal kurz aufkochen' übersetzt, um die sehr kurze Kochzeit zu verdeutlichen.
fust de giroffle dit baston de giroffle
Gewählte Lesart: Dies wurde als 'Nelkenholz, genannt Nelkenstab' übersetzt und als die holzigen Stiele der Nelken oder eine aromatische Holzart interpretiert, die zur Geschmacksabgabe dient.
Andere mögliche Lesart:
cedre vermeille (c'est assavoir ung fust que l'en vent sur les espiciers, et est dit cedre dont l'en vent manches a cousteaulx)
Gewählte Lesart: Dies wurde als 'rotes Zedernholz' übersetzt und als aromatisches Holz interpretiert, das zur Geschmacksabgabe dient, nicht als essbare Zutat, basierend auf der Beschreibung, dass es für Messergriffe verwendet wird.
karvi (c'est assavoir une semence que l'en mengue en dragee)
Gewählte Lesart: Basierend auf der Beschreibung 'Samen, den man als Dragee isst', wurde 'karvi' als Kümmel (Carum carvi) übersetzt, da Kümmel im Mittelalter häufig in dieser Form konsumiert wurde.
Andere mögliche Lesart:
raffle (c'est assavoir une racine que l'en vent sur les herbiers)
Gewählte Lesart: Basierend auf der Beschreibung 'Wurzel, die man bei den Kräuterhändlern verkauft' und dem Kontext einer würzigen Sauce, wurde 'raffle' als Meerrettich übersetzt.
Aus unseren ersten Übersetzungen. Dieses Rezept gehört zu unseren früh erschlossenen Texten und wird vielleicht noch einmal überprüft. Wir gehen die Rezepte gelegentlich erneut durch, wenn wir neue Erkenntnisse gewinnen.
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