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Cawdel Ferry: Süßer Weinsud

The Forme of Cury · England · 1390

🍯 Nachspeise ⚠ Viel Interpretationsspielraum Mittel
⏱ 25 Min.👥 4–6 Personen📖 The Forme of Cury (~1390)

Original — Mittelenglisch

Cawdel Ferry: Süßer Weinsud — Originalseite aus The Forme of Cury
Fol. 27 recto, The University of Manchester Library, English MS 7 (John Rylands Library)

Transkription (Mittelenglisch)

CAWDEL FERRY . XX.II

Take flour of Payndemayn and gode wyne. and drawe it togydre. do þerto a grete quantite of Sugur cypre. or hony clarified, and do þerto safroun. boile it. and whan it is boiled, alye it up with zolkes of ayrenn. and do þerto salt and messe it forth. and lay þeron sugur and powdour gyngur. ferry. Quære. We have _Carpe in Ferry_, Lel. Coll. VI. p. 21. Payndemayn. White bread. Chaucer.

Project Gutenberg – The Forme of Cury (ed. Samuel Pegge, 1780)

Moderne Übersetzung

🏕 Lagerküche-Tipp: Zuhause vorbereiten.

Nimm feines Weißbrotmehl und guten Wein und verrühre beides miteinander. Gib eine große Menge zypriotischen Zucker oder geklärten Honig hinzu, ebenso Safran. Koche die Mischung auf. Sobald sie gekocht hat, binde sie mit Eigelb ab. Gib Salz hinzu und richte sie an. Bestreue sie mit Zucker und Ingwerpulver.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
flour of Payndemayn 100 g feines Weißbrotmehl Weizenmehl Type 405
gode wyne 500 ml Weißwein (trocken)
a grete quantite of Sugur cypre. or hony clarified 100–150 g Zucker oder geklärter Honig
safroun 1 Prise Safranfäden
zolkes of ayrenn 4 Eigelb
salt 1 Prise Salz
sugur 1 EL Zucker (zum Bestreuen)
powdour gyngur 1 TL Ingwerpulver (zum Bestreuen)

Anmerkungen

Payndemayn
Ein sehr feines, weißes Brotmehl, oft aus dem besten Weizen hergestellt und für hochwertiges Brot verwendet.
Sugur cypre
Zypriotischer Zucker, der im Mittelalter als besonders rein und hochwertig galt.
powdour gyngur
Gemahlener Ingwer.
ferry
Ein Gericht oder eine Sauce, deren genaue Bedeutung umstritten ist. Der Herausgeber des Originaltextes vermutet eine Verbindung zu 'Carpe in Ferry', was auf eine Sauce für Fisch hindeuten könnte. Die Zubereitung ähnelt einem süßen, gebundenen Sud.

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.

ferry

Gewählte Lesart: Als Bezeichnung für einen süßen, gebundenen Weinsud, der als eigenständiges Gericht oder als Sauce dienen kann.

Andere mögliche Lesart:

  • Als eine Art 'Farce' oder 'Füllung', abgeleitet vom altfranzösischen 'farce' (Füllung) oder 'ferir' (schlagen, stampfen). — Einige Forscher vermuten eine etymologische Verbindung zu 'farce' aufgrund der gebundenen Konsistenz. Die editorische Anmerkung 'Carpe in Ferry' könnte auf eine Füllung oder eine dicke Sauce für Fisch hindeuten.

flour of Payndemayn

Gewählte Lesart: Übersetzt als 'feines, hochwertiges Weizenmehl', das zur Herstellung von Payndemayn-Brot verwendet wurde.

Andere mögliche Lesart:

  • Als Mehl, das durch Zermahlen von getrocknetem Payndemayn-Brot gewonnen wird (ähnlich Paniermehl). — Obwohl 'flour of' meist das Mehl *für* etwas bezeichnet, könnte es in diesem Kontext auch das Mehl *aus* dem Brot meinen, um eine spezifische Textur oder einen Geschmack zu erzielen. Dies wäre eine Art Bindemittel.

Häufige Fragen

Was ist 'Payndemayn' und womit kann ich es ersetzen?

Payndemayn war im Mittelalter ein sehr feines, weißes Brotmehl, das aus dem besten Weizen hergestellt wurde und als Luxusprodukt galt. Für dieses Rezept kannst du es durch modernes Weizenmehl Type 405 ersetzen, um eine ähnlich feine Textur zu erzielen.

Was bedeutet 'Ferry' in diesem Rezept?

Der Begriff 'Ferry' ist in mittelalterlichen Kochbüchern nicht eindeutig definiert. Der Herausgeber des 'Forme of Cury' merkt an, dass es auch ein Gericht namens 'Carpe in Ferry' gab, was darauf hindeutet, dass 'Ferry' eine Art Sauce oder Zubereitungsart für Fisch sein könnte. In diesem Rezept ist es ein süßer, mit Eigelb gebundener Weinsud, der als eigenständiges Gericht oder als Beilage serviert werden kann.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist nicht ideal für die Lagerküche. Das präzise Abbinden mit Eigelb erfordert eine kontrollierte Hitzequelle, die am offenen Feuer schwer zu gewährleisten ist. Zudem sind die Zutaten wie feines Mehl und Safran eher für eine gut ausgestattete Küche gedacht.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus 'The Forme of Cury', einer der ältesten und wichtigsten englischen Rezeptsammlungen. Es wurde um 1390 für den Hof von König Richard II. verfasst und bietet einen Einblick in die gehobene mittelalterliche Küche Englands.

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