Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465
Grüne Zanzarelli. Mache es so, wie oben beschrieben, gib aber keinen Safran hinzu und füge ihm jene Kräuter der grünen Brühe bei.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| Fa' como è ditto di sopra | 8 Eier | - | - |
| Fa' como è ditto di sopra | 200 g geriebener Hartkäse (z.B. Parmesan, ein halbes Pfund) | - | - |
| Fa' como è ditto di sopra | 1 geriebenes altbackenes Weißbrot (Semmelbrösel) | - | - |
| non gli porre zafrano | Safran | Gewürzfachhandel, Online-Gewürzhandel | - |
| quelle herbe del brodetto verde | Petersilie | - | - |
| quelle herbe del brodetto verde | Minze | - | - |
| quelle herbe del brodetto verde | Majoran | - | - |
| quelle herbe del brodetto verde | Salbei | - | - |
| quelle herbe del brodetto verde | 100 g frischer Spinat oder Borretsch (optional, für Farbe) | - | - |
| (implied) | 1 Liter Fleischbrühe | - | - |
| (implied) | Salz | - | - |
| (implied) | Pfeffer | - | - |
| (implied) | Zimt (zum Servieren) | - | - |
Welches Gericht ist das? Trotz des Namens „Klößchen" sind Zanzarelli keine Nudeln und kein gekneteter Teig, sondern eine gerührte Eier-Käse-Brot-Masse, die in kochender Brühe zu weichen Flöckchen stockt. Der lebende Verwandte ist die römische stracciatella-Suppe (Ei-Käse-Fäden in Brühe) und, eingedickter gedacht, der deutsche Eierstich. Diese grüne Variante ist nur eine Farbabwandlung der gelben Grundversion (Martino Nr. 47): Safran raus, grüne Kräuter rein.
Die Masse (fa' como è ditto di sopra). Martino verweist auf das Rezept davor: acht Eier, ein halbes Pfund (ca. 200 g) geriebener Hartkäse und ein geriebenes altbackenes Weißbrot werden glatt verquirlt. Kein Mehl, kein Teig - das geriebene Brot bindet die Masse, sodass sie in der Brühe zu Flöckchen gerinnt statt sich aufzulösen. Für festere Nocken (vgl. die Variante Nr. 49) nimmt man etwas mehr Brot und formt mit einem kleinen Löffel bohnengroße Kügelchen, die einzeln in die Brühe gegeben werden.
Das Grün (quelle herbe del brodetto verde). Den Safran lässt man weg und färbt stattdessen mit den Kräutern von Martinos grüner Brühe (Nr. 46): zerstoßener Mangold und Petersilie, dazu - je nach Saison - Minze, Majoran und Salbei. Die Kräuter werden im Mörser zu einer Paste zerstoßen oder sehr fein gehackt und in die Eiermasse gerührt; ihr ausgepresster Saft gibt das kräftige Grün. Das ist periodentreues Speisefärben - kein moderner Behelf nötig.
Praxis. Für 4-6 Personen reichen 5-6 Eier, ca. 120 g geriebener Parmesan und 2-3 Handvoll Semmelbrösel; alles glatt verquirlen, eine kleine Handvoll fein zerstoßener grüner Kräuter unterrühren, mit Salz abschmecken. Etwa 1,5 l kräftige Fleisch- oder Hühnerbrühe sprudelnd aufkochen, die Masse in einem Schwung hineingießen (oder löffelweise eingeben), einmal umrühren und die Hitze sofort herunternehmen. Nach 1-2 Minuten ist das Ei gestockt - nicht durchkochen, sonst wird es gummig. Heiß mit etwas geriebenem Käse und einer Prise Zimt servieren.
Zanzarelli sind keine Nudeln, sondern eine gerührte Eier-Käse-Brot-Masse, die in kochende Fleischbrühe gegeben wird und darin zu weichen Flöckchen oder kleinen Nocken stockt. Man kann sie als großen Vorfahren von Eierstich, italienischer Stracciatella-Suppe oder einer Eiertropfsuppe verstehen. In der mittelalterlichen italienischen Küche waren sie sehr beliebt und kamen in Gelb (mit Safran), Weiß (mit Mandelmilch) und - wie hier - in Grün.
Ja, gut geeignet. Du brauchst nur einen Topf mit Brühe über dem Feuer und eine Schüssel, in der du Eier, geriebenen Käse, geriebenes Brot und die gehackten Kräuter verquirlst. Die Masse kippst du in die kochende Brühe und rührst einmal um - fertig in wenigen Minuten. Frische Eier und Kräuter wollen unterwegs kühl gelagert sein, ein Backofen wird nicht gebraucht.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Libro de Arte Coquinaria' von Maestro Martino da Como, einem der bedeutendsten Kochbücher des 15. Jahrhunderts. Es wurde um 1465 in Norditalien verfasst und gibt Einblicke in die gehobene Küche der Renaissance.
Die Phrase bedeutet „Mache es, wie oben gesagt". Sie verweist auf das Grundrezept der Zanzarelli, das bei Martino direkt davor steht (Nr. 47): acht Eier, ein halbes Pfund geriebener Hartkäse und ein geriebenes Weißbrot werden verquirlt und in kochende Brühe gegeben, wo die Masse zu weichen Flöckchen stockt. Für die grüne Variante übernimmt man genau diese Masse, lässt nur den Safran weg und rührt grüne Kräuter ein.
Im mittelalterlichen Kochkontext ist ein 'Mörser' oft ein großer Fleischmörser, der zum Zerkleinern und Pürieren von Zutaten wie Fleisch, Fisch oder Kräutern verwendet wurde. Für dieses Rezept, um die Kräuter fein zu zerstoßen, kannst du einen großen Mörser verwenden. Alternativ funktioniert auch ein moderner Küchenmixer oder ein Pürierstab sehr gut, um die Kräuter zu einer feinen Paste zu verarbeiten.
Keine Nudeln, sondern eine gerührte Klößchen-Masse aus verquirlten Eiern, geriebenem Hartkäse und geriebenem Weißbrot. Sie wird in kochende Brühe gegeben und stockt darin zu weichen Flöckchen oder kleinen Nocken - das mittelalterliche Gegenstück zu Eierstich oder einer Eiertropfsuppe. Das Grundrezept steht direkt davor (Martino Nr. 47).
Die grüne Brühe aus Martinos Rezept davor (Nr. 46): die Grundbrühe ohne Safran, gefärbt und gewürzt mit zerstoßenen grünen Kräutern (Mangold, Petersilie, junge Weizenblätter). Die grünen Zanzarelli übernehmen einfach genau diese Kräuter.
Safran. In der gelben Grundversion färbt er die Brühe golden; hier wird er ausdrücklich weggelassen, damit das Gericht grün statt gelb wird.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
giongili quelle herbe del brodetto verde
Gewählte Lesart: giongili („füge ihm bei") bezieht sich auf die Zanzarelli-Masse: Die grünen Kräuter werden direkt in die verquirlte Eier-Käse-Brot-Mischung gerührt, sodass die Klößchen selbst grün werden - was der Titel zanzarelli verdi (grüne Zanzarelli) verlangt.
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