Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350
Wer ein Kirschenmus zubereiten möchte, der breche den Kirschen die Stiele ab. Koche sie mit ein wenig Wein und schlage sie dann zusammen mit Semmelbröseln durch ein Tuch. Koche die Masse in einem Topf gut auf, bis sie eindickt. Füge genügend Schmalz hinzu und rühre sie dann mit Eigelb an. Streue Gewürze darüber, wenn es angerichtet werden soll.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| kirsen | Kirschen | 750 g | Wochenmarkt, Supermarkt | - |
| ein wenic wins | Weißwein | 150 ml | - | Apfelsaft |
| einer semelbrosmen | Semmelbrösel | 50 g | - | - |
| smaltzes genuoc | Schmalz | 75 g | Metzger, Supermarkt | Butter |
| eyerstotern | Eigelb | 3 | - | - |
| wuertze | Gewürzmischung (z.B. Zimt, Ingwer, Nelken, Muskat) | 1 TL | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein wissel muos - vermutlich ein Mus aus Weichseln (Sauerkirschen), das mit Wein gekocht, durch ein Tuch passiert, mit Semmelbröseln gebunden, mit Schmalz verfeinert und zuletzt mit Eigelb legiert wird; die Gewürze kommen erst beim Anrichten obenauf. Das Ergebnis ist ein dickflüssiges, samtiges Fruchtmus mit einer durch das Eigelb leicht cremigen Konsistenz - am ehesten vergleichbar mit einem frühen Fruchtcurd (Frucht mit Eigelb legiert) oder einer sämigen Fruchtcreme, weniger mit der heutigen, stärkebasierten Roten Grütze.
Wissel ist im Korpus wiederholt als Schreibweise für Weichsel belegt, klar getrennt von „wizz-“ (weiß); auch das eng verwandte Rezept „weichsell muesz“ trägt einen fast gleichlautenden Titel. Der Name dürfte also die Kirschsorte meinen, nicht die Farbe des fertigen Muses - ganz sicher lässt sich das aber nicht entscheiden.
Der breche die [stile abe] meint das Abbrechen der Stiele vor dem Kochen, nicht das Entkernen der Kirschen - ein fast wortgleiches Schwesterrezept formuliert denselben Schritt als „brech in die stile abe“. Die Kirschsteine werden erst später beim Passieren durch das Tuch entfernt.
Eyerstotern sind die Eidotter, mit denen das Mus am Ende legiert wird; sie gerinnen leicht bei zu großer Hitze.
Praxis. Die Kirschen entstielen und mit wenig Weißwein weichkochen. Durch ein Tuch oder Sieb passieren, zurück in den Topf, Semmelbrösel einrühren (Startpunkt: 1-2 EL auf 500 g Kirschen) und unter Rühren aufkochen, bis es eindickt. Schmalz einrühren und dann die Eidotter unterschlagen. Die Gewürze (klassisch Zimt, Nelke, Ingwer) erst über das angerichtete Mus streuen.
Die Gewürze wie Zimt, Ingwer, Nelken und Muskat sind in jedem Supermarkt erhältlich. Für eine authentischere Mischung können Sie auch in spezialisierten Gewürzläden oder auf Wochenmärkten nach ganzen Gewürzen suchen und diese frisch mahlen.
Ja, gut geeignet. Die Zubereitung erfordert lediglich einen Topf und eine Feuerstelle. Das Entstielen der Kirschen und das Passieren durch ein Tuch sind die aufwendigsten Schritte. Frische Kirschen und Eigelb sind allerdings saisonal und verderblich - beides sollte frisch besorgt und zeitnah verarbeitet werden.
Im Mittelhochdeutschen bezeichnet 'muos' (modern: Mus) eine breiige Speise, ein Püree oder einen Eintopf. Es ist ein sehr allgemeiner Begriff für Gerichte, die gekocht und oft püriert oder eingedickt wurden, sowohl süß als auch herzhaft.
Dieses Rezept stammt aus „Das Buch von guter Speise“. Ältestes deutsches Kochbuch, entstanden um 1350 im Haushalt des Würzburger Bischofs. 96 Hauptrezepte plus 5 in der Gloning-Edition als Sub-Rezepte gezählte Folge-/Variantenrezepte (5a, 27a, 32a, 74a, 77a).
Wahrscheinlich ein Mus aus Weichseln (Sauerkirschen, Prunus cerasus): Das folgende Buchrezept bgs-084 nennt „sure wiseln“ und erklärt sie unmittelbar als „kirsen“. Eine Lesart als „weißes Mus“ bleibt als Restunsicherheit denkbar.
Die Stiele der Kirschen abbrechen, nicht die Kirschen entkernen. Die gleiche Formel steht auch bei den Weichsel-Rezepten bgs-084 und bgs-085.
Passieren: die weichgekochten Kirschen durch ein Tuch streichen, um Kerne, Häute und Fasern zu entfernen.
Semmelbrösel, getrocknetes und zerriebenes Brot - im Mittelalter ein verbreitetes Bindemittel für Muse und Saucen.
Eidotter, hier zum Legieren (Binden) des Muses verwendet.
Gut aufkochen in einem Topf - das Eindicken der Masse.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| kirsen | cherry Q196 |
| ein wenic wins | wine Q282 |
| smaltzes genuoc | animal fat Q1423543 |
| eyerstotern | yolk Q16336079 |
| wuertze | spice Q42527 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Gewählte Lesart: „Sauerkirschenmus“ (Weichselmus) - der Name „wissel“ bezeichnet die Kirschsorte, nicht die Farbe des fertigen Muses.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 4-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.