Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum · Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz · 1433
Nimm rohe Eier, vermische sie mit Wein und Mehl und passiere die Mischung durch ein Siebtuch. Würze diese Masse anschließend mit Safran, Salz und anderen Gewürzen. Lass die Mischung kurz aufkochen. Lege dann hartgekochte, geteilte Eier in Schalen und gieße die gewürzte Masse darüber. So servierst du es den Nonnen.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| oua cruda | Rohe Eier | - | - | - |
| vino | Wein | - | - | Heller Traubensaft oder Gemüsebrühe |
| farina | Mehl | - | - | - |
| croco | Safran | - | - | Ringelblumenblüten (nur für die Farbe) |
| sale | Salz | - | - | - |
| aliis spetiebus | Andere Gewürze | - | - | - |
| oua bulita dura diuisa | Hartgekochte Eier | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Halbierte hartgekochte Eier, übergossen mit einer warmen, safrangelben Wein-Ei-Sauce - ein gehobenes Eiergericht. Der nächste Verwandte im Korpus sind die pochierten Eier mit Ingwer-Safran-Sauce [foc-087: dort wie hier eine ei-gebundene Würzsauce, die warm über die Eier kommt. Heute denkt man an Eier in heller Senf- oder Safransauce.
Mixta cum vino et farina ... per stamigniam. Rohe Eier werden mit Wein und etwas Mehl verquirlt und durch ein Seih-/Stamintuch (stamignia) passiert - das gibt eine glatte, klümpchenfreie Sauce. Gebunden wird hier vor allem durch das Ei; das wenige Mehl ist Beiwerk, kein Roux. Wichtig: nur kurz und sanft erhitzen (modicum bulire), sonst gerinnt die Eimasse.
Croco et sale et aliis spetiebus. Safran färbt und würzt die Sauce gold-gelb; dazu Salz und nach Belieben warme Gewürze (Ingwer, Pfeffer, Muskat).
Oua bulita dura diuisa. Hartgekochte, geteilte Eier kommen in die Schüssel, die warme Sauce wird darübergegossen - ein zweistufiges Eiergericht: gekochtes Ei plus Ei-Sauce.
Fastenzeit-Notiz. Das Rezept steht unter der Überschrift "Küche in der Fastenzeit" und ist "für Nonnen" bestimmt - obwohl Eier in der strengen Fastenpraxis verboten waren. Das verweist auf gemilderte Fastentage oder klösterliche Dispense; die Fastenregeln variierten regional und nach Stand stark.
Praxis. 3-4 rohe Eier mit einem Schuss Weißwein und 1 TL Mehl glatt verquirlen, durch ein feines Sieb/Tuch passieren. Mit Safran, Salz und etwas Ingwer/Muskat würzen. Bei milder Hitze unter Rühren nur eindicken lassen - nicht kochen. Über halbierte hartgekochte Eier gießen und warm servieren.
Im mittelalterlichen Fastengebot waren Eier in der Regel verboten. Die explizite Erwähnung ‚für Nonnen‘ und ‚in der Fastenzeit‘ deutet darauf hin, dass dieses Rezept entweder für weniger strenge Fastentage gedacht war (z.B. Sonntage in der Fastenzeit) oder dass bestimmte klösterliche Orden eigene Regeln oder päpstliche Dispense hatten, die den Verzehr von Eiern erlaubten. Es ist ein Hinweis auf die Vielfalt der Fastenpraktiken.
Da das Rezept keine spezifischen Gewürze nennt, sind typische mittelalterliche Gewürze wie Ingwer, Pfeffer, Nelken oder Muskatnuss eine gute Wahl. Wähle eine Mischung, die dir schmeckt und zum milden Charakter des Gerichts passt.
Ja, gut geeignet. Die Zutaten sind lagerfähig, und die Zubereitung erfordert lediglich das Kochen von Eiern und das Erhitzen einer Sauce, was über offenem Feuer oder auf einem Kocher gut machbar ist. Hartgekochte Eier können auch bereits zu Hause vorbereitet und mitgebracht werden.
Dieses Rezept stammt aus dem Registrum Coquine (Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz). Das älteste erhaltene Kochbuch eines namentlich bekannten päpstlichen Küchenmeisters. Johannes von Bockenheim kochte ab 1417 für Papst Martin V.; sein Registrum (~1431-1435) verzeichnet 80 Rezepte mit Angaben, für welche Nationalitäten oder Stände sie geeignet sind - für Italiener, Deutsche, Böhmen, Frauen, Adelige, Söldner, Mönche u.v.m. Das macht es zum einzigen mittelalterlichen Kochbuch mit expliziter Zielgruppenzuordnung.
Ein feines Seih-/Stamintuch (aus Leinen oder Wolle), durch das die rohe Ei-Wein-Masse passiert wird, damit die Sauce glatt bleibt.
Die vierzigtägige Fastenzeit vor Ostern - die Überschrift, unter der dieses Rezept steht.
"Für Nonnen" - eine von Bockenheims ständischen Zuschreibungen; hier bemerkenswert, weil Eier in der strengen Fastenzeit eigentlich verboten waren.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| oua cruda | chicken egg Q15260613 |
| vino | wine Q282 |
| farina | flour Q36465 |
| croco | saffron Q25434 |
| sale | table salt Q11254 |
| aliis spetiebus | spice Q42527 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Eier in der Fastenzeit
Gewählte Lesart: Das Rezept steht unter "Coquine in Quadragesima" (Küche in der Fastenzeit) und ist zugleich "für Nonnen" - obwohl Eier in der strengen Fastenpraxis verboten waren. Wir lesen das als Hinweis auf gemilderte Fastentage oder klösterliche Dispense.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 23.06.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.