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Eier in Weinsauce für Nonnen

Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum · Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz · 1433

LagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit25 Min.Portionen2-4 PersonenBuchRegistrum Coquine (~1433)

Nimm rohe Eier, vermische sie mit Wein und Mehl und passiere die Mischung durch ein Siebtuch. Würze diese Masse anschließend mit Safran, Salz und anderen Gewürzen. Lass die Mischung kurz aufkochen. Lege dann hartgekochte, geteilte Eier in Schalen und gieße die gewürzte Masse darüber. So servierst du es den Nonnen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
oua cruda Rohe Eier - - -
vino Wein - - Heller Traubensaft oder Gemüsebrühe
farina Mehl - - -
croco Safran - - Ringelblumenblüten (nur für die Farbe)
sale Salz - - -
aliis spetiebus Andere Gewürze - - -
oua bulita dura diuisa Hartgekochte Eier - - -

Welches Gericht ist das? Halbierte hartgekochte Eier, übergossen mit einer warmen, safrangelben Wein-Ei-Sauce - ein gehobenes Eiergericht. Der nächste Verwandte im Korpus sind die pochierten Eier mit Ingwer-Safran-Sauce [foc-087: dort wie hier eine ei-gebundene Würzsauce, die warm über die Eier kommt. Heute denkt man an Eier in heller Senf- oder Safransauce.

Mixta cum vino et farina ... per stamigniam. Rohe Eier werden mit Wein und etwas Mehl verquirlt und durch ein Seih-/Stamintuch (stamignia) passiert - das gibt eine glatte, klümpchenfreie Sauce. Gebunden wird hier vor allem durch das Ei; das wenige Mehl ist Beiwerk, kein Roux. Wichtig: nur kurz und sanft erhitzen (modicum bulire), sonst gerinnt die Eimasse.

Croco et sale et aliis spetiebus. Safran färbt und würzt die Sauce gold-gelb; dazu Salz und nach Belieben warme Gewürze (Ingwer, Pfeffer, Muskat).

Oua bulita dura diuisa. Hartgekochte, geteilte Eier kommen in die Schüssel, die warme Sauce wird darübergegossen - ein zweistufiges Eiergericht: gekochtes Ei plus Ei-Sauce.

Fastenzeit-Notiz. Das Rezept steht unter der Überschrift "Küche in der Fastenzeit" und ist "für Nonnen" bestimmt - obwohl Eier in der strengen Fastenpraxis verboten waren. Das verweist auf gemilderte Fastentage oder klösterliche Dispense; die Fastenregeln variierten regional und nach Stand stark.

Praxis. 3-4 rohe Eier mit einem Schuss Weißwein und 1 TL Mehl glatt verquirlen, durch ein feines Sieb/Tuch passieren. Mit Safran, Salz und etwas Ingwer/Muskat würzen. Bei milder Hitze unter Rühren nur eindicken lassen - nicht kochen. Über halbierte hartgekochte Eier gießen und warm servieren.

Warum werden in diesem Fastenrezept Eier verwendet, obwohl sie im Mittelalter oft verboten waren?

Im mittelalterlichen Fastengebot waren Eier in der Regel verboten. Die explizite Erwähnung ‚für Nonnen‘ und ‚in der Fastenzeit‘ deutet darauf hin, dass dieses Rezept entweder für weniger strenge Fastentage gedacht war (z.B. Sonntage in der Fastenzeit) oder dass bestimmte klösterliche Orden eigene Regeln oder päpstliche Dispense hatten, die den Verzehr von Eiern erlaubten. Es ist ein Hinweis auf die Vielfalt der Fastenpraktiken.

Welche ‚anderen Gewürze‘ sind hier gemeint?

Da das Rezept keine spezifischen Gewürze nennt, sind typische mittelalterliche Gewürze wie Ingwer, Pfeffer, Nelken oder Muskatnuss eine gute Wahl. Wähle eine Mischung, die dir schmeckt und zum milden Charakter des Gerichts passt.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, gut geeignet. Die Zutaten sind lagerfähig, und die Zubereitung erfordert lediglich das Kochen von Eiern und das Erhitzen einer Sauce, was über offenem Feuer oder auf einem Kocher gut machbar ist. Hartgekochte Eier können auch bereits zu Hause vorbereitet und mitgebracht werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Registrum Coquine (Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz). Das älteste erhaltene Kochbuch eines namentlich bekannten päpstlichen Küchenmeisters. Johannes von Bockenheim kochte ab 1417 für Papst Martin V.; sein Registrum (~1431-1435) verzeichnet 80 Rezepte mit Angaben, für welche Nationalitäten oder Stände sie geeignet sind - für Italiener, Deutsche, Böhmen, Frauen, Adelige, Söldner, Mönche u.v.m. Das macht es zum einzigen mittelalterlichen Kochbuch mit expliziter Zielgruppenzuordnung.

Ad preparandum oua cum brodio pro monialibus Recipe oua cruda mixta cum vino et farina et mitte per stamigniam, post hoc tempera illa cum croco et sale et aliis spetiebus et fac illa modicum bulire, Et tunc mitte ad scutella oua bulita dura diuisa, et mitte illam temperaturam supra, pro monialibus. COQVINE IN QVADRAGESIMA.
stamigniam

Ein feines Seih-/Stamintuch (aus Leinen oder Wolle), durch das die rohe Ei-Wein-Masse passiert wird, damit die Sauce glatt bleibt.

Quadragesima

Die vierzigtägige Fastenzeit vor Ostern - die Überschrift, unter der dieses Rezept steht.

monialibus

"Für Nonnen" - eine von Bockenheims ständischen Zuschreibungen; hier bemerkenswert, weil Eier in der strengen Fastenzeit eigentlich verboten waren.

Handschrift
Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum
Folio
fol. 71v
Sprache
Mittellatein (frühes 15. Jh.)
Entstehung
Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz, 1433

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

oua crudachicken egg Q15260613
vinowine Q282
farinaflour Q36465
crocosaffron Q25434
saletable salt Q11254
aliis spetiebusspice Q42527

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartEier in der Fastenzeit

Gewählte Lesart: Das Rezept steht unter "Coquine in Quadragesima" (Küche in der Fastenzeit) und ist zugleich "für Nonnen" - obwohl Eier in der strengen Fastenpraxis verboten waren. Wir lesen das als Hinweis auf gemilderte Fastentage oder klösterliche Dispense.

Andere mögliche Lesart:

  • Regional/ständisch ausnahmsweise erlaubte Eier. - Die Fastenregeln variierten regional und im Lauf der Zeit; Dispense für bestimmte Stände oder Institutionen waren nicht ungewöhnlich.

Originalwerk (~1433) gemeinfrei.

Bildquelle
BnF Ms. Latin 7054, fol. 71v/72r (Gallica ark:/12148/btv1b10035736w, f72) - Domaine public Quelle öffnen
Transkription
Robert Maier (Hg.): Das Registrum Coquine des Johannes von Bockenheim, Monumenta culinaria 3, GEB Gießen 2013 - CC BY-NC-SA 3.0 (urn:nbn:de:hebis:26-opus-93375) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Ein Topf, Feuer und ein Seihtuch genügen. Die hartgekochten Eier lassen sich vorbereitet mitbringen, die Sauce wird frisch erhitzt.
Alle Rezepte aus Registrum Coquine Alle Kochbücher

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Stand dieser Fassung: 23.06.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.