Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1) · Österreich (Mondsee, Oberösterreich) · 1480
Ein weiteres Rezept für Eier: Siede die Eier hart und schneide sie auseinander. Hacke Petersilie sehr klein, stoße sie im Mörser und schlage sie mit gutem Wein durch ein Tuch. Richte die Sauce an den Eiern an und serviere sie kalt.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| airen | Eier | - | - | - |
| pettersill | Petersilie | - | - | - |
| guetten wein | Guter Wein | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Halbierte hartgekochte Eier, kalt serviert mit einer leuchtend grünen Petersilien-Weinsauce - ein Kaltstarter vom Typ der mittelalterlichen Salsa verde. Verwandter Typ: Eier in Weinsauce für Nonnen (boc-055) (warme, safrangelbe Variante, päpstlicher Hof) und Grüne Eier im Schmalz (mon-008) (selbe Handschrift, selbe Technik, mit Honig und Rösten). Mon-007 ist die asketischste Form: keine Gewürze, keine Bindung, kein Erhitzen der Sauce.
Technik: stoß und slach durch Das Herzstück des Rezepts ist dreistufig: Petersilie zunächst sehr fein hacken (hack gar chlain), dann im Mörser zerstoßen (stoß), schließlich die Masse mit gutem Wein durch ein Leinentuch schlagen (Slachs durch). Das Durchschlagen ist keine bloße Verrührung - es ist die mittelalterliche Technik der Farbextraktion: das Tuch filtert alle Fasern heraus und lässt nur den intensiv grünen, weinduftigen Kräutersaft durch. Ergebnis ist eine klare, leuchtend grüne Flüssigkeit, kein Kräuterbrei. Dieselbe Technik belegen unmittelbar benachbarte Mondseer Rezepte: mon-008 (slachs in mit wein durch) und mon-009 (slachs dur).
Crux: mach=gs ab / an die air Das Gleichheitszeichen ist ein mittelalterlicher Divis, ein Zeilenwechsel-Marker in der Handschrift - kein Inhaltssignal. Die Phrase lautet durchgehend: machs ab an die air = "richte die Sauce fertig an und gib sie zu den Eiern." Machs ab ist eine stehende fnhd. Kochformel für Fertigstellen und Anrichten; im Mondseer Korpus direkt belegt in mon-008 (machs mit gburcz ab = "würze die Mischung ab") und mon-009 (machs ab = "Richte es an, so ist es recht"). Weitere Belege im Gesamtkorpus: kkm-002 (machs ab mit Saltz vnd Würtz), kkm-021 (mit würtz abmachen = fertigstellen).
Praxis. Eier 10-12 Minuten hart kochen, halbieren. Eine große Handvoll Petersilie sehr fein hacken, im Mörser gründlich zerstoßen. Die Masse in ein feines Leinentuch geben, mit trockenem Weißwein begießen und auspressen, bis die Sauce klar und hellgrün ist. Die grüne Weinsauce abschmecken (das Rezept nennt kein Salz, aber ein wenig wäre period-konform). Kalt über die Eierhälften gießen und sofort so servieren. Kein zweiter Hitzeschritt.
Ja, Goldstandard. Alle Zutaten sind robust und leicht mitzuführen. Die Sauce braucht keinen Feuerschritt - nur Mörser (oder Holzstößel) und ein Leinentuch. Kalt serviert: komplett am Vormittag vorbereitbar.
Zwei getrennte Schritte: Zuerst wird die Petersilie im Mörser zerstoßen (stoß), dann die Masse mit gutem Wein durch ein Leinentuch ausgedrückt (Slachs durch). Das Durchschlagen ist eine mittelalterliche Extraktionstechnik - das Tuch filtert alle Fasern heraus und lässt nur den intensiv grünen Kräutersaft durch. Ergebnis ist eine klare, leuchtend grüne Flüssigkeit, kein Brei.
Das ist eine stehende frühneuhochdeutsche Kochformel für "fertigstellen und anrichten". Das Gleichheitszeichen (=) ist ein mittelalterlicher Divis - ein Zeilenwechsel-Marker in der Handschrift, kein Inhaltssignal. "An die air" gibt die Richtung an: die fertige Sauce wird zu den Eiern gegeben. Dieselbe Formel findet sich in benachbarten Mondseer Rezepten: mon-008 ("machs mit gburcz ab" = richte mit Gewürz ab) und mon-009 ("machs ab" = richte an, so ist es recht).
Dieses Rezept stammt aus dem Mondseer Kochbuch (Österreich - Mondsee, Oberösterreich). Das Mondseer Kochbuch - eine der umfangreichsten deutschsprachigen Rezeptsammlungen des Spätmittelalters: rund 268 Kochrezepte aus dem oberösterreichischen Raum (Umkreis des Benediktinerklosters Mondsee, 2. Hälfte 15. Jh.), überliefert in der Sammelhandschrift Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA-Sigle GR1, fol. 11r-94v). Das Buch deckt die ganze Bandbreite einer spätmittelalterlichen Küche ab: Mandel- und Fischmuse, Sülzen und Gallerten (u.a. vom Hasen und mit Krebsen), Hausen und andere Fische, Wildbret und Spanferkel, dazu zahlreiche Fasten- und Schauspeisen - etwa aus Fisch nachgeformte Rebhühner, Blancmanger und ein Karfreitags-Eiergericht - sowie süßes Backwerk, Lebkuchen und eingekochte Weichsel-Zubereitungen. Reiche Cross-Links zur bairisch-alemannischen Salsen-, Sülzen- und Schauspeisen-Tradition (m5919, m384, meb, kkm).
Im Mörser zerstoßen - erster Schritt der Kräuterverarbeitung vor dem Durchschlagen; Ziel ist möglichst feines Aufschließen der Zellstruktur zur Farbextraktion.
Petersilienmasse mit Wein durch ein Tuch schlagen - Technik der Farb- und Aromaextraktion, um eine glatte, grüne Flüssigkeit zu gewinnen (keine Schwebstoffe). Belegt identisch in mon-008 (slachs in mit wein durch) und mon-009 (slachs dur). MHDBDB: Lemma slahen, Bedeutungsfeld Bewegungen/Objektbezogene Aktivität.
Frühneuhochdeutsche Kochformel: die Sauce fertigstellen und anrichten. Das = ist ein Divis (Zeilenwechsel-Marker in der Handschrift), kein Inhaltssignal. An die air gibt die Richtung an: zu den Eiern. Korpus-Parallelen: mon-008 (machs mit gburcz ab = würze und richte ab), mon-009 (machs ab = richte an, so ist es recht), kkm-002 (machs ab mit Saltz vnd Würtz).
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| airen | chicken egg Q15260613 |
| pettersill | parsley Q25284 |
| guetten wein | wine Q282 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
chaldt
Gewählte Lesart: "kalt" - Adjektiv/Adverb des Servierzustands (bairisch-österr. Schreibung mit -dt-Auslaut).
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Stand dieser Fassung: 27.06.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.