Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350
Ein Gericht von einem Hecht. Man nehme einen frischen Hecht und löse dessen Haut so ganz wie möglich ab. Sodann siede man den Fisch gar und entferne die Gräten. Man nehme Kräuter und zerstoße sie mit dem gesiedeten Fischfleisch. Hierzu füge man rohe Eier und Safran. Mit dieser Füllung stopfe man die Hechthaut. Brate den gefüllten Hecht sodann ein wenig an und serviere ihn.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| einen frischen hechede | frischer Hecht | 1 | Fischhändler, Wochenmarkt | - |
| krut | Eine Handvoll frische Kräuter (z.B. Petersilie, Salbei) | - | Supermarkt, Wochenmarkt | - |
| ro eyer | 2-3 rohe Eier | 2 | - | - |
| saffran | Eine Prise Safranfäden | - | Supermarkt, Online-Gewürzhandel | Ringelblume (nur für die Farbe) |
| Wasser | - | Leitung | - | |
| Salz | - | - | - | |
| Fett zum Anbraten (z.B. Butter oder Schmalz) | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein ganzer Hecht, dem die Haut möglichst am Stück abgezogen wird, damit sie anschließend als Hülle für eine Farce aus dem eigenen, bereits gegarten Fleisch dient - im Prinzip eine Fisch-Galantine, bei der die Fischhaut die Funktion der Terrinenform übernimmt. Das Grundverfahren - ganzer Fisch, gehäutet, gefüllt, wieder in Form gebracht - lebt strukturell auch in der späteren jüdischen Küchentradition des ganzen gefüllten Hechts fort, aus dem sich der heute meist als Klops servierte Gefilte Fish entwickelte; eine direkte Herleitung ist damit nicht behauptet. Verwandte Fassungen desselben Verfahrens finden sich im selben Buch bei bgs-046 (nahezu wortgleiche Doppelüberlieferung), außerdem bei mon-169 (dieselbe Technik, dort mit gesulzter Mandelmilch statt Kräuter-Ei-Farce), bei koe-014 und bgs-037 (dieselbe Grundtechnik, dort auf Aal übertragen, bei bgs-037 zusätzlich in Teig gehüllt), bei mon-058 (kürzere Fassung, die selbst auf dieses Rezept und bgs-046 als ausführlichere Parallelen verweist) sowie in einer nahezu wortgleichen Fassung bei b4-031/w1-032 (mit zusätzlichem Pfeffer- und Salzhinweis). Eine aufwendigere Namensvariante ('mayen hecht') liegt bei b4-012/w1-013 vor, und eine zur mehrfarbigen Schau-Version ausgebaute Variante bei mha-195/w1-014.
Praxis. Die Haut so ganz wie möglich ablösen. Den Fisch dann gar kochen (sieden) und entgräten. Das gegarte Fischfleisch mit den Kräutern zerstoßen, rohe Eier und Safran daruntermischen. Mit dieser Füllung die Hechthaut füllen, den gefüllten Fisch ein wenig anbraten und servieren. Der Originaltext nennt weder eine Fischgröße noch Mengen für Kräuter oder Eier, keine Gardauer und keine Angabe, wie die Öffnung verschlossen wird - hier ist Erfahrung und Fingerspitzengefühl gefragt. Da die Füllung rohes Ei enthält, sollte beim Anbraten auf ausreichendes Durchgaren geachtet werden, auch wenn der Text selbst nur ein kurzes Anbraten nennt.
Frischen Hecht erhalten Sie am besten bei einem Fischhändler Ihres Vertrauens oder auf gut sortierten Wochenmärkten. Gelegentlich bieten auch größere Supermärkte frischen Fisch an.
Nur eingeschränkt. Das Abziehen der Hechthaut in einem Stück, das Entgräten des gekochten Fisches und das anschließende Füllen und Anbraten sind Schritte, die viel Zeit, Geschick und eine saubere Arbeitsumgebung erfordern, die im Lager oft nicht gegeben ist. Praktikabel wird es, wenn die Füllung bereits zu Hause vorbereitet wird und am Lager nur noch die Haut gefüllt und angebraten werden muss.
'Krut' ist das mittelhochdeutsche Wort für 'Kraut' oder 'Pflanze' im Allgemeinen. Im Kontext dieses Rezepts sind damit frische Kräuter gemeint, die zum Würzen und Füllen verwendet werden, wie zum Beispiel Petersilie, Salbei oder Majoran.
Dieses Rezept stammt aus „Das Buch von guter Speise“. Ältestes deutsches Kochbuch, entstanden um 1350 im Haushalt des Würzburger Bischofs. 96 Hauptrezepte plus 5 in der Gloning-Edition als Sub-Rezepte gezählte Folge-/Variantenrezepte (5a, 27a, 32a, 74a, 77a).
Hecht
Gericht
Löse die Haut so ganz wie möglich ab
Sude (siede) ihn gar
Löse die Gräten heraus
Kräuter
Zerstoße
Rohe Eier
Safran
Fülle die Haut des Hechtes
Röste ihn ein wenig
Gib ihn hin / Serviere ihn
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| krut | herb Q207123 |
| saffran | saffron Q25434 |
| water Q283 | |
| table salt Q11254 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
roeste in eine wenic
Gewählte Lesart: Wir empfehlen, das abschließende Anbraten so lange fortzusetzen, bis das rohe Ei in der Füllung sichtbar durchgegart ist - auch wenn der Text selbst nur ein kurzes 'ein wenig' Rösten nennt.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 6-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.