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Gebratene Wachteln mit Wein und Safran

Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1) · Österreich (Mondsee, Oberösterreich) · 1480

GeflügelHauptspeise · GeflügelLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit45 Min.Portionen2-4 PersonenBuchMondseer Kochbuch (~1480)

Willst du Wachteln zubereiten, so nimm Wachteln und viertle sie. Lege sie dann in einen Topf, gib Schmalz hinzu und lass sie darin gut braten.

Gieße ein wenig Wein oder Essig dazu und füge Safran hinzu.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
wachtel Wachteln - Geflügelhändler, gut sortierter Supermarkt -
smalcz Schmalz - Metzger, Supermarkt Pflanzenöl
ein wenig wein oder esseich Ein wenig Wein - - Essig
saffran Safran - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -

Welches Gericht ist das? Ein technisch denkbar knappes Kurzbratgericht: Wachteln vierteln, im Schmalz im Topf scharf anbraten, mit einem Schuss Wein oder Essig ablöschen und mit Safran würzen. Das ist im Kern das Ur-Prinzip des Sautierens/Schmorens mit Ablöschflüssigkeit - der direkte Vorfahr dessen, was heute als Wachtel in Weißwein-Safran-Fond serviert würde. Ein bürgerlich-praktisches Gegenstück zu den aufwendigen Wachtel-Pasteten der höfischen Küche.

chopff = Topf, nicht Kopf. Wie im benachbarten Rezept mon-072 belegt, meint die bairische Lautform "chopff" das Kochgefäß, nicht den Kopf des Tieres.

Praxis. Wachteln vierteln, im Schmalz im Topf über offenem Feuer gut anbraten. Mit einem Schuss Wein oder Essig ablöschen und den Bratensatz lösen. Safran erst gegen Ende zugeben, damit Farbe und Aroma nicht verkochen - kurz ziehen lassen, fertig.

Wo bekomme ich Wachteln?

Wachteln sind bei gut sortierten Geflügelhändlern oder in größeren Supermärkten erhältlich. Achte auf die Herkunft und Qualität.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, gut geeignet. Es benötigt nur einen Topf und eine Feuerstelle zum Braten. Frische Wachteln sollten am Markttag gekauft oder gut gekühlt mitgebracht werden.

Was bedeuten die Begriffe 'viertails' und 'chopff' im Rezept?

'Viertails' ist als Verb 'vierteln' zu verstehen, also die Wachteln in vier Teile zu teilen. 'Chopff' ist die bairische Lautform von 'Topf', in dem die Wachteln gebraten werden - bestätigt auch durch das Nachbarrezept mon-072 im selben Kochbuch, wo dasselbe Wort an vergleichbarer Stelle steht.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Mondseer Kochbuch (Österreich - Mondsee, Oberösterreich). Das Mondseer Kochbuch - eine der umfangreichsten deutschsprachigen Rezeptsammlungen des Spätmittelalters: rund 268 Kochrezepte aus dem oberösterreichischen Raum (Umkreis des Benediktinerklosters Mondsee, 2. Hälfte 15. Jh.), überliefert in der Sammelhandschrift Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA-Sigle GR1, fol. 11r-94v). Das Buch deckt die ganze Bandbreite einer spätmittelalterlichen Küche ab: Mandel- und Fischmuse, Sülzen und Gallerten (u.a. vom Hasen und mit Krebsen), Hausen und andere Fische, Wildbret und Spanferkel, dazu zahlreiche Fasten- und Schauspeisen - etwa aus Fisch nachgeformte Rebhühner, Blancmanger und ein Karfreitags-Eiergericht - sowie süßes Backwerk, Lebkuchen und eingekochte Weichsel-Zubereitungen. Reiche Cross-Links zur bairisch-alemannischen Salsen-, Sülzen- und Schauspeisen-Tradition (m5919, m384, meb, kkm).

ITem wil dw wachtel machen so nym wachtel vnd viertails vnd leg Sy dan in chopff vnd thue smalcz dar an vnd lasß woll pratten dar Inn vnd gewß ein wenig wein oder esseich dar an vnd thue saffran dar an
wachtel

Wachteln waren im Mittelalter eine beliebte Jagdbeute und Delikatesse, die oft gebraten oder in Pasteten zubereitet wurde.

smalcz

Tierisches Fett, meist Schweineschmalz, aber auch Gänse- oder Hühnerschmalz, war ein gängiges Bratfett im Mittelalter.

saffran

Safran war ein sehr teures Gewürz und Statussymbol. Es wurde nicht nur wegen seines Geschmacks, sondern auch wegen seiner intensiven goldgelben Farbe verwendet, die Gerichten ein luxuriöses Aussehen verlieh.

Handschrift
Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)
Folio
Fol. 027r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)
Entstehung
Österreich (Mondsee, Oberösterreich), 1480
CoReMA

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

wachtelquail Q83363038
smalczanimal fat Q1423543
ein wenig wein oder esseichwine or vinegar Q282 · Q41354
saffransaffron Q25434

Originalwerk (~1480) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 027r, Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. GR1 (Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Im Topf am Feuer in etwa 45 Minuten fertig. Frische Wachteln sollten am Markttag gekauft oder gut gekühlt mitgebracht werden.
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.