Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1) · Österreich (Mondsee, Oberösterreich) · 1480
Willst du Wachteln zubereiten, so nimm Wachteln und viertle sie. Lege sie dann in einen Topf, gib Schmalz hinzu und lass sie darin gut braten.
Gieße ein wenig Wein oder Essig dazu und füge Safran hinzu.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| wachtel | Wachteln | Geflügelhändler, gut sortierter Supermarkt | - |
| smalcz | Schmalz | Metzger, Supermarkt | Pflanzenöl |
| ein wenig wein oder esseich | Ein wenig Wein | - | Essig |
| saffran | Safran | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
Welches Gericht ist das? Ein technisch denkbar knappes Kurzbratgericht: Wachteln vierteln, im Schmalz im Topf scharf anbraten, mit einem Schuss Wein oder Essig ablöschen und mit Safran würzen. Das ist im Kern das Ur-Prinzip des Sautierens/Schmorens mit Ablöschflüssigkeit - der direkte Vorfahr dessen, was heute als Wachtel in Weißwein-Safran-Fond serviert würde. Ein bürgerlich-praktisches Gegenstück zu den aufwendigen Wachtel-Pasteten der höfischen Küche.
chopff = Topf, nicht Kopf. Wie im benachbarten Rezept mon-072 belegt, meint die bairische Lautform "chopff" das Kochgefäß, nicht den Kopf des Tieres.
Praxis. Wachteln vierteln, im Schmalz im Topf über offenem Feuer gut anbraten. Mit einem Schuss Wein oder Essig ablöschen und den Bratensatz lösen. Safran erst gegen Ende zugeben, damit Farbe und Aroma nicht verkochen - kurz ziehen lassen, fertig.
Wachteln sind bei gut sortierten Geflügelhändlern oder in größeren Supermärkten erhältlich. Achte auf die Herkunft und Qualität.
Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Es benötigt nur einen Topf und eine Feuerstelle zum Braten. Frische Wachteln sollten am Markttag gekauft oder gut gekühlt mitgebracht werden.
Dieses Rezept stammt aus dem Mondseer Kochbuch, einer umfangreichen Sammlung aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Es wurde im bairisch-österreichischen Frühneuhochdeutsch verfasst und spiegelt die Küche dieser Region wider.
'Viertails' ist als Verb 'vierteln' zu verstehen, also die Wachteln in vier Teile zu teilen. 'Chopff' ist die bairische Lautform von 'Topf', in dem die Wachteln gebraten werden - bestätigt auch durch das Nachbarrezept mon-072 im selben Kochbuch, wo dasselbe Wort an vergleichbarer Stelle steht.
Wachteln waren im Mittelalter eine beliebte Jagdbeute und Delikatesse, die oft gebraten oder in Pasteten zubereitet wurde.
Tierisches Fett, meist Schweineschmalz, aber auch Gänse- oder Hühnerschmalz, war ein gängiges Bratfett im Mittelalter.
Safran war ein sehr teures Gewürz und Statussymbol. Es wurde nicht nur wegen seines Geschmacks, sondern auch wegen seiner intensiven goldgelben Farbe verwendet, die Gerichten ein luxuriöses Aussehen verlieh.
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.