Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1) · Österreich (Mondsee, Oberösterreich) · 1480
Möchtest du einen großen Brachvogel zubereiten, so nimm einen Brachvogel und bereite ihn sorgfältig vor. Nimm dann Wacholderbeeren und gieße Wein oder Essig darüber, sodass sie weich werden.
Stopfe die Beeren dann mit Gewürzen in den Vogel und brate ihn anschließend am Spieß.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| brach vogel | Brachvogel | ⚠ In DE/EU streng geschützt. Nicht erhältlich. | Ente, Gans oder großes Huhn |
| chraniperen | Wacholderbeeren | Gewürzregal, Online-Gewürzhandel | - |
| ein wein oder esseich | Wein oder Essig | - | Essig |
| gburcz | Gewürz(e) | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken |
Welches Gericht ist das? Ein ganzes Wildgeflügel - hier der Brachvogel - wird gesäubert, mit in Wein oder Essig erweichten Wacholderbeeren und Gewürzen gefüllt und am Spieß gebraten. Das ist die unmittelbare Vorstufe eines bis heute geläufigen Pairings: Wacholderbeere als klassisches Gewürz zu Wildgeflügel und Wildbraten, wie man es von Ente, Gans oder Fasan mit Wacholder kennt. Der nahezu wortgleiche Zwilling im Korpus, m5919-009 aus dem Münchner Cgm 5919, überliefert dasselbe Rezept mit der Beerenform 'kranbipir' - derselbe Wortstamm wie 'chraniperen' in diesem Text.
Warum werden die Beeren eingeweicht? Getrocknete oder halbtrockene Wacholderbeeren sind roh eher hart und geben ihr Aroma kaum ab. Das Einweichen in Wein oder Essig macht sie weich und lässt sie zugleich das Aroma des Suds aufnehmen, bevor sie gewürzt in die Bauchhöhle gestopft werden. So würzt die Füllung den Vogel während des Bratens von innen.
Praxis. Den Vogel (ersatzweise Ente, Gans oder ein großes Huhn) innen und außen säubern. Eine Handvoll Wacholderbeeren in Rotwein oder Essig etwa eine Stunde einweichen, bis sie weich sind, dann mit Pfeffer, Ingwer, Zimt und Nelken vermengen und in die Bauchhöhle füllen. Am Spieß über kontrolliertem Feuer gleichmäßig drehend braten, bis das Fleisch gar ist. Die Wacholder-Würze zieht dabei von innen ins Fleisch - ein Effekt, der sich mit der klassischen Wacholdersauce zu Wildgeflügel bis heute deckt.
Der Große Brachvogel ist in Deutschland und der EU streng geschützt und darf nicht gejagt oder gehandelt werden. Für dieses Rezept kannst du stattdessen eine Ente, Gans oder ein großes Huhn verwenden, um den historischen Geschmack nachzuempfinden.
Ja: Ein Braten am Spieß erfordert ein gut kontrolliertes Feuer und regelmäßiges Drehen, ist aber mit etwas Aufwand gut umsetzbar. Die Zutaten sind robust, und ein Ersatzgeflügel wie Ente oder Gans lässt sich gut vorbereiten und am Lager braten.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Mondseer Kochbuch', einer umfangreichen Sammlung von Rezepten aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Es wurde im bairisch-österreichischen Raum, vermutlich im Umfeld des Klosters Mondsee, verfasst und spiegelt die gehobene Küche dieser Zeit wider.
'Gburcz' ist eine frühneuhochdeutsche Schreibweise für 'Gewürz'. Im Mittelalter wurden oft Mischungen aus verschiedenen Gewürzen wie Pfeffer, Ingwer, Zimt und Nelken verwendet, um Gerichten eine aromatische Tiefe zu verleihen.
Der Große Brachvogel ist eine in Deutschland und der EU streng geschützte Vogelart. Für die moderne Küche sollte auf Zuchtgeflügel wie Ente oder Gans zurückgegriffen werden.
Bedeutet ‚säubern‘ oder ‚vorbereiten‘, nicht ‚schön machen‘ im ästhetischen Sinne.
Wacholderbeere (Kranewitt/Kranbeer), nicht Preiselbeere und nicht Cranberry - ein bairischer falscher Freund. Der nahezu wortgleiche Zwilling m5919-009 (Münchner Cgm 5919, um 1500) überliefert dasselbe Rezept mit der Form 'kranbipir' = Wacholderbeere.
Die Beeren werden in Wein oder Essig eingeweicht, um sie weicher zu machen und ihnen zusätzlichen Geschmack zu verleihen.
Die Beeren werden in den Vogel gestopft, also als Füllung verwendet.
Eine allgemeine Bezeichnung für Gewürze. Im Mittelalter waren dies oft Mischungen aus Pfeffer, Ingwer, Zimt und Nelken.
Das Braten am Spieß war eine gängige Zubereitungsart für Geflügel und Wild.
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