Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1) · Österreich (Mondsee, Oberösterreich) · 1480
Wenn du Rebhühner kochen willst, so nimm Rebhühner und siede sie gut. Danach nimm sie aus der Brühe.
Dann bereite eine Sauce zu: Reibe Senf mit Honig und seihe die Mischung rein. Gib gestoßenen Ingwer hinein.
Lege die Rebhühner und zerschneide sie an der Brust oder in Glieder.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| repphunern | Rebhühner | Wildhändler, gut sortierter Metzger | Wachteln oder kleine Hähnchen |
| prue | Kochbrühe | - | - |
| seniff | Senf | - | - |
| honig | Honig | - | - |
| gestossen ymber | Ingwer, gemahlen | - | - |
Welches Gericht ist das? Gesottenes Rebhuhn mit einer geseihten Senf-Honig-Ingwer-Sauce ist ein später Vorfahre der heute bekannten Honig-Senf-Sauce zu Geflügel und Wild. Die Grundformel - süß durch Honig, scharf durch Senf und Ingwer, glatt durch Seihen - findet sich fast wortgleich im tschechischen Rezeptbuch (sev-033, „Vögel mit Senf"): dort werden Vögel ebenfalls gekocht und mit einer durchgeseihten Senf-Honig-Sauce übergossen. Im Mondseer Kochbuch selbst taucht dieselbe Sauce noch einmal auf (mon-048), dort zu Erbsen statt zu Geflügel - ein Hinweis, dass Senf-Honig-Sauce als eigenständiger, wiederverwendbarer Baustein gedacht wurde.
Die Sauce bleibt an einer Stelle offen. Der Text nennt kein Lösungsmittel für die Senf-Honig-Mischung, bevor sie geseiht wird - Senf und Honig allein ergeben eine dickflüssige Paste, die sich kaum durch ein Sieb oder Tuch drücken lässt. Der Zwilling sev-033 löst dieselbe Sauce ausdrücklich mit Essig auf. Naheliegend ist, mit etwas Essig, Wein oder auch mit der eigenen Kochbrühe der Rebhühner zu verdünnen, bis die Mischung fließfähig wird - der Text selbst legt sich darauf nicht fest, und das sollte man beim Nachkochen offen angehen, statt es als vollständig beschriebenes Verfahren zu behandeln.
Praxis. Die Rebhühner in reichlich Wasser oder Brühe im Topf gar sieden, bis sie mürbe sind, dann herausnehmen (die Brühe selbst wird laut Text nicht weiterverwendet). Für die Sauce Senf mit Honig im Mörser oder in einer Schüssel glattreiben, mit etwas Essig oder Wein verdünnen und durch ein feines Sieb oder Tuch streichen, damit Senfkornhüllen und Fasern herausbleiben. Zerstoßenen Ingwer einrühren - die Sauce bleibt kalt, sie wird nicht mehr erhitzt. Die gesottenen Rebhühner vor dem Servieren an der Brust aufschneiden oder ganz in Glieder zerteilen, dann mit der Sauce übergießen. Reicht für 2-4 Personen und ist mit Topf, Mörser und Sieb komplett lagerküchentauglich.
Rebhühner sind heute seltener erhältlich. Frage bei einem gut sortierten Wildhändler oder Metzger nach. Alternativ kannst du Wachteln oder kleine Hähnchen verwenden, die eine ähnliche Größe und Textur haben.
Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Rebhühner werden im Topf am Feuer gesiedet, und die Sauce ist schnell zubereitet. Frisches Geflügel benötigt eine Kühlkette, kann aber am Markttag besorgt werden.
Dieses Rezept stammt aus dem Mondseer Kochbuch, einer umfangreichen Sammlung aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Es wurde im bairisch-österreichischen Raum, vermutlich im Umfeld des Klosters Mondsee, verfasst - einer praktisch geprägten Sammlung, in der Rebhuhn neben Alltagsgerichten steht.
Rebhühner waren im Mittelalter beliebtes Jagdwild, das sowohl in bürgerlich-klösterlichen als auch in höfischen Küchen verarbeitet wurde.
‚Wohl sieden' bedeutet, sie gar zu kochen, aber nicht zu zerfallen.
Frischer Ingwer wurde im Mörser zerstoßen; heute verwendet man meist gemahlenen Ingwer.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
repphunern
Gewählte Lesart: Rebhühner. Die Schreibweise ‚repphunern' ist eine bairisch-österreichische Variante von Rebhühnern.
ains
Gewählte Lesart: Etwas / eine Sauce. Die Formulierung ‚thue ains' leitet hier die Zubereitung der Sauce ein, ohne eine spezifische Zutat zu nennen, die hinzugefügt werden soll.
reibb
Gewählte Lesart: Reibe. Eine bairisch-österreichische Schreibweise für das Verb ‚reiben'.
rain
Gewählte Lesart: Rein. Hier im Sinne von ‚sauber' oder ‚geklärt', bezogen auf das Seihen der Sauce.
czw sneydt dy an der prust oder czw glider sy
Gewählte Lesart: Zerschneide sie an der Brust oder in Glieder. ‚Czw' ist eine bairisch-österreichische Form von ‚zu', hier im Sinne von ‚in' oder ‚zu'.
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