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Hühnchen mit dicker Safran-Sauce

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

Hauptspeise · GeflügelLagerküche-tauglichViel InterpretationsspielraumMittelHofküche
75 Min.2-4 PersonenKochbuch des Meisters Hans (~1460)

Original - Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)

Hühnchen mit dicker Safran-Sauce - Originalseite aus Kochbuch des Meisters Hans
Fol. 086r, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)

Transkription - Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)

Aber etwas von hunern ze machen

Item seud ein hun vnd wenn es gesotten sey So nymm des huns leber vnd schon prot herte ayer mel vnd ain Saffran vnd thue das an die huner suppnn mit essich vnd erwolle es mit dem huen vnd mach es vaist mit dem das es dick sey vnd das es beleyb vf dem hun Also mach lampflaisch vnd gepraten muosz

CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0

Moderne Übersetzung

Lagerküche-Tipp: Benötigt einen großen Topf und eine Pfanne für die Zubereitung über offenem Feuer.

Nimm ein Hühnchen und siede es. Wenn es gar gekocht ist, nimm die Leber des Hühnchens, schönes Brot, hartgekochte Eier, Mehl und Safran. Gib dies alles zur Hühnerbrühe und füge Essig hinzu.

Lass es mit dem Hühnchen aufkochen und mache es reichhaltig, sodass es dick wird und am Hühnchen haften bleibt.

Auf ähnliche Weise kannst du Lammfleisch zubereiten oder ein gebratenes Mus herstellen.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
ein hun 1 Hühnchen Metzger -
des huns leber Hühnerleber Metzger -
schon prot Brot - -
herte ayer Hartgekochte Eier - -
mel Mehl - -
ain Saffran Safran Supermarkt -
huner suppnn Hühnerbrühe - -
essich Essig - -
Fett - Schmalz oder Butter

Anmerkungen

hun

Hühnchen

gesotten

gekocht

schon prot

feines Brot, wahrscheinlich Weißbrot oder altbackenes Brot

herte ayer

hartgekochte Eier

erwolle

aufkochen lassen

vaist

fett, reichhaltig. Hier im Sinne von 'andicken und anreichern'.

beleyb vf dem hun

auf dem Huhn haften bleiben

lampflaisch

Lammfleisch

gepraten muosz

gebratenes Mus. Ein allgemeiner Begriff für eine Speise, die gebraten oder gebacken wird und eine breiige Konsistenz hat.

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

gepraten muosz

Gewählte Lesart: Die Phrase „gepraten muosz“ wird als allgemeiner Hinweis auf eine ähnliche Zubereitungsart für eine andere Speise interpretiert, nicht als direkter Bestandteil des Hühnchenrezepts. Es ist ein Beispiel für eine gebratene oder gebackene Speise mit breiiger Konsistenz.

mach es vaist

Gewählte Lesart: Die Anweisung „mach es vaist“ (mache es fett/reichhaltig) wird so interpretiert, dass zusätzlich zu den genannten Bindemitteln (Mehl, Brot) auch ein Fett (wie Schmalz oder Butter) hinzugefügt werden sollte, um die Sauce zu verdicken und geschmacklich anzureichern, auch wenn es nicht explizit genannt wird.

Andere mögliche Lesart:

  • Die Anweisung könnte sich ausschließlich auf die Bindung durch Mehl und Brot beziehen, ohne zusätzliche Fettzugabe. - Obwohl Fett zur Anreicherung üblich war, könnte der Text hier nur die Bindung durch die vorhandenen Zutaten meinen, da kein spezifisches Fett genannt wird.

Häufige Fragen

Was bedeutet „Mus“ (muosz) in diesem Rezept?

Im mittelalterlichen Kontext, insbesondere im Kochbuch des Meisters Hans, ist „Mus“ ein sehr breiter Begriff. Er kann von einem einfachen Brei über einen Auflauf bis hin zu einer Art Pfannkuchen oder einer dicken Sauce reichen. Hier, im Zusammenhang mit „gebratenes Mus“, ist eine gebratene oder gebackene Speise mit breiiger Konsistenz gemeint, die als Vergleich für die Zubereitungsart dient.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Es erfordert lediglich einen großen Topf zum Kochen des Hühnchens und eine Pfanne zum Anrichten der Sauce, was beides über offenem Feuer oder einem Dreibein umsetzbar ist. Die Zutaten sind gut transportierbar und lagerfähig.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem „Kochbuch des Meisters Hans“, das um 1460 in Basel verfasst wurde. Es ist eine wichtige Quelle für die spätmittelalterliche Küche im südwestdeutschen Raum und gibt Einblicke in die bürgerliche und höfische Kochkunst dieser Zeit.

Was ist mit „mach es vaist“ gemeint?

„Mach es vaist“ bedeutet, die Sauce reichhaltig und dick zu machen. Dies geschieht durch das Hinzufügen von Mehl und Brot, aber auch durch die implizite Zugabe von Fett (z.B. Schmalz oder Butter), um die Konsistenz zu binden und den Geschmack zu intensivieren, sodass die Sauce gut am Hühnchen haften bleibt.

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