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Hühnchen mit Gewürz-Eiersauce

Kogebog / Libellus de arte coquinaria · Dänemark · 1300

GeflügelHauptspeise · GeflügelLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit45 Min.Portionen2-4 PersonenBuchKogebog (Harpestreng-Handschrift NKS 66) (~1300)

Man soll ein Huhn ganz in Stücke schneiden. Mahle Pfeffer, Zimt und Kardamom, alles zu gleichen Teilen. Nimm das Weiße von hartgekochten Eiern, schneide es klein. Gib das Eigelb ganz hinzu, dazu Safran und Essig. Dicke die Sauce mit dem Eigelb an. Salze nach Geschmack.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
et høns 1 Huhn - -
pipær Pfeffer - -
kaniæl Zimt - -
cardemomum Kardamom Asialaden, gut sortierter Supermarkt -
æg Eier - -
safran Safran gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
ædyk Essig - -
salt Salz - -

Welches Gericht ist das? Gekochtes Huhn in einer mit hartgekochtem Eigelb gebundenen Gewürzsauce - Pfeffer, Zimt und Kardamom zu gleichen Teilen, Safran für die Farbe, Essig für die säuerliche Note. Eine weitere Hühner-Sauce derselben Familie wie das Nachbarrezept hkb-019, dazu mha-221 „Hühnchen mit dicker Safran-Sauce“ und wes-046 „Gefülltes Hühnchen mit Gewürzfarce“.

Der lateinische Titel Item aliud temperamentum pullorum („ebenfalls eine weitere Würzmischung/Sauce für Hühner“) markiert das Rezept ausdrücklich als Variante zu den vorangehenden Hühnersaucen.

Allæ iæfnæ („alle zu gleichen Teilen“): Pfeffer, Zimt und Kardamom werden in gleichem Verhältnis gemörsert - eine ausgewogene, nicht von einem Gewürz dominierte Mischung.

Blomæn al heel … gøræ thæt thiuct mæth æggi blomæ („das Eigelb ganz hinzu … die Sauce damit andicken“): das Eiweiß der hartgekochten Eier wird klein geschnitten als Einlage zugegeben, das Eigelb dient zum Binden - zerdrückt verleiht es der Sauce eine cremige, mürbe Bindung und verstärkt die gelbe Farbe.

Praxis. Huhn in Stücke teilen und in Wasser garen. Eier hart kochen, Eiweiß klein würfeln, Eigelb beiseite. Pfeffer, Zimt und Kardamom zu gleichen Teilen mörsern, mit etwas Safran und einem Schuss Essig in die Brühe geben. Eiweiß-Würfel einstreuen. Die Eigelbe mit etwas warmer Brühe glatt rühren und unter ständigem Rühren in die nicht mehr kochende Sauce ziehen, bis sie sämig bindet. Mit Salz abschmecken.

Aus welcher Handschrift stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus der Harpestreng-Handschrift NKS 66, 8vo, die um 1300 in Dänemark verfasst wurde und in der Königlichen Bibliothek Kopenhagen aufbewahrt wird. Es ist eine der ältesten nordeuropischen Kochbuchquellen.

Was bedeutet der lateinische Rezepttitel „Item aliud temperamentum pullorum“?

Der Titel bedeutet „Ebenfalls eine weitere Würzmischung/Sauce für Hühner“. „Temperamentum“ kann hier im Sinne von „Mischung“, „Würze“ oder „Sauce“ verstanden werden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind haltbar oder können vorbereitet mitgebracht werden (hartgekochte Eier). Das Huhn kann in einem Topf oder Kessel über offenem Feuer gekocht werden.

Wie dickt man die Sauce am besten mit Eigelb an?

Um die Sauce mit Eigelb anzudicken, rühre die Eigelbe (am besten die hartgekochten, zerdrückten) in einer kleinen Schüssel mit etwas warmer Flüssigkeit aus der Sauce glatt, bevor du sie unter ständigem Rühren langsam zur restlichen Sauce gibst. Achte darauf, dass die Sauce nicht kocht, um ein Gerinnen der Eigelbe zu vermeiden.

Item aliud temperamentum pullorum. Man skal skæræ et høns alt i. styki oc malæ pipær oc kaniæl oc cardemomum allæ iæfnæ. oc takæ thæt hwitæ af æg sothæt hart. oc skær smat. oc latæ til blomæn al heel. safran oc ædyk oc gøræ thæt thiuct mæth æggi blomæ. oc salt til matæ.
iæfnæ

Zu gleichen Teilen - die drei Gewürze im gleichen Mengenverhältnis.

blomæn

Eigelb (altnordisch „Blume“ = die gelbe „Blüte“ des Eis), hier zum Binden der Sauce.

hwitæ af æg sothæt hart

Das Weiße von hartgekochten Eiern - klein geschnitten als Einlage.

til matæ

Nach Geschmack.

Handschrift
Kogebog / Libellus de arte coquinaria
Folio
Fol. 147r
Sprache
Altdänisch (ca. 1300)
Entstehung
Dänemark, 1300

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartlatæ til blomæn al heel … gøræ thæt thiuct mæth æggi blomæ

Gewählte Lesart: Die hartgekochten Eigelbe werden ganz zugegeben und anschließend zerdrückt/verrührt, um die Sauce zu binden - eine gängige Methode mittelalterlicher Saucen.

Andere mögliche Lesart:

  • Die ganzen Eigelbe dienen als Einlage, gebunden wird mit zusätzlichem rohem Eigelb. - In anderen Periodenrezepten bindet man mit rohem Eigelb. Der Text nennt jedoch kein zusätzliches Ei, sondern spricht durchgehend von „dem Eigelb“ - die einfachere Lesart kommt mit den genannten hartgekochten Eiern aus.

Originalwerk (~1300) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 147r, Det Kongelige Bibliotek Kopenhagen, NKS 66, 8vo (ca. 1300), Public Domain
Transkription
Tekstnet.dk / DSL - Diplomatische Transkription nach NKS 66, 8vo. Ed. Jonathan Adams & Ebba Hjorth (2006) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Am Lager gut machbar: Huhn im Kessel über offenem Feuer kochen, Eier zuhause vorkochen und mitbringen. Beim Binden die Sauce nicht mehr aufkochen, sonst gerinnt das Eigelb.
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