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Hühnchen mit Gewürz-Eiersauce

Kogebog / Libellus de arte coquinaria · Dänemark · 1300

🐔 Hauptspeise · Geflügel 🏕 Lagerküche-tauglich ⚠ Viel Interpretationsspielraum Mittel
⏱ 45 Min.👥 2–4 Personen📖 Kogebog (Harpestreng-Handschrift NKS 66) (~1300)

Original — Altdänisch (ca. 1300)

Hühnchen mit Gewürz-Eiersauce — Originalseite aus Kogebog (Harpestreng-Handschrift NKS 66)
Fol. 147r, Det Kongelige Bibliotek Kopenhagen, NKS 66, 8vo (ca. 1300), Public Domain

Transkription (Altdänisch (ca. 1300))

Item aliud temperamentum pullorum.

Man skal skæræ et høns alt i. styki oc malæ pipær oc kaniæl oc cardemomum allæ iæfnæ. oc takæ thæt hwitæ af æg sothæt hart. oc skær smat. oc latæ til blomæn al heel. safran oc ædyk oc gøræ thæt thiuct mæth æggi blomæ. oc salt til matæ.

Tekstnet.dk / DSL — Diplomatische Transkription nach NKS 66, 8vo. Ed. Jonathan Adams & Ebba Hjorth (2006)

Moderne Übersetzung

🏕 Lagerküche-Tipp: Benötigt einen Topf oder Kessel zum Kochen des Huhns und der Sauce über offenem Feuer. Eier können zuhause hartgekocht werden.

Man soll ein Huhn ganz in Stücke schneiden. Mahle Pfeffer, Zimt und Kardamom, alles zu gleichen Teilen. Nimm das Weiße von hartgekochten Eiern, schneide es klein. Gib das Eigelb ganz hinzu, dazu Safran und Essig. Dicke die Sauce mit dem Eigelb an. Salze nach Geschmack.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
et høns 1 Huhn
pipær Pfeffer
kaniæl Zimt
cardemomum Kardamom Asialaden, gut sortierter Supermarkt
æg Eier
safran Safran Apotheke, gut sortierter Supermarkt
ædyk Essig
salt Salz

Anmerkungen

høns
Huhn (altdänisch/altnordisch „høns“ ist verwandt mit dt. Henne, engl. hen, und meint hier ein Haushuhn).
pipær
Pfeffer
kaniæl
Zimt
cardemomum
Kardamom
iæfnæ
gleich, zu gleichen Teilen
hwitæ af æg sothæt hart
das Weiße von hartgekochten Eiern
blomæn
Eigelb (wörtlich „Blume“, hier im Sinne von „Blüte“ oder „das Beste“, also das Eigelb)
ædyk
Essig
thiuct
dick
til matæ
nach Geschmack/Maß

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.

blomæn al heel / gøræ thæt thiuct mæth æggi blomæ

Gewählte Lesart: „Das Eigelb ganz hinzufügen und die Sauce damit andicken.“ Ich habe interpretiert, dass die hartgekochten Eigelbe, die ganz hinzugefügt werden, anschließend zerdrückt oder verrührt werden, um die Sauce zu verdicken. Dies ist eine gängige Methode, um Saucen mit hartgekochtem Eigelb zu binden und ihnen eine cremige Textur zu verleihen.

Andere mögliche Lesart:

  • „Das Eigelb ganz hinzufügen, und dann mit zusätzlichem rohem Eigelb andicken.“ — Es wäre auch denkbar, dass die „ganzen Eigelbe“ als Einlage dienen und die Verdickung mit *zusätzlichem* rohem Eigelb erfolgt, wie es in anderen mittelalterlichen Saucenrezepten üblich ist. Der Text spezifiziert jedoch nicht „zusätzliches“ Eigelb, sondern spricht allgemein von „dem Eigelb“.

Häufige Fragen

Aus welcher Handschrift stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus der Harpestreng-Handschrift NKS 66, 8vo, die um 1300 in Dänemark verfasst wurde und in der Königlichen Bibliothek Kopenhagen aufbewahrt wird. Es ist eine der ältesten nordeuropischen Kochbuchquellen.

Was bedeutet der lateinische Rezepttitel „Item aliud temperamentum pullorum“?

Der Titel bedeutet „Ebenfalls eine weitere Würzmischung/Sauce für Hühner“. „Temperamentum“ kann hier im Sinne von „Mischung“, „Würze“ oder „Sauce“ verstanden werden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind haltbar oder können vorbereitet mitgebracht werden (hartgekochte Eier). Das Huhn kann in einem Topf oder Kessel über offenem Feuer gekocht werden.

Wie dickt man die Sauce am besten mit Eigelb an?

Um die Sauce mit Eigelb anzudicken, rühre die Eigelbe (am besten die hartgekochten, zerdrückten) in einer kleinen Schüssel mit etwas warmer Flüssigkeit aus der Sauce glatt, bevor du sie unter ständigem Rühren langsam zur restlichen Sauce gibst. Achte darauf, dass die Sauce nicht kocht, um ein Gerinnen der Eigelbe zu vermeiden.

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